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Kommerz und Fresserei Weihnachten sollen wir Diät halten und sparen

Alle Jahre wieder: warnende Beiträge über Kommerz und Fresserei. Drei satirische Prachtstücke aus dem Archiv.

Ein Grossvater verzehrt ein ganzes Huhn
Legende: Weihnachten heisst Völlerei, wenn man dem Freitagsmagazin Glauben schenken darf. SRF

Und heute?

Die Weihnachtszeit ist stressig. Ein grosser Anteil des gesamten Jahresumsatzes wird hier eingefahren. Weihnachten heisst Freude machen. Und das heisst kaufen. Nicht für alle. Aber für viele.

Jedes Jahr um dieselbe Zeit kommt die Kommerzkritik. Auch das gehört zum Ritual. Das ganze Jahr über gäb's genügend Zeit, über das eigene Kommerzverhalten nachzudenken, aber nein: Ausgerechnet dann, wenn es so richtig schön etwas einzukaufen gäbe, dann kommt die Kommerzkritik.

«Wir schenken uns dieses Jahr ja nichts!» Hiess es mal in den 80er-Jahren. Hielt damals nicht lange. Kommt gerade wieder.

Mit dem Essen verhält es sich nicht viel anders. War in den 1960er-Jahren die Wertschätzung für die Gäste an der Grösse des Bratens ablesbar, hat sich da doch etwas verändert: Mancher tischt heute Rohkost auf mit der Begründung: «An Weihnachten wollen wir mal gesund!» Dann nicken alle.

Zum Dessert einen Herzkatheter

Alle stimmen lauthals zu: «Ja, genau, meine Rede. An Weihnachten mal gesund. Gott bin ich froh. Wisst ihr noch, früher, dieses fette Essen. Also nein. Da konnte man sich zum Dessert ja gleich den Herzkatheter legen lassen.»

Aber insgeheim freuen sich alle schon auf den Heimweg, wo man ungeniert über den Gesundheitsfimmel der Gastgeberin herziehen kann.

Warum muss das Gesundheitsbewusstsein ausgerechnet zwischen Heiligabend und Neujahr auf seinem Zenit sein?

Für ein schlechtes Gewissen gäb's doch den Rest des Jahres Zeit genug. Warum nicht einmal im Jahr einfach über die Strenge, Stränge schlagen?

Weit weg von Weihnachten

Das ist alles weit entfernt von der Grundidee einer christlichen Weihnacht. Die stille Nacht von damals hat mit den Glühweinsausen von heute wenig gemein.

Eigentlich feiert man in dieser Nacht die Geburt eines Kindes. Das etwas ganz besonderes ist. Aber starten tut der Kleine ohne Nanny und mit improvisierter Windel in einem Heuschober. Mehr braucht es nicht. Alle freuen sich. Auch das Vieh. Und in den Lüften schallt es.

Mehr als 2000 Jahre später erinnern sich Menschen an diese Nacht. Viele erinnern sich und viele haben «es nicht mehr so auf dem Schirm», wie das heute bisweilen heisst.

Vielleicht kommt man da wieder hin, sich freudig zu erinnern – mit oder ohne Braten ist eigentlich egal. Wenn wir die Fähigkeit, uns zu freuen, verlieren, helfen auch Geschenke nicht.

In diesem Sinne wünscht Ihnen Ihr Archivar: Eine frohe und gesegnete Weihnacht. Und Friede auf Erden allen Menschen.

Archivperlen

Das Archiv von SRF ist ein fulminanter Fundus, ein audiovisuelles Gedächtnis, in Schwarz-weiss oder Farbe, analog oder digital. Wichtiges und Unwichtiges, Überholtes und allzeit Gültiges, Alltag und grosse Weltgeschichte.

Im Player von SRF sind eine Vielzahl von «Perlen», die Ihnen online zugänglich sind sowie im Archivkanal auf Youtube.

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