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Endo Anaconda über Gott und die Welt
Aus Perspektiven vom 28.09.2019.
abspielen. Laufzeit 28:26 Minuten.
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Stiller-Has-Sänger über Glaube «Religiöse Rituale haben irgendwie Rock'n'Roll-Kraft»

Mit der Kirche hat Endo Anaconda wenig am Hut. Für Spirituelles aber hat er viel übrig: Ein Treffen mit dem Sänger und «Hobby-Theologen».

Es regnet am Bahnhof Trubschachen im Emmental. Die Menschen verkriechen sich unter Kapuzen und Regenschirmen.

Trotzdem erkenne ich ihn sofort an Statur und Hut: Endo Anaconda, Schwergewicht der Schweizer Musikszene und prägender Kopf der Mundartband Stiller Has. Er holt mich am Bahnhof ab.

Kurze Zeit später, im Auto, sind wir bereits mitten im Thema.

Schläge im Internat

Endo Anaconda erzählt von seiner Kindheit, vom Tod des Vaters, als er vier Jahre alt ist. Von der Mutter, einer Österreicherin, die quasi über Nacht zurück in ihre Heimat geht. Zurück ins tief katholische Kärnten, mit ihren drei Buben.

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Endo Anaconda: «Ich will Menschen erreichen, nicht Sparten»
Aus Kulturplatz vom 29.05.2019.
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«Ich war geschockt von den barocken Jesus-Figuren, die dort überall hingen, dieses Heilands-‹Gekröse› überall. Wir waren vorher nicht sonderlich religiös», erinnert sich Endo Anaconda. «Das katholische Österreich erschien mir schrecklich – hier wurde auch geprügelt.»

An die Schläge im katholischen Internat erinnert sich Endo Anaconda auch rund 50 Jahre später. Ihm sei damals die Religion regelrecht «herausgeprügelt» worden.

Nächtliche Guerillaaktion

In seiner Küche erzählt Endo Anaconda von der Zeit im Internat der Don-Bosco-Brüder in Klagefurt. Dort wurden er und seine Mitschüler erzogen – mit viel Disziplin und auch mit körperlicher Gewalt.

«Das ging von der Kopfnuss bis zu stundenlangem Knien auf einem Holzscheit oder nächtlichem Stehen vor der Don-Bosco-Figur.»

Dagegen wehrte sich Endo Anaconda mit heimlichen Widerstandsaktionen: «Einmal schnitzte ich der Statue von Don Bosco den grossen Zeh ab. Niemand hat das bemerkt.» Auch nahm er sich kleine Freiheiten heraus, hörte Radio in der Nacht oder las verbotene Bücher.

Trotz allem seien es schwere Zeiten gewesen. «Nach der Schule hatte ich einen wahnsinnigen Hass auf die Kirche.»

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Aus dem Archiv: Roger Schawinski im Gespräch mit Endo Anaconda
Aus Schawinski vom 26.06.2017.
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Coca Cola statt Esel

Heute sieht Endo Anaconda auch das Positive seiner katholisch geprägten Kindheit: «Das Rituelle strukturierte das Leben. Das hatte irgendwie eine Rock'n'Roll-Kraft.»

Diese Rituale vermisst Endo Anaconda heute. Viele Feiertage, etwa der Samichlaus-Tag, seien mittlerweile überhaupt nicht mehr sinnlich. «Santa Claus hat den Samichlaus verdrängt und ist mit einem Coca-Cola-Camion unterwegs statt mit einem Eseli.»

Diese volkstümlichen Rituale hätten aber eigentlich sowieso nichts mit Religion zu tun, sagt Endo Anaconda. «Gott hat ja keine Religion. Die Menschen haben eine.»

Mehr Auftrag als Person

Bei manchen Liedern von Stiller Has kann man den Eindruck bekommen, dass Endo Anaconda offen ist für Spiritualität und das Sinnliche der Religion.

Mal singt er vom letzten Paradies, «wo’s nid so yklemmt isch wie hie». Mal ist der Papst Kommunist oder der Teufel muss in Therapie gehen – wie im Song «Märli».

Tatsächlich habe er als Kind Pfarrer werden wollen, erzählt der Sänger – und bezeichnet sich heute als «Hobby-Theologe». Aber er kritisiert auch den Machtapparat der römisch-katholischen Kirche und gewisse Gottesbilder.

«Mit einem personifizierten Gott kann ich nichts anfangen. Gott ist nicht erklärlich. Er ist für mich viel eher Auftrag, Mensch zu sein. Eine Ethik zu entwickeln. Zu zweifeln und nach Wissen zu streben.»

Das einfache Leben

Daher sei er nicht religiös, sondern eher spirituell, sieht sich als verbunden mit der Welt: «Mich interessiert, wie unterschiedliche Menschen versuchen, ihre Spiritualität auszuleben und ein höheres Bewusstsein zu erlangen.»

Dazu gehöre für ihn auch «das Erkennen der eigenen Nichtigkeit. Ich neige zur Askese, zum einfachen Leben. Das war einmal anders. Heute aber löse ich mich mehr und mehr von materiellen Dingen.»

5 Kommentare

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  • Kommentar von Olivier Wetli  ("nicht von dieser Welt")
    Der Mensch kann Gott nicht erklären, da hat Endo recht. Deswegen hat sich Gott fortlaufend dem Menschen offenbart. Heute ist alles was Er uns über Sich, Sein Wesen, Seine Empfindungen, Sein Wirken und Seinen gekommenen Sohn zu sagen hat, in Seinem Wort aufgeschrieben. Nicht mehr nicht weniger als dass wir wissen sollen. Gott lässt sich finden von denen die Ihn suchen.
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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Wer bin ich also ausser KGGS, und wie frei kann ich sein. Nun wenn ich zutiefst frei bin dann hat sich die Frage in der Ganzheit aufgelöst, es spielt keine Rolle mehr was ich bin den ich bin gerne alles und gerade das was kommt. Ich bin frei. Ich bin Sender und Empfänger in einem - auf ewig Ganz.
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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Die Frage des Friedens ist mit zwei zentralen Fragen verknüpft. Habe ich einen freien Willen und wer bin ich eigentlich. Bin ich nur dieser Körper mit einem eingesperrten Bewusstsein, Gefühlen und Gedanken oder bin ich vielleicht beides. Jene Ganzheit vor KGG also der transzendente Sender und die materialisierte KGG(S)-Empfänger. Und religiöse Menschen können da ruhig eine Seele dazwischen schieben und das Problem verlagern, es läuft auf das Selbe raus. Seele ist nur ein weiters Objekt.
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