Wo geht's lang? – Ausweg aus dem Schilderwirrwarr

Das Inselspital in Bern ist eines der grössten Spitäler der Schweiz. Es besteht aus über 20 Gebäuden mit noch mehr Eingängen. Hier seinen Weg zu finden, ist nicht leicht. Eine bessere Beschilderung könnte helfen.

Das Areal des Inselspitals in Bern sieht aus, als hätte ein Kleinkind wahllos Legosteine fallengelassen. Da stehen ganz verschiedene Gebäude, manche sind über 100 Jahre alt, andere ganz neu. Alle sind unterschiedlich beschriftet. Das macht es Besuchern und Patienten nicht leicht, sich hier zurechtzufinden.

Es fängt schon beim Eingang an. Da türmen sich zwei Häuser, verbunden durch eine wuchtige rote Passarelle. Darunter geht die Strasse weiter – mit regem Verkehr. Rechts ein Wegweiser wie ein Riese mit 20 Armen: «Notfall Kinder» nach links, «Notfall Erwachsene» nach rechts, «Anna-Seiler Haus» nach links und so weiter.

Kaum zu sehen ist hingegen das Schild, das wohl die meisten suchen: «Information». Diese Anlaufstelle ist nur schwer zu finden, weil sie nicht ebenerdig liegt, sondern auf Höhe der Passarelle. Wer dorthin will, muss entweder aussen schon die Treppe hoch steigen oder sich im Innern des Gebäudes am Blumenladen und der Post vorbei nach oben kämpfen.

Der Eingang ist die Visitenkarte

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HörPunkt: Skalpell, bitte!

Radio SRF 2 Kultur erzählt einen Tag lang Geschichten aus dem Mikrokosmos des Inselspitals Bern.

HörPunkt Spitalgeschichten
2. März, SRF 2 Kultur
9 bis 24 Uhr.

Für Axel Steinberger vom Büro Integral in Zürich ist diese Eingangssituation unglücklich. «Hier sollte man etwas verändern, denn der Eingang ist die Visitenkarte des Spitals.» Steinberger ist Spezialist für Signaletik. Das heisst, er hilft Menschen, sich im Raum zu orientieren. Das Inselspital kennt er besonders gut, weil er es vor ein paar Jahren im Auftrag der Spitalleitung untersucht hat.

Dabei sind Steinberger und seinen Kollegen noch andere Schwachpunkte aufgefallen als der Eingang. Zum Beispiel, dass es am Inselspital immer Baustellen hat – so wie in allen Spitälern. Das erschwert die Orientierung sehr.

Negativ aufgefallen ist auch der Weg durch die Gebäude von der Information zum Notfall. Hier sollen rote Punkte am Boden den Besuchern leiten. Solche Wegweiser am Boden seien beliebt, weil sie sich leicht anbringen liessen, sagt Steinberger. «Aber sie verhindern, dass wir uns im Raum richtig orientieren können», sagt er. Weil man den Blick immer zu Boden richten muss.

Keine Piktogramme

Plan des Inselspitals mit allen Gebäuden. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Situationsplan des Inselspitals – rot eingefärbt die Notfall- und die Frauenklinik. Inselspital

Statt Punkte auf den Boden zu kleben, sollte man den Raum nutzen. Orientierung lässt sich zum Beispiel mit Farben und Elementen im Raum schaffen – mit Pflanzen und Möbeln etwa. Das haben Steinberger und sein Team in der Frauenklinik versucht. Dort bestimmen Gelb- und Grüntöne die Räume, dann stehen da auch noch ein paar violette Sessel. Die Beschilderung ist konsequent durchgezogen. Informationen für die Patienten sehen anders aus als Informationen fürs Personal.

Auf Piktogramme hingegen – wie das typische WC-Männchen oder das Restaurant-Symbol mit Teller und Besteck – wurde in der Frauenklinik verzichtet. Diese seien im Spital oft fehl am Platz, sagt der Signaletiker Steinberger. Komplexe Begriffe wie «Röntgen» oder «Neonatologie» könne man nicht in ein Piktogramm giessen. In der Frauenklinik sieht man stattdessen viel Schrift. Alles wirkt sehr übersichtlich und schnörkellos.

Ein neues und teures Gesicht

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Das Studio Integral

Das Studio Integral Ruedi Baur Zürich gehört zu den führenden Adressen für Signaletik in Europa. Gegründet wurde es 2002 vom berühmten Schweizer Grafiker Ruedi Baur zusammen mit Axel Steinberger. Die Fachleute des Studios in Zürich haben schon für einige Spitäler gearbeitet, neben dem Inselspital zum Beispiel auch für das Kinderspital Basel.

Ähnlich soll bald das ganze Inselspital aussehen. Die Spitalleitung hat sich die Analyse von Axel Steinberger und seinem Team zu Herzen genommen. «Wir wollen die Signaletik vereinheitlichen mit einem neuen Konzept», sagt Hansjürg Eggimann, Leiter der strategischen Planung am Inselspital. Ausserdem wird die Eingangshalle umgestaltet, schon nächstes Jahr. Dann soll die Information als zentrale Anlaufstelle ins Erdgeschoss verlegt werden, gut sichtbar für alle.

Ausserdem wird ab 2015 ein Bus direkt vom Bahnhof durchs Inselspital-Areal fahren und direkt vor der Information halten. Der millionenteure Umbau soll es den Besuchern des Spitals einfacher machen, und er soll dem Inselspital ein neues Gesicht geben. Das ist wichtig in der heutigen Zeit, wo die Spitäler die Patienten immer öfter als «Kunden» bezeichnen – und immer stärker im Wettbewerb miteinander stehen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Wo ist Zimmer 21b?

    Aus Hörpunkt vom 2.11.2013

    Zu Besuch ans Krankenbett des Patienten kommen nicht nur Ärzte und Pflegende, sondern auch Verwandte und Freunde.

    Doch für diese Besucher gibt es ein Problem, das Sie sicher auch kennen: Wie ums Himmels willen soll man das richtige Krankenzimmer finden? Spitäler sind meist ziemlich unübersichtlich. Man verläuft sich schnell. Das gilt ganz besonders fürs Inselspital mit seinen über 20 Gebäuden und noch viel mehr Eingängen.

    Hanna Wick