Panama – das Land mit Hut, Toleranz und einem ungelösten Rätsel

Nach der Veröffentlichung der «Panama Papers» stehen sie im Scheinwerferlicht: Stars und Politiker, die in Panama Geld gewaschen haben. Wir richten unseren Blick stattdessen auf den Tatort: auf Panama. Denn die Offshore-Geschäfte sind bei weitem nicht das einzige, was dort Aufsehen erregt.

    • 1.
      Columbus' heimlicher Hafen
      In der kleinen Bucht «Nombre de Dios» an der Ostküste Panamas entdeckte ein Sporttaucher vor über zehn Jahren ein altes Wrack: ein relativ gut erhaltener Schiffsrumpf mit Kanonen, Anker, Steinkugeln und Scherben. Seither streiten sich Wissenschaftler, Archäologen und Schatzsucher über die Frage: Ist es die «Vizcaína», die Columbus 1503 bei seiner letzten Reise aufgeben musste? Eine Antwort steht bis heute aus. Gewiss ist: Beim Wrack handelt es sich um das älteste Schiff, das jemals in der Neuen Welt gefunden wurde.
      Illustration: Segelschiffe auf der See, im Hintergrund Berge und Häuser. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: 1510 als spanische Kolonie gegründet, war Nombre de Dios ein Haupthafen für die spanische Erobererflotte. Wikiemdia/Gutenberg Project/Peter Schenk

    • 2.
      Panamkanal: ein technisches Wunder
      Die Franzosen versuchten als erste, eine Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik zu schaffen – damals, 1882, ein technisches Vorhaben erster Güte, eine Verheissung und ein grosses Abenteuer zugleich. Für die Franzosen wurde es bald zur Katastrophe: Tausende Arbeiter starben an Malaria und Gelbfieber. Danach übernahm US-Präsident Roosevelt: Er liess Berge versetzen, Moskitos bekämpfen – und zettelte sogar eine Revolution an, um das Mammutprojekt im August 1914 zu vollenden. Heute gilt der 82 Kilometer lange Kanal als eine der grössten Ingenieursleistungen in der Geschichte.
      Ein Kanal mit Schiffen, die den Kanal gerade verlassen; links und rechts Land. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: In den Gatún-Schleusen werden die Schiffe zum künstlich aufgestauten Gatúnsee – er liegt etwa 26 m.ü.M. – gehoben. Reuters

    • 3.
      Manuel Noriega: Der Unverbesserliche
      Manuel Noriega, der ehemalige Machthaber Panamas mit dem Spitznamen «Ananasgesicht» (wegen seiner Narben), wurde 1989 durch eine US-Invasion gestürzt – wobei er den Soldaten nicht auf Anhieb ins Netz ging. Zunächst fand er in der Botschaft des Vatikans in Panama-Stadt Zuflucht. Wirklich willkommen war er aber nicht. Man liess die Klimaanlage abstellen und verweigerte Noriega den TV- und Alkoholkonsum. Und die US-Soldaten beschallten die Botschaft rund um die Uhr mit ohrenbetäubender Rockmusik. Nach zehn Tagen stellte sich der Diktator freiwillig. Wegen Drogenhandels und Geldwäsche wurde er in den USA zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt. Später, im Jahr 2010, kam er in Frankreich erneut wegen Geldwäsche in Haft. Seit 2011 ist er wieder in Panama – und sitzt eine weitere Haftstrafe ab.
      Zeichnung eines Mannes in Uniform, vor ihm steht ein Frau mit langem Haar. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Eine Gerichtszeichnung von 1992 zeigt Panamas ehemaligen Diktator Noriega bei einem früheren Prozess in Miami, Florida. Keystone

    • 4.
      Der Panamahut-Irrtum
      Der Panamahut kommt aus Panama, ist doch klar – von wegen! Tatsächlich kommt die luftig-leichte Kopfbedeckung aus Ecuador. Allerdings trugen Arbeiter, denen einst auf den Baustellen des Panamakanals die Tropensonne auf den Schädel brannte, genau solche Strohhüte. Auch US-Präsident Roosevelt ist schuld an der Namensgebung. Bei einer Baustellenbesichtigung am Panamakanal 1906 schützte er seinen Kopf mit diesem Hut – das Foto ging um den Globus, und Roosevelts Panamahut eroberte die Köpfe der Welt.
      Ein weisser Strohhut mit schwarzer Krempe, getragen von einem Mann (er ist von hinten fotografiert). Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Der Panamahut hat mit Panama rein gar nichts zu tun. Reuters

