Eso-Boom in Italien: Die Kirche reagiert mit mehr Exorzisten

In Italien arbeiten immer mehr Exorzisten, ganz offiziell und mit dem Segen der katholischen Kirche. Diese bekämpfen inzwischen nun auch recht menschliche Teufel. Denn in Italien gibt es immer mehr Scharlatane, Wunderheiler und Kartenleger – sehr zum Missfallen der Kirche.

Älterere Mann hält Tarotkarten in der Hand. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Immer mehr Wahrsager und Kartenleger bieten ihre Dienste an. Die Kirche will diesen Scharlatanen das Handwerk legen. Keystone

  • Zwielichtige Wahrsager oder Kartenleger erleben in Italien einen regelrechten Boom. Der Bedarf an übersinnlicher Hilfe ist offenbar gross.
  • Die katholische Kirche will gegensteuern. Sie bietet an der päpstlichen Hochschule in Rom einen Exorzismuskurs an. Der Berufszweig soll professionalisiert werden und sich so von den Scharlatanen abgrenzen.
  • Der Kurs richtet sich nicht nur an Geistliche, sondern auch an Psychologen, Juristen oder Lehrer. Ziel ist es unter anderem, die vermeintlich magischen Praktiken als Betrug und Geldmacherei zu entlarven.

Der Gang zum Magier, Hexer oder Kartenleger ist in Italien zu einem nationalen Problem geworden. Einer Umfrage der Caritas Italiana zufolge frequentiert mindestens jeder sechste Italiener einmal im Jahr eine solche Person. Tendenz steigend.

Die katholische Kirche bietet nun einen ersten Exorzismus-Kurs an, der sich von den manipulativen Praktiken von Kartenlegern und Wahrsagern abgrenzen will. Mit diesem Kurs an der päpstlichen Hochschule Regina Apostolorum in Rom soll gegen das wachsende Heer der Wunderheiler vorgegangen werden. Der Kurs wendet er sich nicht nur an Geistliche, sondern auch an Laien.

Exorzieren nur bei eindeutigen Symptomen

Die Kirche bildet schon seit längerem wieder mehr Exorzisten aus. Insgesamt sind in den italienischen Diözesen mehr als 250 ausgebildete Exorzisten im Einsatz. Vor einigen Jahren war es nur rund die Hälfte.
Die Kirche will, dass der Exorzismus ernst genommen wird. Deshalb arbeiten Teufelsaustreiber heute eng mit Medizinern, Psychiatern und Psychologen zusammen.

Man nimmt sich auch nur dann eines Falles an, wenn dieser anders nicht behandelt werden kann und mehrere Symptome auf Besessenheit hindeuten, wie etwa das Reden in toten oder noch im Gebrauch befindlichen Sprachen, die der oder die Betroffene nicht kennen kann.

Teufel austreiben, aber modern

Die Exorzisten sind sehr daran interessiert, nicht selbst als Scharlatane vorgeführt zu werden. Deshalb auch ihr Interesse an einer Zusammenarbeit mit Laien und Nichtkatholiken.

Der Internationalen Exorzistenvereinigung, der alle italienischen Exorzisten angehören, geht es darum, die Teufelsaustreibung zu «modernisieren». Sie wollen Exorzismus auch bei modernen gesellschaftlichen Phänomen anwenden können.

Verfechter dieser Modernisierung ist Padre Gabriel Amorth. Der heute 90-jährige hat während seiner Exorzistenkarriere rund 50‘000 Teufelsaustreibungen vorgenommen. Vor allem unter Papst Benedikt XVI. hat sich die Idee eines quasi wissenschaftlichen Umgangs mit Teufelsaustreibungen in der Kirche durchgesetzt. Eine, so Amorth, moderne Vorstellung von Exorzismus.

Das Böse innerhalb der Gesellschaft

Für die katholische Kirche ist der aktuelle Trend bei den Italienern, Lebenshilfe bei Kartenlegern zu suchen, auch auf den Einfluss des Bösen innerhalb der Gesellschaft zurückzuführen. Um so ein Phänomen zu bekämpfen, so verschiedene Exorzisten, müsse man unter bestimmten Bedingungen auch die Teufelsaustreibung anwenden.

Der Teufelskult befinde sich an immer mehr Orten der Gesellschaft, weiss auch Teufelsfachmann Padre Amorth. Sogar im Kirchenstaat in Rom. Anders könne er sich die vielen Skandale in Sachen Vatileaks nicht erklären, so Amorth, die die Kirche seit dem Pontifikat von Benedikt XVI. erschüttern.