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Wie umgehen mit Alkoholproblemen?
Aus Kultur-Aktualität vom 24.09.2020.
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6 Fragen zu Alkoholismus Ist mein Alkoholkonsum problematisch?

Was sind erste Anzeichen von Alkoholismus? Wie spreche ich problematisches Konsumverhalten von Bekannten an? Ein Suchtexperte gibt Antworten auf die brennendsten Fragen.

Ein Gläschen Wein hier, ein Bierchen da – dabei bleibt es oft nicht. Jeder fünfte Schweizer trinkt zu viel. Laut Bundesamt für Gesundheit sind zwischen 250'000 und 300'000 Schweizerinnen und Schweizer alkoholsüchtig.

Aber: Ab wann spricht man überhaupt von einer Sucht? Wen trifft es besonders häufig? Und wie spricht man Bekannte, Kollegen oder Freunde beim Verdacht eines Alkoholproblems darauf an?

Anlässlich des Nationalen Aktionstags Alkoholprobleme, Link öffnet in einem neuen Fenster gibt Suchtexperte Alexander Wopfner, Chefarzt der Suchtklinik Südhang, Antworten.

1. Warum ist Alkoholsucht so verbreitet?

Alkohol ist legal und überall verfügbar – und genau deshalb als potenzielles Suchtmittel so gefährlich. Alexander Wopfner findet ausserdem das paradoxe Verhältnis unserer Gesellschaft zu Alkohol problematisch: «Bis zu einem gewissen Grad muss man ja Alkohol trinken, um dazuzugehören. Wenn es dann aber zu viel wird oder eine Sucht daraus entsteht, will man plötzlich nichts mehr mit der betroffenen Person zu tun haben. Das ist bigott.»

Aus dem Archiv: «Mona mittendrin» bei Alkoholikern
Aus DOK vom 30.08.2020.

2. Wen trifft's und warum?

Vor allem bei Männern gehöre Alkohol zum Rollenbild dazu, so der Experte. Tatsächlich sind zwei Drittel der Patienten, die Alexander Wopfner behandelt, männlich. «Grundsätzlich kann aber jede und jeder in die Alkoholsucht abrutschen», versichert er.

Bei manchen passiere es schleichend und ohne konkreten Anlass. Die meisten aber wollen durch Alkohol andere Probleme vergessen machen. «Viele versuchen, eine psychische Erkrankung, Stress bei der Arbeit oder Streit mit dem Partner oder der Partnerin mit dem Trinken zu betäuben.»

3. Wo fängt ein Alkoholproblem an?

Suchtexperte Wopfner unterscheidet beim Alkoholkonsum zwei Stufen: ein riskantes Trinkverhalten und die Abhängigkeit. Eine Sucht werde vor allem dann deutlich, wenn Betroffene sich im Alltag merklich anders verhalten: «Wenn jemand morgens vor lauter Kater seine Aufgaben nur schwer bestreiten kann oder in Situationen alkoholisiert ist, in denen er eigentlich parat sein müsste, sind das ganz deutliche Warnsignale.»

Video
Aus dem Archiv: Fakten zum Alkoholkonsum in der Schweiz
Aus Kultur Webvideos vom 02.03.2019.
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4. Ab wann ist zu viel zu viel?

Da gibt es Richtwerte. Gemeinhin wird Frauen empfohlen, nicht mehr als ein Glas Bier oder Wein pro Tag zu trinken. Bei Männern sind es zwei Gläser. Wer darüber liegt, könnte ein Suchtproblem haben.

5. Was tun, wenn ich jemanden kenne, der zu viel trinkt?

Wenn jemand im Umfeld süchtig sein könnte oder zumindest zu viel trinkt, empfiehlt Alexander Wopfner, das Thema offen anzusprechen: «Das passiert leider viel zu selten, weil Alkoholsucht eben immer noch ein tabuisiertes und stigmatisiertes Thema ist.»

Diese Vorsicht sei für die Betroffenen allerdings sehr schädlich. «Es hilft in einem Gespräch eher, die Sorgen anzusprechen, die man hat, statt Vorwürfe zu formulieren.»

6. Was ist bei so einem Gespräch wichtig?

Möglichst nicht wertend formulieren und konkrete Situationen schildern: «Wenn ich sage ‹Du hast ein Alkoholproblem› klingt das erst mal nach einer Anschuldigung. Die Person wird sich höchstwahrscheinlich zurückziehen. Wenn ich aber vor allem meine Eindrücke und Gefühle schildere, ist die Gesprächsbasis eine andere.»

Oft bringe so ein Gespräch Menschen dazu, sich über das eigene Problem bewusst zu werden – und sich dann vielleicht auch professionelle Hilfe zu suchen.

Anlaufstellen für Betroffene und Angehörige

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SRF2 Kultur, Kultur Aktualität, 24.09.2020, 08:06 Uhr.;

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30 Kommentare

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  • Kommentar von Beatus Gubler  (Tabeas)
    Der Alkoholmissbrauch kostet die Schweiz 5x soviel wie alle anderen Drogen zusammen. Es gab eine Zeit, da war der Alkohol als Entwicklungsstütze für die Menschheit wichtig. Alkohol war lange das Schmerzmittel Nummer 1, gegen Schmerzen des Gemüts und gegen körperliche Schmerzen. Heute aber gäbe es andere Möglichkeiten, und der Alkohol wurde zur Volksdroge Nummer 1. Was über 3 Gläsern pro Woche liegt, hat mit Sucht zu tun. Der Mensch hat aber ein Recht auf Rausch, Ehrlichkeit ist hier wichtig.
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  • Kommentar von Albert Planta  (Plal)
    Ich geniesse nur hochwertige Erzeugnisse , jedoch höchstens 1 x pro Woche! Will man keine gesundheitlichen Schäden riskieren muss man sich einschränken!
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  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Ich nehme 0-2 Mal im Monat ein Grappa oder noch seltener ein Bier. Der Ausgang findet bei mir fast ausschliesslich ohne Alkohol statt. Nicht weil ich Angst davon habe, sondern weil es bestens ohne geht. Auch in meinem Umfeld gibt es Menschen die kein Mass mehr haben beim Umgang mit Alkohol, diese zu erreichen ist schwierig bis unmöglich.
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