Seit 250 Jahren geht es im Prater rund!

Er ist einer der berühmtesten Vergnügungsparks der Welt: Der Prater feiert seinen 250. Geburtstag. Von Kaiser Joseph II. gegründet, gehört der Park heute zu Wien wie die Kaffeehäuser. Bis zu vier Millionen Besucher lockt er jährlich an. Über die Geschichte eines Ortes mit einer spassigen Geschichte.

In Sachen Fun-Faktor kann er mit den Disneylands dieser Erde nicht mithalten, der Wiener Prater. Andernorts sind die Achterbahnen spektakulärer, die Karussells rasanter und die Märchenbahnen opulenter. Aber dafür hat er Charakter, der laut Eigenwerbung älteste Vergnügungspark der Welt, der Jahr für Jahr an die vier Millionen Besucher anlockt. Und das ist ja auch nicht zu unterschätzen.

Grüne Erholung – abseits vom Rummel

Was viele nicht wissen: Der Rummelplatz im Schatten des Riesenrads – von den Wienern liebevoll «Wurstelprater» genannt – umfasst nur einen kleinen Teil des Pratergeländes. Der riesige Rest – «Grüner Prater» genannt – ist eines der weitläufigsten Naherholungsgebiete Europas: mit Trabrennbahn, Galopprennbahn, Planetarium, diversen Sport- und Kinderspielplätzen, einem grosszügigen Sommerfreibad, ausgedehnten Spazierwegen sowie dem berühmten Praterstadion im Zentrum des Ganzen. Vor allem aber gibt es im «Grünen Prater» jede Menge Natur.

Junge Frauen auf einer pinken Achterbahn. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wahnsinniger Spass im Wurstelprater: Der Park lockt vier Millionen Besucher jährlich an. Keystone

Das wussten auch schon die Erholungssuchenden des Rokoko zu schätzen. Kaum hatte Kaiser Joseph II. die kaiserlichen Jagdgründe in den Donauauen für das gemeine Volk geöffnet, schossen auch schon die ersten Gast- und Kaffeehäuser aus dem Boden.

Das allein war den vergnügungssüchtigen Wienern allerdings zu wenig. Bald begann man auch erste Kegelbahnen, Schaukeln und Kasperltheater zu installieren. So entstand nach und nach eines der grössten und berühmtesten Vergnügungs- und Erholungs-Areale Europas.

Ein Publikumsmagnet seit 250 Jahren

250 Jahre Prater, das sind 250 Jahre europäische Entertainment-Geschichte. Waren es gegen Ende des 18. Jahrhunderts vor allem Fesselballonfahrten und gewaltige Feuerwerkspektakel, die zehntausende Besucher anlockten, erwiesen sich später Wandermenagerien, Kuriositätenschauen, Lustspieltheater und alle Arten von Fahrgeschäften als Publikumsmagneten.

1898 wurde im Prater die erste elektrische Grottenbahn Europas eröffnet, sogenannte Zaubertheater warben mit «echten Geistererscheinungen», erste Stummfilmkinos verblüfften das Publikum, Schlangenmenschen und «Damen mit Bart» sorgten für Furore.

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Zur Ausstellung

Die Ausstellung «In den Prater! Wiener Vergnügungen seit 1766» ist vom 10. März bis zum 21. August 2016 im Wien Museum zu sehen.

1890 gastierte gar Buffalo Bill mit seiner Wildwest-Show am rechten Donauufer. Für die Auftritte des legendären Westernhelden, der mit hunderten Cowboys, Pferden und «Indianern» angereist war, wurde im Prater eigens eine Tribüne für 20'000 Besucher errichtet. Drei Monate lang waren die Buffalo-Bill-Shows ausverkauft, wie es heisst.

Von gigantisch zu gemütlich

«Das war die Blütezeit des Praters», weiss die Kulturhistorikerin Ursula Storch, die für das «Wien Museum» eine sehenswerte Schau zum Jubeljahr gestaltet hat. Diese Blütezeit begann mit der Wiener Weltausstellung von 1873: 35 Nationen waren mit zum Teil spektakulären Pavillonbauten im Wiener Prater vertreten.

Später folgten andere Spektakel wie der Erlebnispark «Venedig in Wien», für den man in den 1890er-Jahren ein zweites Venezia in den Prater klotzte – mit «echten» Palazzi und künstlichen Kanälen, auf denen original venezianische Gondolieri die Wiener spazierenfuhren.

250 Jahre Wiener Prater

3:40 min, aus Kultur kompakt vom 07.04.2016

Solche Gigantomanien findet man heute nicht mehr im Schatten des Riesenrads. Der Prater des Jahres 2016, das ist ein vergleichsweise gemütlicher Erholungs- und Vergnügungspark. Typisch wienerisch, möchte man sagen.