«Blick in die Feuilletons»: Mali-Krieg und Niemeyer-Bauten

Die Mali-Intervention ist für den französischen Philosophen Bernard-Henri Lévy Pflicht, schreibt er in einem Plädoyer in der FAZ. In der «Basler Zeitung» macht man sich auf akustische Spurensuche rund um den brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer.

Soldat im Kampfanzug kniet nieder und kontrolliert Sprengkörper. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Lévy hat den Kampf gegen das Böse zu seinem Thema gemacht: Für ihn ist Frankreichs Intervention in Mali Pflicht. keystone

Mit «Warum wir die Pflicht haben, Mali zu schützen» hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung heute ein Plädoyer des französischen Philosophen Bernard-Henri Lévy veröffentlicht. Der Philosoph hält darin in gewohnt kämpferischer Manier fest, der Einsatz für Demokratie dürfe nicht dort enden, wo der Terror beginne. Die französische Intervention in Mali ist laut Bernard-Henri Lévy aus verschiedenen Gründen zu befürworten.

Lévy befürwortete auch den Irak-Krieg und den Lybien-Einsatz

Sie verhindere erstens die Bildung eines terroristischen Staates im Herzen Afrikas und vor den Türen Europas. Zweitens vereitle die Intervention die wahren Kriegsziele der islamistischen Tuareg-Gruppe «Ansar Dine». Und schliesslich bestätige die Intervention auch die hervorragende Rolle Frankreichs, das in vorderster Reihe für die Demokratie kämpfe.

So überzeugt sich der Philosoph vom Vorgehen Frankreichs zeigt: Die Mali-Taliban zu besiegen, werde kein Spaziergang, mahnt er und erinnert an Libyen, wo sich die Wüste als unerwartet tückisches Kriegs-Terrain entpuppt habe. Das Plädoyer des Philosophen überrascht nicht. Der Intellektuelle mit Hang zur Selbstinszenierung ist seit Jahren unterwegs im Kampf gegen das Böse und schreckt vor Militärschlägen nicht zurück. Er hielt in der Vergangenheit auch Bushs Irak-Invasion für gerechtfertigt und trieb den früheren französischen Präsidenten Sarkozy in den Libyen-Einsatz.

«Skulpturen aus Beton»

Der brasilianische Architekt Oscar Niemeyer ist am 5. Dezember gestorben, kurz vor seinem 105. Geburtstag. Die letzten Tondokumente der Architekturikone sind nun in einem Hörbuch erschienen, das die Basler Zeitung heute bespricht. 

«Skulpturen aus Beton» heisst das Hörbuch des Autors Moritz Holfelder, der bereits Hörbücher über Peter Zumthor oder Zaha Hadid veröffentlicht hat und dafür ausgezeichnet wurde. Holfelder hat den grossen Architekten vor einem Jahr getroffen und seine letzten Kommentare über Architektur und Philosophie kombiniert mit Reportagen über wichtige Schauplätze von Niemeyers Lebenswerk.

Krieg und Architektur

2:26 min, aus Blick ins Feuilleton vom 16.01.2013

Dem Hörbuch gelinge es grossartig, die Atmosphäre der Schauplätze akustisch einzufangen, findet die «Basler Zeitung». Die Sätze des Architekten wirkten «weise und doch unbeschwert, leicht aber selbstbewusst». Die Hörer erfahren laut Basler Zeitung auch viel über Niemeyers Wegbegleiter, die seit Jahrzehnten tot sind. Und sie lernen, dass die geschwungenen Formen der Niemeyer-Bauten in Brasilien Fruchtbarkeitssymbole sind: So soll es Glück bringen, sich schwanger vor einem Niemeyer-Bau fotografieren zu lassen.