Ein Zürcher Klo für zwei Milliarden Menschen

Über zwei Milliarden Menschen haben keine Toilette – oder eine ungenügende. Das gefährdet ihre Gesundheit, nimmt ihnen ihre Würde und verschmutzt die Gewässer. Deshalb entwickelt eine junge Industriedesignerin in Zürich ein Klo, das sich auch die Ärmsten leisten können.

Mit 22 erfuhr Mona Mijthab, wie wichtig eine Toilette wirklich ist. Sie arbeitete für eine Entwicklungsorganisation in der Stadt Mymensingh in Bangladesch. An ihrem ersten Arbeitstag im Slum goss es in Strömen. Die meisten Bewohner hatten keine Toilette, sie mussten sich zwischen den Hütten einen Platz fürs Geschäft suchen.

«Man sieht, wie die Abwasserströme über die schmalen Wege fliessen», erinnert sich Mijthab. Aber die Menschen hätten keine Wahl, sie müssten in diesen Verhältnissen leben. Sie holen ihr Wasser zum Kochen aus einem nahen See, ihre Kinder spielen in den Abwässern. Das hat mich stark getroffen.»

Eine weisse Frau blättert mit einem Schwarzen in einem Buch, eine schwarze Frau schaut zu. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Lagebesprechung vor Ort: Mona Mijthab mit lokalen Mitarbeitern in Naivasha (Kenia). Mosan

Vor allem Kleinkinder werden immer wieder mit Durchfallkeimen infiziert. Hunderttausende weltweit sterben daran. Diese Erfahrung hat Mona Mijthabs Blick auf das Klo verändert: «Ich habe erfahren, dass eine gute Toilette so wichtig ist wie die Luft zum Atmen.»

Holzkiste mit Loch

Und so hat sie das Start-up Mosan gegründet, um eine Toilette zu entwickeln, die sich auch sehr arme Menschen leisten können. Als erstes befragte sie in Mymensingh die Bewohner nach ihren Bedürfnissen.

Viele Menschen müssen wegen den häufigen Überschwemmungen oft umziehen. Manchmal auf schmale Dämme. «Die beste Lösung für diese Situation ist eine mobile Toilette», sagt Mona Mijthab.

Bald zimmerte sie ihr erstes Testklo: Eine Holzkiste mit Loch, eine WC-Brille, im Innern ein ausgedienter Farbeimer. «Ein sehr roher Prototyp», sagt Mijthab, «ich konnte mir nicht vorstellen, dass jemand so etwas ausprobieren wollte.» Sie täuschte sich. Alles schien den Menschen besser als keine Toilette.

Eine Brille, zwei Öffnungen

Mittlerweile hat Mona Mijthab ihre Mosan-Toilette fast fertig entwickelt. Aus der Holzkiste wurde ein ovaler Plastik-Eimer. Im Innern zwei separate Tanks - und es gibt einen Deckel, der als spezielle Klobrille funktioniert. Die Brille hat zwei Öffnungen, eine für den Urin und die andere für die Fäkalien.

Die Mosan-Toilette trennt Urin und Kot, damit sie rezykliert werden können. Das liefert Ressourcen und im Slum werden Böden und Gewässer nicht durch Fäkalien verunreinigt.

Kochen mit Fäkalien

Der separierte Urin taugt mit Wasser verdünnt als Dünger, da er selten mit gefährlichen Keimen belastet ist. Der bakterienreiche Kot muss in einem Ofen, der mit Sonnenlicht geheizt wird, sterilisiert werden. Dabei entsteht ein geruchloses Material, das mit Kohlestaub vermischt als Brennstoff taugt.

Bei Versuchen in Kenia hatten die Menschen kaum Vorbehalte dagegen, erzählt Mona Mijthab. Sie verwenden oft Kuhdung als Brennstoff fürs Kochen: «Das Kochen mit Fäkalien ist darum kein grosses Tabu.»

Die Mosan-Toilette braucht also einen Abhol- und Recyclingdienst. Das sei aber keine Hürde, sagt Mona Mijthab, sondern eine Chance: So würden viele Jobs geschaffen.

Sie ist im Gespräch mit lokalen Entwicklungsorganisationen, die Mosan-Klos inklusive Komplettservice an Slumbewohner in ihrer Gegend vermieten wollen. So kämen die Menschen zu einer bezahlbaren Toilette, die sicherer ist als die üblichen Alternativen: ein improvisiertes Plumpsklo oder gar nur ein Platz hinter der Hütte des Nachbarn.

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