«Strauhof light» statt Literaturmuseum: Ein fauler Kompromiss?

Der Kulturchef der Stadt Zürich reagiert auf die Kritik aus dem In- und Ausland zur Schliessung des Literaturmuseums Strauhof. Sein Vorschlag: eine Art «Strauhof light» an der Bärengasse, geführt von privater Hand. Für das Strauhof-Komitee ist dies keine Lösung. Man will weiter kämpfen.

Ausstellung im Strauhof Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Kulturdirektion der Stadt Zürich will das Literaturmuseum Strauhof auf Ende 2014 schliessen. Keystone

Die Botschaft ist noch immer glasklar: 16 Jahre Literaturausstellungen im Strauhof sind genug. In den verwinkelten Räumen soll das Junge Literatur-Labor JULL für Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren entstehen.

Neue Räumlichkeiten in der Bärengasse

Doch der Zürcher Kulturchef Peter Haerle hat eingesehen, dass dezentrale Literaturausstellungen nicht wirklich attraktiv sind. Darum geht er nach der harschen Kritik nochmals über die Bücher, und macht nun einer privaten Trägerschaft folgendes Angebot: «Wir möchten in der Bärengasse, gerade neben dem Paradeplatz, mindestens 150 Quadratmeter Ausstellungsfläche gratis zur Verfügung stellen. Das sind attraktive, helle Räume, weniger verwinkelt als im Strauhof. Und es hat einen Lift, was ein grosser Vorteil für gehbehinderte Menschen ist.»

Zum Angebot gehören auch 130‘000 Franken Betriebskosten und ein Startzuschuss von 50'000 Franken. Und den Versand der Werbemittel durch die Stadt gibt es gratis dazu. «Damit möchten wir zeigen: Wir nehmen das Bedürfnis nach der Auseinandersetzung mit Literatur über Ausstellungen ernst. Aber es muss sich eine private Trägerschaft finden, die das mit grossem Interesse, Fachkenntnis und Herzblut macht.»

Privatisierung des Museums

Peter Haerle will also die Literaturausstellungen outsourcen, von der Verwaltung in private Hände. Drei Monate haben Interessierte nun Zeit, dem Kulturchef Literatur-Ausstellungskonzepte vorzulegen. Dann wird entschieden, wer zum Handkuss kommt und während drei Jahren an der Bärengasse ein Literaturmuseum aufbauen darf.

Die empörten Reaktionen aus dem In- und Ausland auf die Ankündigung, den Strauhof zu schliessen, die Petition mit den 6000 Unterschriften haben also gewirkt. Dazu Peter Haerle: «Diese Petition hat uns gezeigt, dass dies den Menschen wirklich ein Anliegen ist und ich glaube, das ist jetzt eine adäquate Reaktion der Stadt Zürich.»

Keine Option für das Strauhof-Komitee

Peter Haerle ist überzeugt, dass an der Bärengasse ein eigentliches Literaturzentrum entstehen kann, «erst recht, wenn die Max-Frisch-, Thomas-Mann- und James-Joyce-Archive dorthin ziehen.»

Ein Zentrum, das die Stadt notabene weniger kostet als die 1,2 Millionen für den Strauhof: «Wenn man die Subvention pro Besucher beerechnet, ist es eindeutig die teuerste Institution, die die Stadt Zürich selber betrieben hat. Ich bin aber überzeugt, dass sich auch mit diesem neuen Modell etwas machen lässt, wenn man gute Synergien sucht zu anderen Institutionen in Zürich.»

Der Zürcher Kulturchef hat die Kritik des Stauhof-Komitees aufgenommen und spielt den Ball zurück. Für das Komitee kommt ein neues, kleineres Literaturmuseum an einer anderen Adresse aber nicht in Frage: Man wolle weiter kämpfen. Dazu Verleger Urs Kummer, Sprecher des Strauhof-Komitees: «Der Strauhof ist Literaturgeschichte und Literaturgeschichte macht man nicht einfach zu.»