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An einem Tisch sitzen essend ein junger Mann und eine lachende junge Frau.
Legende: In ihrer Familie gelten klare Regeln: Hülya und ihr Bruder (aus «Glaube Liebe Lust – Sexualität in den Weltreligionen»). Bildersturm Filmproduktion
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Gesellschaft & Religion Erlaubt oder verboten? Sex vor der Ehe in den Weltreligionen

Religiöse Traditionen haben ein schwieriges Verhältnis zum Sex. Dennoch sind die religiösen Regeln und ihre Anwendung von grosser gesellschaftlicher Bedeutung. Wie genau lauten diese Regeln? Was ist erlaubt, was verboten? Fünf KennerInnen der grossen Weltreligionen erklären. Teil 1: Sex vor der Ehe.

Sasikumar Tharamalingam (Hinduismus):

Erlaubt oder verboten?

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Teil 2: Verhütung?

Teil 3: Ausserehelicher Sex?

Teil 4: Scheidung?

Teil 5: Homosexualität?

«Sex vor der Ehe ist nicht erlaubt. Aber Sexualität ist im Hinduismus kein tabuisiertes Thema. Auch im Tempelturm, im heiligsten Bereich des Tempels, gibt es diese Figuren, die von Kamasutra inspiriert sind. Sexualität gehört zur Natur. Aber es gibt diese Bedingung: keinen Sex vor der Ehe.»

Rifa’at Lenzin (Islam):

«Sexualität ist im Islam grundsätzlich positiv besetzt. Viele Koranverse und Prophetenüberlieferungen (Hadīth) bestätigen die positive Einschätzung der menschlichen sexuellen Beziehung. Der Islam sieht die sexuelle Beziehung als natürlichen Bestandteil von Gottes Schöpfung. Die Eheschliessung ist prinzipiell empfohlen. Eine Frau hat in der Ehe genauso ein Recht auf sexuelle Erfüllung wie der Mann.
Allerdings gilt religionsrechtlich jeglicher Sex ausserhalb der Ehe als Unzucht (zinā’) und ist damit haram (verboten). Was das im Einzelfall bedeutet, hängt von den im jeweiligen Land geltenden gesetzlichen Bestimmungen ab. Ob Sex vor der Ehe sozial akzeptiert wird, hängt ebenfalls von den Gegebenheiten vor Ort ab. Was in Städten wie Istanbul in gewissen Kreisen akzeptabel sein kann, ist anderenorts, zum Beispiel in ländlichen Gebieten, völlig tabu.»

Zu den Experten

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Sasikumar Tharamalingam: Tamile und Hindupriester in Bern

Rifa’at Lenzin: Islamwissenschafterin, Fachreferentin Islam und Co-Leiterin des Zürcher Lehrhauses

Michel Bollag: Fachreferent Judentum und Co-Leiter des Zürcher Lehrhauses

Christina Aus der Au: reformierte Theologin, Uni Basel

Norbert Reck: katholischer Theologe in München

Michel Bollag (Judentum):

«Das Judentum hat eine positive Beziehung zu Körper und Sexualität. Körperliche Liebe ist nichts Schlechtes, verlangt aber eine zwischenmenschliche Beziehung. Die Thora verbietet Sex vor der Ehe, wenn nicht eine darauffolgende Bindung folgt. Haben also zwei unverheiratete Menschen miteinander Sex, sollte eine Heirat folgen. Ultraorthodoxe Juden kennen keinen Sex vor der Ehe. Die Praxis unter modernen Orthodoxen und unterschiedlichen Reformströmung des Judentums ist verschieden. Eine voreheliche sexuelle Beziehung ist kein Drama, hat aber Konsequenzen.»

Christina Aus der Au (Reformierte):

«In der Sexualität kommen sich zwei Menschen sehr nahe. Wir sollten uns sicher sein, mit wem wir das erleben wollen. Die Fixierung auf ‚vorher – nachher‘ bindet aber oft viel Energie, die man besser in die Beziehung steckt. Christen und Christinnen leben nicht aus Gesetzlichkeit, sondern aus Freiheit und Liebe.»

Norbert Reck (Katholizismus):

«Nach katholischer Lehre ist Sex den Eheleuten vorbehalten. Denn die Ehe ist ein Sakrament, das heisst, in der Hingabe der Eheleute zueinander soll sich die Liebe Gottes zu den Menschen spiegeln. Sie ist etwas Heiliges. Deshalb sollen Unverheiratete enthaltsam leben. Nach einer Umfrage unter den Katholiken der Welt, die Papst Franziskus im Jahr 2013 in Auftrag gegeben hat, zeigte sich jedoch, dass die überwiegende Mehrheit der katholischen Gläubigen diese Lehre nicht teilt und auch das sexuelle Kennenlernen vor der Ehe in Ordnung findet.»

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Lesic Milan  (Milee)
    mir fehlt hier die älteste der tradditionellen christlichen Kirchen, die Orthodoxe. Hier hält mann es mit den Worten von Paulus: Da wo die Liebe rein ist ist das Bettlaken ehrenhaft. Alles spätere wurde oftmals von neidischen Mönchen dazugefügt. Das ist aber kein Freilos, die Orthodoxen erlauben mehrere Ehen, aber es gilt der Grundsatz: passe auf, wieviele Ehen du eingehst. Zu beachten muss mann, es wird jede Liebes-Beziehung als Ehe angesehen, dass heisst halte die Anzahl Partner gering!
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  • Kommentar von Reto Suhner , Zürich
    Mir fehlt der Taoismus.
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  • Kommentar von M. Bolder , Muhen
    Von den fünf Weltreligionen fehlt mir hier der Buddhismus. Zudem ist es etwas unglücklich, dass hier die Reformierten und der Katholizismus in den Stand von Weltreligionen erhoben werden. (Auch stellen "die Reformierten" keine christliche Konfession dar, sondern bezeichnen nur einen Teil der Vertreter einer Konfession.)
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    1. Antwort von SRF Kultur (SRF)
      Sie haben recht, der Buddhismus ist natürlich verbreitet und wichtig. Es ist generell schwierig, alle wichtigen religiösen Richtungen in angemessener Form zu berücksichtigen. Die Haltung der verschiedenen buddhistische Lehren zu diesem Thema sind sehr vielfältig und interessant – aber auch wenig prägnant: Zu vielen in dieser Reihe verhandelten Fragen gibt der Buddhismus keine genauen Handlungsanweisungen. Deshalb haben wir ihn weggelassen – wie noch viele andere Strömungen und Glaubensrichtungen.
    2. Antwort von M. Bolder , Muhen
      Danke für Ihre Antwort. Allerdings scheint mir dann der Zusatz im Titel ("... in den Weltreligionen" schlicht falsch. Zum einen gehört der Buddhismus nun mal zu den Weltreligionen, andererseits sind die Reformierten und der Katholizismus keine Weltreligionen, sondern Vertreter einer der grossen Weltreligionen. Zudem gibt es keine offizielle Lehrmeinung der "Reformierten". Besser wäre wohl gewesen einen Zusatz wie etwa "... in verschiedenen religiösen Traditionen" zu wählen.