    • 5.
      Die «Kinder des Mondes»
      Weltweit hat einer von 17'000 Menschen Albinismus. Bei den Kuna, einer indigenen Ethnie in Panama, ist es einer unter 150. Menschen mit Albinismus leiden unter einer angeborenen Störung, die dazu führt, dass in der Haut weniger Pigmente entstehen. Dadurch wird sie empfindlicher für die Strahlung. Mögliche Folgen sind Sonnenbrand, Hautkrebs und Augenkrankheiten. In manchen Ländern wie Tansania werden Mensch mit Albinismus gejagt und getötet. Anders bei den Kuna: Sie bringen den Betroffenen Liebe und Respekt entgegen. Denn eine ihrer Legenden besagt: Der erste Albino sei von ihrem Gott, Baba, dem Vater der Sonne, geschickt worden. Darum werden seine Nachfolger als «Kinder des Mondes» oder «Enkel der Sonne» verehrt.
      Ein hellblondes Kind steht im Dunkeln und wird angeleuchtet, es hält die Hände mit gespreizten Fingern in die Höhe. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Die Albinos werden «Enkelkinder der Sonne» oder «Mondkinder» genannt – Sonnenlicht bedeutet für sie Gefahr. Reuters

    • 6.
      Toleranz ist gut fürs Geschäft
      Während sich Juden und Muslime in manchen Teilen der Welt zanken, leben sie in der panamaischen Stadt Colón friedlich nebeneinander. Zum einen, weil neue Freihandelsabkommen und das Internet die lokalen Geschäftsinhaber unter Druck setzten: Sie müssen nicht mehr nur um Kunden kämpfen, sondern auch um Waren, Preise und Logistik. Dadurch ist der Kameradschaftsgeist gewachsen; manche Geschäfte sind gar in jüdisch-muslimischem Besitz. Zum anderen werden Themen, die mit dem Nahem Osten zu tun haben, möglichst vermieden. Ausserdem kommen viele Juden und die meisten Muslime in Panama aus Syrien – auch das stärkt den Zusammenhalt im vorwiegend katholischen Land.
      Muslime stehen in einer Reihe, die Hände gefaltet, ein kleiner Junge ragt aus der Reieh und guckt sich um. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Muslime, Juden, Katholiken, Evangelikale – in Panama existieren Religionsgemeinschaften friedlich nebeneinander, Keystone

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Erste Ermittlungen eingeleitet wegen «Panama Papers»

    Aus Tagesschau vom 4.4.2016

    Die australischen Behörden nehmen mögliche Steuerhinterzieher ins Visier. Nach den Enthüllungen über illegale Geschäfte mit Briefkastenfirmen von Politikern, Sportstars und Kriminellen aus aller Welt sind die Steuerämter alarmiert.

  • Schweizer Banken involviert in Datenleck

    Aus Tagesschau vom 4.4.2016

    In den «Panama Papers» sind mehr als 1‘200 Schweizer Firmen erwähnt. Zehntausende Offshore-Gesellschaften wurden hier initiiert. Einschätzungen von SRF-Korrespondent Andreas Kohli.

  • Panama-Papiere: Datenleck zeigt umstrittene Offshore-Geschäfte

    Aus Rendez-vous vom 4.4.2016

    Die Enthüllungen eines internationalen Netzwerks von Medienschaffenden sorgen für Aufregung und setzen Politiker und Prominente aus Wirtschaft, Sport und Showgeschäft unter Druck. Islands Regierungschef Gunnlaugsson etwa soll im umstrittenen Offshore Geschäft Millionen angelegt haben.

    Barbara Widmer, Bruno Kaufmann und Matthias Heim

    Barbara Widmer, Bruno Kaufmann und Matthias Heim