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Film & Serien Woody Allen zelebriert das Amerika der 1930er-Jahre

«Café Society» erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der in den 1930er-Jahren nach Hollywood geht, um beim Film zu arbeiten. Er verliebt sich und landet in der pulsierenden Jugendszene. Woody Allens jüngster Film ist nostalgisch und wunderschön gefilmt. Erschüttern wird er die Welt nicht.

Legende: Video Kristen Stewart wird erwachsen abspielen. Laufzeit 03:48 Minuten.
Aus 10vor10 vom 11.05.2016.

In den 1930er-Jahren kommt der junge Jude Bobby Dorfman (Jesse Eisenberg) aus der New Yorker Bronx nach Hollywood zu seinem Onkel Phil (Steve Carell), einem erfolgreichen Schauspieler-Agenten. Phil lässt ihn erst einmal tagelang im Vorzimmer warten. Das erinnert ein wenig an «Barton Fink» von den Coens. Es gibt Woody Allen die Gelegenheit, eine doch recht komische Hotelzimmer-Begegnung zwischen dem linkischen Bobby und einem angehenden Callgirl bei seinem allerersten Einsatz zu inszenieren.

Ein Einsatz, der natürlich vollkommen unschuldig bleibt, aber etliche Kalauer möglich macht. Zumal sich auch noch herausstellt, dass die angebliche Candy (Anna Camp) ein jüdisches Mädchen ist. Diese Szene wirkt in sich wie Vintage-Allen und ist eigentlich ein Sketch.

Zwei Männer in Anzug und Hut lehnen an ein Auto und rauchen.
Legende: Bobby (Jesse Eisenberg) aus New York sucht in Hollywood Anschluss bei Onkel Phil (Steve Carell). Frenetic Films

Doppelte Dreiecksgeschichte

Dann aber fasst sich der Agent ein Herz, gibt seinem Neffen einen Job als persönlichen Laufburschen und seiner Assistentin Vonnie (Kristen Stewart) den Auftrag, Bobby Hollywood zu zeigen. Bobby verliebt sich Hals über Kopf in die aparte junge Dame. Er lässt auch nicht locker, als sie ihn warnt, sie habe einen Freund.

Es gibt ein paar Überraschungen, vor allem für Bobby, aber ein wenig auch für das Publikum. Der Film ist eine doppelte Dreiecksgeschichte, einerseits um die komplizierte Liebe zwischen Bobby und Vonnie, die sich dann doch für den anderen entscheidet. Anderseits zwischen Hollywood und Bobby, der sich schliesslich doch für New York entscheidet.

Eine Blondine mit langen Locken in festlicher Stimmung, hinter ihr weitere festlich zurechtgemachte Frauen.
Legende: «Café Society» heisst auch: Glamour pur. Frenetic Films

Im Glamourstil der Dreissiger

Letztlich steckt dahinter Woody Allen selbst, mit seiner Liebe für das klassische Hollywoodkino der Periode und seiner Verbundenheit mit New York. Allen inszeniert sowohl Hollywood als auch New York im Glamourstil der Dreissigerjahre, unterstützt von seinem langjährigen Ausstatter Santo Loquasto und den absolut hinreissend ausgeleuchteten Bildern von Vittorio Storaro.

Die Hollywoodbilder erinnern daran, wie sich Tinseltown selbst inszenierte, und wie es sich in die Erinnerung einbrennt über endlos wiederholte Inszenierungen, zuletzt etwa wieder bei den Coen-Brüdern in «Hail, Cesar!».

New York als Traumlandschaft

New York zwischen Nachtclubs, Gangstertum, jüdischer Familienküche und Reihenhäuschen ist auch noch nicht das New York von Martin Scorsese. Sondern eher die Traumlandschaft eines Filmliebhabers, der sich sogar in den Gangsterfilmen jener Jahre heimischer fühlt als im Hier und Jetzt.

Bei einer Begegnung in New York etliche Jahre später – Bobby ist mittlerweile verheiratet und Vater – gesteht er Vonnie im Central Park, dass er nie aufgehört habe, sie zu lieben. Und sie erklärt, dass sie immer wieder von ihm träume. Aber Träume sind Träume, sagt sie dann.

Woody Allen kommentiert den Film

Jesse Eisenberg spielt die Woody-Allen-Figur in diesem Film. Seine Sätze sind oft so geprägt von Allens Duktus, dass man den Filmemacher im Hintergrund mitmurmeln zu hören glaubt. Tatsächlich ist auch Allen präsent. Er hat sich entschlossen, den gesamten Film als Kommentator mitzuerzählen. Er habe das Gefühl gehabt, die Geschichte, die er hier erzähle, sei eigentlich ein Roman. Und er sei nun eben als Erzähler, als Autor präsent.

Schwer zu sagen, ob das dem Film hilft oder nicht. Allen ist präsent, tönt aber hölzern, als ob er seinen Text tatsächlich einfach vorlesen würde. Das wiederum erhöht den Kontrast zu Jesse Eisenberg, der zuweilen tönt, als ob er den frühen Woody Allen imitieren würde.

Hinter jeder Entscheidung wartet die nächste. Und Träume bleiben Träume. Auch für einen grundsätzlich skeptischen Berufsträumer wie Woody Allen. Dafür sind sowohl Steve Carell wie auch Kristen Stewart hinreissend. Nicht zuletzt, weil eigentlich nur ihre beiden Rollen wirklich etwas zu spielen geben. Alle anderen Figuren sind eher Teil des Dekors.

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