Als Sohn eines Arbeiters aus dem Piemont hat Bruno Stefanini ein ausserordentliches, aber auch schwieriges Erbe hinterlassen. Die Sammlung seiner Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte SKKG ist mit schätzungsweise 100'000 Objekten monumental.
Wegen der schlechten Lagerung erlitt sie Schäden, auch wurde sie nicht inventarisiert . Das heisst: Dieser kolossale Schatz mit Schweizer Kunst und historischen Objekten war für die Öffentlichkeit nie zugänglich, obwohl die gemeinnützige Stiftung zur Vermittlung und zum Erhalt des Sammelgutes verpflichtet gewesen wäre.
Kulturgut wird zerstört
Dessen war sich Stefaninis Tochter, Bettina Stefanini, bewusst. Als ihr Vater sie 2004 im Stiftungsrat der SKKG dabeihaben wollte, lehnte sie entschieden ab. «Ich konnte mir damals nicht vorstellen, in einer Stiftung mitzuarbeiten, in der Kulturgut aufgrund von Vernachlässigung zerstört wird», sagt Bettina Stefanini.
Nach einem jahrelangen und öffentlich ausgetragenen Rechtsstreit mit dem alten Stiftungsrat lenkt nun die 54-Jährige als Stiftungsratspräsidentin seit gut zwei Jahren die Geschicke der SKKG.
Viel Arbeit, grosser Druck
Wie es sich für eine ehemalige Naturwissenschaftlerin gehört, macht sie das strategisch und besonnen. Und das ist nötig, denn die Arbeit ist immens und der Druck gross: Bis Ende 2021 müssen die Bilder, Militaria, Möbel, Skulpturen erfasst sein. So will es der Stiftungsrat. 15 Leute arbeiten zurzeit vollzeitlich für die Stiftung, weitere fünf sollen demnächst dazustossen.
In den Untergeschossen des Win-Towers in Winterthur läuft die Arbeit wie am Schnürchen: In Schutzanzügen und mit Atemmasken reinigen Mitarbeiter Bilder, Möbel und Kronleuchter von Schimmel und Schmutz, in einem anderen Raum werden die Objekte fotografiert, im Computer erfasst und sorgfältig in Holzkisten verpackt und mit QR-Codes versehen.
Auf dem Estrich verstaut und vergessen
Das Aufräumen, Sichten, Reinigen und Registrieren ist aufwendig: Als ein Mitarbeiter kürzlich vier Bilder in einem Aussendepot suchte, hatte er nach einer Stunde nur drei Bilder gefunden.
Handkehrum gibt es auch Überraschungen. Vor drei Monaten fand ein Mitarbeiter in einem Stefanini-Haus in der Winterthurer Altstadt Bilder von Giovanni Giacometti und Cuno Amiet sowie einen Koffer mit Gegenständen aus Gold und Edelsteinen.
Christoph Lichtin, Geschäftsführer der Stiftung, staunte nicht schlecht: Im Koffer befanden sich die Schreibutensilien von Zar Niklaus III. Stefanini hatte das 1977 ersteigert, auf dem Estrich verstaut und wieder vergessen.
Museen unterstützen
Neu verfolgt die SKKG eine aktive Ausleihstrategie. «Wir wollen Museen unterstützen und mehr ausleihen», erklärt Geschäftsführer Lichtin. Oder anders gesagt: Man will der Öffentlichkeit das gesammelte Kulturgut der Stefanini-Sammlung zur Verfügung stellen, die kulturelle Teilhabe ist grossgeschrieben.
Mit Interesse verfolgt Beate Eckhardt, Geschäftsleiterin der Swiss Foundations, diese Entwicklung. Sie lobt, dass die einst geheimnisumwitterte Stiftung, die für Chaos und Intransparenz berüchtigt war, sich zu einer hochwertigen Stiftung wandelt. «Diese Stiftung ist in vielerlei Hinsicht ausserordentlich», sagt Eckhardt.