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Der Archivar Audrey Hepburn geht ins Zürcher Kino Urban

September 1959. Audrey Hepburn kommt zur Uraufführung ihres neuen Films in die Schweiz. Eine Sensation. Die Produktionsfirma hat der Premiere in Zürich zugestimmt. Hepburn ist wie immer – zum Niederknien. Das Foyer – gestossen voll. Hepburn geht es aber um viel mehr als nur um den Film.

Legende: Video Audrey Hepburn geht in Zürich ins Kino – September 1959 abspielen. Laufzeit 1:00 Minuten.
Aus Kultur vom 07.01.2014.

Es geht Audrey Hepburn nicht nur um ihren Film, als sie ins Kino Urban kommt. Hepburn hat ihre Filmfirma solange genervt, die Premiere in Zürich zu machen, bis die schliesslich nachgab. Vermutlich aus Erschöpfung. «Die Geschichte einer Nonne» heisst ihr neuer Film. In Zürich will sie die Arbeit der Pestalozzi-Kinderdörfer mit der Publicity unterstützen. Eine Arbeit, die sie sehr bewundert. Sie wird später Botschafterin der Kinderdörfer werden. Woher dieses plötzliche soziale Engagement? Und genau diese Frage ist falsch.

Es ist kein plötzliches Engagement. Schaut man auf Hepburns Leben, dann sind die Filme das eine. Sie ist mit Mitte 20 ein Star. Wird vergöttert, gilt als Stilikone. Sie und der Modeschöpfer Givenchy, der fast alles für sie entwirft, sind das stilbildende Dreamteam. Hepburn wird oft mit einer Elfe verglichen, überirdisch. Sie ist Stilidol – kein Sexsymbol. Das erledigt zur selben Zeit die Monroe. So überirdisch sie auch erscheint, so nahbar ist sie zugleich. Nie haben Augen mehr gestrahlt als ihre. So losgelöst lachen kann nur sie. Dabei verbrauche sie am meisten Kalorien, sagt sie einmal. Das Wort «gewinnend» wurde wahrscheinlich wegen ihr erfunden. Ihr Filmleben ist ein glanzvolles.

Der ewige Kampf

Das andere, das private Leben ist jedoch eines, das, so kurz es nur dauert, immer gekennzeichnet ist von Engagement. 1929 in Belgien geboren, in England zeitweise aufgewachsen. Sie lernt dort Ballett, kommt nach Amsterdam, macht bei Aufführungen mit, deren Erlös die Résistance unterstützt. Da ist sie noch ein Kind und die Nazis auf dem Vormarsch. Sie bringt Flüchtlingskindern Tanzen bei.

Die Unterstützung der Pestalozzi-Kinderdörfer reiht sich ein in ein nie abreissendes soziales Engagement. Was in Amsterdam beginnt und sich in Zürich fortsetzt, geht weiter mit ihrem Kampf gegen den Hunger von Kindern auf dieser Welt: Sie wird UNICEF-Sonderbotschafterin. In den letzten Jahren ihres Lebens unterstützt sie den Kampf gegen HIV. Stringenter kann man ein sozial engagiertes Leben nicht leben. Woher kam das?

«Nach sechs Wochen war ich tot»

Sechs Wochen nach der Geburt ist sie erstickt und musste wiederbelebt werden. Sie hat einmal sinngemäss gesagt, würde sie eine Biographie schreiben, dann würde die beginnen mit: «Ich wurde in Belgien geboren und nach sechs Wochen war ich tot.»

Der Satz kommt wie ein Aperçu von grösstem Galgenhumor daher. Nimmt man ihn ernst, resultiert aus ihm vielleicht eine ganz grundsätzliche Haltung: Hepburn hat anders aufs Leben geschaut, nachdem sie dem Tod gleich zu Beginn schon mal von der Schippe springen musste. Diese frühe Todeserfahrung hat ihren Blick auf das, was im Leben wirklich wichtig ist, für immer geprägt.

Ihre berühmteste Rolle

Insofern erscheint auch ihre berühmteste Rolle in einem anderen Licht: die Holly Golightly in «Breakfast at Tiffany's». Truman Capote fand sie «die grösste Fehlbesetzung». Das war wenig freundlich. So war er halt. Er hatte Recht und irrte zugleich. Hepburn «lag nicht auf der Rolle», wie man bei der Rollenbesetzung sagt. Holly Golightly ist eine Frau, die sich verliert – beim Versuch, das grosse Los zu ziehen – auf der verzweifelten Suche nach einem kleinen Glück.

Schaut man über Audrey Hepburns Leben, dann ist ihr viel passiert, Elend und Unglück eingeschlossen, aber eines wohl nie: dass sie sich verloren hätte. An der Stelle hatte Capote Recht und macht die Leistung der Hepburn in «Breakfast» gleichzeitig nur noch grösser: Sie spielte nicht sich selbst sondern etwas gänzlich Fremdes. Glaubt man Schauspielern, dann ist das wohl das Schwerste.

Der symbolische «Moon River»

Sie singt in «Breakfast at Tiffany's» ein Lied: «Moon River». Ungezählte Cover-Versionen folgen. Der Komponist Henri Mancini sagt einmal, keiner habe den Song so gut verstanden wie die Hepburn. Was er damit meint, weiss nur er. Viel ist über diesen Song geschrieben worden. Über die symbolische Ebene, darüber, was ein «Huckleberry Friend» ist, das Wort gab's bis dahin gar nicht, und wer damit konkret gemeint sein könnte.

Legende: Video Rückblick Audrey Hepburn, aus: «Glanz & Gloria» vom 17.1.2013 abspielen. Laufzeit 2:20 Minuten.
Aus Kultur vom 07.01.2014.

Hepburn singt darin: «Moon River, wider than a mile, I'm crossing you in style some day...»

«In style», das passt, stilvoll war sie immer. Sie hatte etwas, das in Vergessenheit geriet: Sie hatte Klasse. Sieht so aus, dass sie ihren eigenen «Moon River» zweimal überquert hat: einmal nach sechs Wochen, das zweite mal nach gut sechs Jahrzehnten. Dazwischen ein Leben, das seinesgleichen sucht. Es endet am 20. Januar 1993 am Genfer See.

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Auf ihrer offiziellen Website finden sich biographische Informationen und eine Dokumentation ihrer Stiftung.

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