Ganz gross, aber nicht ganz dicht: Das Heidelberger Fass

«Ein Fass aufmachen»: So sagt man, wenn man etwas zu feiern hat. Gefeiert haben wohl auch jene Handwerker in Heidelberg, als sie vor 265 Jahren ein ganz besonderes Fass fertiggestellt hatten. Sogar Heinrich Heine war begeistert.

Das Heidelberger Fass. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Fassungsvermögen: fast 220'000 Liter. Was, wenn es dem Heidelberger Fass den Boden ausschlägt? Wikimedia/Immanuel Giel

Zuerst Zahlen: Das Heidelberger Fass fasst fast 222'000 Liter. Beinahe eine Schnapszahl. Im Fass wurde allerdings Wein eingelagert. Wein, den die Winzer der umliegenden gebiete dem Heidelberger Pfalzgrafen als Zehnten abgeben mussten.

Nur dreimal voll

Das Fass wurde 1751 fertigstellt – im Auftrag des Kurfürsten der Pfalz. Deshalb trägt es auch seien Namen: Karl-Theodor-Fass. Auch dessen Vorgänger hatten sich jeweils Riesenfässer bauen lassen. Das vierte und letzte war allerdings das grösste überhaupt. Noch heute gilt es als grösstes Holzfass der Welt, das auch tatsächlich mal mit Wein gefüllt war.

Ein riesiges Fass in einem Kellergewölbe. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Anfassen erlaubt: Fassbesucher in Heidelberg – rund 500'000 sind es jährlich. Imago/Schöning

Allerdings soll das nur dreimal der Fall gewesen sein. Aufgrund seiner Grösse war das Fass nie vollständig dicht. Als Sehenswürdigkeit ist es allerdings noch heute im Heidelberger Schloss zu bewundern. Rund 500'000 Menschen besuchen es jährlich.

Schon früher dürfte das Fass eine echte Attraktion gewesen sein: zu Zeiten, in denen es gefüllt war und eine direkte Weinleitung in den benachbarten Festsaal führte.

Ein Sarg für Sorgen

Doch auch seit es leer steht, ist es aufgrund seiner schieren Grösse ein Besuchermagnet. Das Fass lässt sich nicht nur von unten bestaunen.

Eine Treppe führt auf eine Plattform, die sich oben auf dem Fass befindet. Da sei wohl früher getanzt worden, so die Mutmassung auf der Homepage des Schloss Heidelberg.

Auch zahlreiche Dichter und Schriftsteller waren vom Fass beeindruckt. Er wolle einen Sarg bauen, grösser als das Heidelberger Fass, um alle Sorgen der Welt darin zu begraben, schreibt etwa Heinrich Heine in einem Gedicht. Der Ausdruck «gross wie das Heidelberger Fass» wird heute noch sprichwörtlich verwendet, wenn von etwas sehr Grossem die Rede ist.

Kleinwüchsiger Hofnarr

Sehr klein ist hingegen der sogenannte Fasswächter: die Statue des kleinwüchsigen Perkeo. Der Überlieferung nach habe ihn der Vorgänger von Karl Theodor im Tirol getroffen und als Hofnarren mit auf sein Schloss in Heidelberg gebracht.

Warum nicht, soll Perkeo in Italienisch auf die Frage geantwortet haben, ob er denn das grosse Fass ganz alleine austrinken wolle: «Perché no.» Na dann, prost.

Fass ohne Boden

Damit wären wir wieder bei den Zahlen. 15 Doppelflaschen Wein habe Perkeo täglich trinken müssen, berichtet der Schriftsteller Victor Hugo nach seinem Besuch im Heidelberger Schloss. Das sind, grosszügig gerechnet, über 20 Liter täglich oder gut 8000 Liter Wein pro Jahr.

Um das ganze Fass mit seinen über 220'000 Litern auszutrinken, hätte er also mindestens 25 Jahre gebraucht. Tatsächlich starb er mit 33 Jahren, hatte davon aber nur die letzten 17 auf dem Schloss gelebt.

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