Epochale Erfindungen Erfindungen der Renaissance prägen das Leben bis heute

Aus der europäischen Geschichte sticht eine Epoche hervor: die Renaissance. Ihre Erfindungen haben Kettenreaktionen des Fortschritts in Gang gesetzt. Einige entwickelten sich zu Grundlagen unseres heutigen Alltags. Fünf Beispiele.

1. Der «automatische Ritter» oder die Mechanik der Bewegung

Ritter aus Blech und rechts daneben der Entwurf von Leonardo da Vinci Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der «automatische Ritter» als «erster Roboter», gebaut nach Entwürfen von Leonardo da Vinci. Wikimedia

Leonardo da Vinci (1452 – 1519), der geniale Ingenieur und Universalkünstler, präsentierte um 1495 am Mailänder Hof eine seiner neuen Erfindungen: eine Art «automatischer Ritter», eine Blechpuppe, die angeblich sogar Ellbogen und Handgelenke bewegt haben soll.

In der Eisenrüstung verbarg da Vinci ein System von Rollen und Flaschenzügen. Zwar war damit der Roboter im heutigen Sinn noch nicht erfunden, weil der Eigenantrieb fehlt.

Doch da Vinci hat das Prinzip der Mechanik der menschlichen Bewegung erkannt und versucht, sie mit Flaschenzügen nachzubauen.

2. Kopernikus revolutioniert das Weltbild

schematische Darstellung Kopernikus': Die Erde dreht sich um die Sonne und nicht umgekehrt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das heliozentrische Weltbild des Kopernikus: Die Erde dreht sich um die Sonne und nicht umgekehrt. Wikimedia

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Sendehinweis

Die Sternstunde Religion zeigt eine zweiteilige Dokumentation:

Lange Zeit gab es nur die eine Sicht: Die Erde ist das Zentrum, um das sich die Gestirne, also auch Sonne und Mond drehen. Ein Weltbild, wie es nicht zuletzt die damalige Kirche vertrat – bis Renaissance-Gelehrte begannen, diese Sicht in Frage zu stellen.

Ausgerechnet ein Mann, der im Dienst der Kirche stand, gab den entscheidenden Anstoss dazu: Nikolaus Kopernikus (1473 – 1543), Domherr des Bischofs in Preussen.

Er war ein Universalgelehrter: Jurist, Mathematiker, Arzt und Astronom. Seine Entdeckung: Die Erde dreht sich um die eigene Achse, und sie umkreist die Sonne.

Aus Angst vor der immensen Bedeutung dieser Erkenntnis zögerte Kopernikus lange, sie zu veröffentlichen. Und tatsächlich: In der Ablehnung des kopernikanischen Weltbilds waren sich die katholische Kirche und der Reformator Martin Luther ausnahmsweise einig. Luther bezeichnete Kopernikus als «Narr».

3. Doppelte Buchhaltung oder die Erfindung des Bankwesens

Porträt Luca Pacioli in Mönchsgewandt mit Schreibwerkzeugen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Luca Pacioli beschrieb als erster die «doppelte Buchführung», die die Medici später verwendeten. Wikimedia

Die Renaissance ist berühmt für die explosionsartige Entwicklung von Kunst und Bildhauerei, zum Beispiel in Florenz. Den Treibstoff dazu lieferten die Medicis – steinreiche italienische Familien, europaweit bestens vernetzt. Die Medicis waren die grossen Mäzene der italienischen Renaissance-Künstler.

Eine kleine Erfindung hat den Erfolg und Reichtum der Medicis wesentlich befeuert: Die doppelte Buchhaltung. Erst durch die genaue Kontoführung wurde es möglich, Darlehen und Kreditbriefe in grossem Stil zu handhaben und die Übersicht über die Vermögenswerte zu bewahren.

Nicht zuletzt dank dieses Instruments gelang es den Medicis, als eine Art frühe «global players» mit Geldgeschäften immensen Reichtum zu erwirtschaften – und mit einem Teil davon Bauwerke und bildende Kunst, ja sogar ganze Künstlerkarrieren zu fördern.

Das geschah nicht ohne Eigennutz: Mit dem Kirchenbau investierten die Gönner in ihr Seelenheil, und sie rechneten damit, dass Glanz und Ruhm der Künstler und ihrer Werke auf die Medicis zurückstrahlen würde.

4. Von der Zentralperspektive zu CAD-Programmen

Raffaels Gemälde «Schule von Athen» mit allen berühmten Philosophen der Antike Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Raffaels «Schule von Athen» ist ein Paradebeispiel für die zentralperspektivische Malerei des frühen 16. Jahrhunderts. Wikimedia

Die Renaissance gilt als jene Epoche, welche der Architektur entscheidende Impulse gegeben hat. Der Architekt und Bildhauer Filippo Brunelleschi (1377-1446) studierte römische Ruinen und begann, diese genau zu vermessen.

Er gilt als Wiederentdecker der Zentralperspektive, die man bereits in der Antike in Ansätzen kannte, die aber seither in Vergessenheit geraten war. Diese Entdeckung ermöglichte es, für Bauwerke Pläne anzufertigen.

Was bisher bloss im Kopf der Baumeister gespeichert war, konnte nun visuell dargestellt werden – manche sagen sogar, das sei die Geburtsstunde des Architekten.

Die Zentralperspektive revolutionierte auch die Malerei: Sie ermöglichte es Künstlern, die räumliche Welt viel realistischer darzustellen, als wäre der Betrachter Teil der Szenerie. Letztlich stützen sich auch die heutigen CAD-Programme, die Zeichenprogramme für Baupläne, auf diese Entdeckung.

5. Vom Buchdruck zur globalen Kommunikation

Grosser Foliant mit kolorierten Kapitelbuchstaben, gedruckt um 1460 Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Druck des Catholicon um 1460 wird Johannes Gutenberg zugeschrieben. Wikimedia

Im Mittelalter war Lesen und Schreiben ganz wenigen Kirchenmännern vorbehalten. Die Analphabetenquote lag in Europa bei 90 Prozent.

Bücher – vorab natürlich die Bibel - mussten umständlich von Kopisten abgeschrieben werden. Aber wer schrieb, konnte auch falsch abschreiben oder gar umschreiben und besass eine Monopolstellung – bis zur Renaissance.

Johannes Gutenberg (1400 – 1468) verband Reproduktionsverfahren, die teilweise bereits bekannt waren, zu einem Gesamtsystem mit in Blei gegossenen einzelnen Lettern. Plötzlich konnten Bibeln und Flugschriften rasch gedruckt und in Umlauf gebracht werden.

Die Erfindung des Buchdrucks 1450 in Mainz ist von epochaler Bedeutung: Sie ermöglichte den Zugang zu Wissen und Bildung und sie bildete den Brandbeschleuniger der Reformation. Es ist die Geburtsstunde der Massenkommunikation.