Ausstellung lädt zum Spaziergang durch 18 Meter lange Fotografien

Arno Hassler fotografiert seine Panoramen nicht von erhöhten Aussichtspunkten aus, sondern stellt seine Kamera mitten in die Landschaft. So entstehen faszinierende Rundumsichten, die zu einem grossen Ganzen fügen, was der Betrachter sonst nur in einer Abfolge von Bildern sehen kann.

Wie eine weite Wiesenlandschaft breitet sich Arno Hasslers Panoramafotografie «Böckenberg. Uckermark, Deutschland» vor dem Betrachter aus. Im grossen Saal des Musée Jurassien des Arts füllt sie fast eine ganze Wand. Und wenn man die 18 Meter breite Fotoinstallation abgeschritten ist, hat man helle Sommerwolken gesehen, die sich zu einer dunklen Gewitterfront zusammenballen und sich am Ende dieses Fotospaziergangs wieder in überwiegend heiteres Himmelblau auflösen.

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Ausstellungshinweis

Arno Hassler: «A contre-jour. Et paysages des collections du Musée», bis 27. April im Musée Jurassien des Arts in Moutier. Die Ausstellung zeigt aus Platzgründen nur zwei grosse Arbeiten Hasslers. Ein Katalog in Form eines Leporellos vereint 24 Fotografien.

Arno Hasslers Panoramabilder zeigen keine schönen Ausschnitte, seine Aufnahmen ruraler oder urbaner Landschaften erinnern an cineastische Kamerafahrten, langsame Erkundungen von Aussen- und Innenräumen. Die Bilder entstehen analog, mit einer Mittelformatkamera. Auf einem Stativ dreht sich die Kamera während der Belichtungszeit einmal um die eigene Achse und nimmt so eine 360-Grad-Ansicht der Umgebung auf.

Selten stellt Arno Hassler seine Kamera an erhöhten Punkten auf, ihn interessiert die Übersicht nicht. «Ich mag Panoramafotos, wenn man die Hindernisse spürt», sagt er. «Das hat für mich auch mit einer dreidimensionalen Sicht zu tun. Für mich ist diese Form der Fotografie eine Möglichkeit, Dreidimensionalität zu zeigen.»

Hasslers Fotografien sind moderne Verwandte der Rundumabbildungen, wie sie in den Panoramabildern des 19. Jahrhunderts geboten wurden, etwa im Bourbaki-Panorama in Luzern oder im Wocher-Panorama in Thun. Die Fotos falten den Raum auf und gewähren dabei manchmal verwirrende Ein- und Ausblicke, etwa wenn er das Treppenhaus im Aargauer Kunsthaus fotografiert und dabei auch die Strassen Aaraus hinter der Glasfassade des Museums mit ins Bild rückt.

Auch unterschiedliche Lichträume und Lichtstimmungen kann Arno Hassler mit seinen Panoramafotografien in einem Bild bündeln: Das Gewitter, das auf der einen Himmelsseite heranzieht, während es auf der anderen noch hell ist. Der Abendhimmel, der im Westen noch blau ist und im Osten schon dunkel.

Bilder der Entschleunigung

Arno Hasslers Panoramafotografien sind Bilder der Entschleunigung. Ihre Entstehung ist oft zeitaufwendig. Die Motive sind sorgfältig gewählt. «Die Orte sind wichtig», betont Hassler. «Wenn ich vor einer grauen Mauer stehe und eine schöne Aussicht vor mir habe und rundherum fotografiere, dann ist das halbe Bild am Ende grau und tot. Ich muss einen Ort finden, an dem um mich herum etwas geschieht, was ein gutes Bild ergibt.»

An manche Orte geht er immer wieder, um eine interessante Lichtsituation zu finden. Das Bild in der Uckermark entstand, als er die Fotoausrüstung eigentlich gerade wieder einpacken wollte. Zum Glück hat er doch noch gewartet.