Der Schlüssel zu Gauguins Kunst liegt auf Tahiti

Die Kunstwelt blickt derzeit nach Basel: Am Rheinknie ist Paul Gauguin in einer grossen Ausstellung zu sehen. Ein Blick lohnt sich aber auch nach Tahiti. Hierher kam der Maler 1891, um seinen Südseetraum zu verwirklichen. Das Musée Gauguin erinnert daran – auch wenn es keine Originalgemälde besitzt.

Ein Gemälde auf einer Staffelei auf einer Veranda mit Blick auf einen Garten. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Im Musée Gauguin sind vor allem Replika zu sehen. Dafür erfährt der Besucher viel über Gauguins Leben. Michael Marek

Papeari im Südosten Tahitis: Das kleine Dorf liegt 50 Kilometer von der Inselhauptstadt Papeete entfernt. Eine einzige Ringstrasse, die Route de Ceinture, führt einmal rund um Tahiti. Jeder Tourist kommt hier nur wegen ihm vorbei: Paul Gauguin. Dem französischen Maler zu Ehren hat man hier ein Museum eingerichtet, das von seinem Leben und Schaffen auf Tahiti berichtet.

«Wir haben nicht sehr viele Originale. Wir haben drei Zeichnungen, ein paar Skulpturen und Schriftstücke», erklärt Brenda Chin Foo, Kunsthistorikerin und Direktorin des Musée Gauguin. «Ansonsten ist dieser Ort ein Denkmal, ein Erinnerungsort. Hier erfährt man etwas über das Leben von Gauguin.»

Bescheidene Kunstsammlung

Bungalow auf einer grünen Wiese, im Hintergrund das Meer. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Vom Anwesen aus sieht man auf den glitzernden Ozean. Michael Marek

Inmitten eines herrlichen botanischen Gartens befindet sich das Anwesen – umsäumt von tropischen Pflanzen, Palmen und Pandanusbäumen. Am Strand liegt überall dunkles Vulkangestein. In der Mitte der Anlage: kleine offene Pavillons mit den Ausstellungsräumen. Böden und Wände sind alle aus massiven, dunklen Hölzern.

Direktorin Brenda Chin Foo führt durch die Ausstellung. In den Vitrinen findet man eine Weltkarte mit Gauguins Seefahrtenroute, seinen Reisekoffer, den Tropenhut des Malers und einige Original-Skulpturen. Draussen ist der glitzernde Ozean mit seinen Wellen vor der breiten Fensterfront zu sehen. Da übersieht man gerne, dass hier nur Replika und keine Originale von Gauguins Bildern ausgestellt sind. Nirgends findet sich ein Hinweis darauf. Es scheint, als handelte es sich um Originale.

Die Tahitianer würden sich nicht für Gauguin interessieren, sagt Brenda Chin Foo. «Allenfalls dafür, was die einheimischen Künstler oder Handwerker herstellen. Wir im Museum arbeiten also mehr für die Fremden aus Übersee.»

Einblicke in das Leben des Malers

1891 war Gauguin in Tahiti angekommen, die Reisekosten hatte er durch die Versteigerung seiner Gemälde decken können. Wie andere Entdecker, Abenteurer und Künstler war er zunächst fasziniert vom Land der «edlen Wilden», von Südseezauber und freier Liebe, von der Hoffnung, ein Leben im Einklang mit der Natur zu führen.

Doch schon bald zeigte er sich enttäuscht von der Zerstörung der traditionellen polynesischen Lebensart durch westliche Bräuche, durch Missionare, die katholische Kirche und Kolonialbeamte. «Was Gauguin hier gelernt hat, ist der Farbgebrauch», so die Museumsdirektorin. «Hier gelangte er zu seinen Farben und seiner Farbwahl, die uns immer noch sehr modern erscheinen, sehr lebendig und sinnesfroh.»

«Der Kulturmensch ist tot»

Auch persönliche Notizen Gauguins gibt es im Museum zu sehen. Später hat er sie zu seinem Buch «Noa, Noa» ausgearbeitet, einem Fluch auf die Zivilisation und Gesang auf das wiedergefundene Paradies. «Von nun an ist der alte Kulturmensch verschwunden, tot», schreibt er darin. «Ich ward wiedergeboren – oder vielmehr ein anderer Mensch, ein reiner, stärkerer erstand in mir.»

Eine erfundene Idylle – Paul Gauguins zerbrochener Südseetraum

6:13 min, aus Kulturplatz vom 4.2.2015

Angekommen mit einem weissen Tropenanzug trug Gauguin am Ende nur einen Lendenschurz, resümiert Brenda Chin Foo: «Die Frauen sahen zu Gauguins Zeiten ganz genauso aus, das heisst, sie waren unbekleidet. Die Nacktheit war Teil der polynesischen Kultur. Gauguin brauchte nichts zu erfinden.»

1903 starb Paul Gauguin verarmt im Alter von nur 55 Jahren auf Hiva Oa. Auf der Marquesas-Insel liegt er neben Jacques Brel begraben, dem grossen belgischen Chansonnier. Beide hatten auf den Inseln Französisch-Polynesiens ihr Arkadien gefunden, ihren Traum vom Leben jenseits der zivilisierten Gesellschaft. In der Fondation Beyeler kann man Gauguins Meisterwerke der Südsee bestaunen, auf Tahiti liegt der Schlüssel zu seiner Kunst.

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