Diese griechischen Stücke sind eine kleine Ausstellungssensation

Ums Jahr 70 v. Chr. sank vor der Insel Antikythera ein reich beladenes Handelsschiff. Im Antikenmuseum Basel sind nun Funde aus diesem Wrack zu sehen – erstmals überhaupt ausserhalb Griechenlands. Die Ausstellung «Der versunkene Schatz» zeigt Geschichten vom Handel, von Luxus und Alltag der Antike.

Selten kommt man so nah an antike Lebenswelten heran wie in dieser Ausstellung. Als ein etwa 30 Meter langes und 10 Meter breites griechisches Schiff, das mit seiner Ladung von Kleinasien über Delos in Richtung des Hafens von Pozzuoli bei Neapel unterwegs war, geriet es nahe der kleinen Insel Antikythera in einen Sturm und sank. Im Jahr 1900 stiessen Schwammtaucher auf das Wrack. Mehrere Forschungskampagnen folgten, zuletzt in diesem Sommer.

Erzählt wird antiker Alltag

«Wir haben alle Elemente, die nötig sind, um die Geschichte dieses Schiffes zu erzählen», sagt der Archäologe Esaù Dozio. «Bis hin zu den Namen der Matrosen, die auf Trinkgefässen eingeritzt sind.»

Olivenkerne und Schneckengehäuse weisen auf den Proviant der Besatzung hin, Spielsteine auf deren Beschäftigung am Feierabend, Goldohrringe und Fingerringe auf die Anwesenheit gutbetuchter Passagiere. Griechisches war hip im ersten Jahrhundert vor Christus. Konservative Römer warnten deswegen zwar vor dem Verlust der römischen Identität, waren aber selbst fasziniert vom östlichen Nachbar.

Hippe Skulpturen für Rom

«Eine ganze Kultur wurde damals verschifft», sagt Dozio, «sogar ganze Bibliotheken.» Darüber, was genau die Römer in jenem Jahrhundert ihres Aufstiegs zur Weltmacht importierten, gibt die Ladung des Schiffes Auskunft: Krüge, Gefässe, Amphoren – und zahlreiche Marmorskulpturen: gut erhalten die Teile, die im Sand geschützt waren, von Muscheln und Salzwasser zerfressen die Partien, die freilagen. «Die Griechen wussten genau, was die Römer wollten. Und sie produzierten Skulpturen in Serie», erklärt der Archäologe. Denn die Zahl der Antiquitäten in Griechenland war begrenzt, die Nachfrage nach Griechischem in Rom riesig.

Eine riesige Zahl von Schiffen transportierte die Kulturgüter in den zahlungskräftigen Westen, zur römischen Oberschicht. Der Redner und Politiker Cicero etwa besass acht Villen, die er standesgemäss ausstatten wollte. Und die Zeiten, als griechische Politiker über die unkultivierten römischen Trampel spotteten, waren vorbei. Rom wurde zum Zentrum der Welt und wollte dies sichtbar machen.

Der «Mechanismus von Antikythera»

2:30 min, aus 100 Sekunden Wissen vom 24.09.2015

Der «Mechanismus von Antikythera»

Ebenfalls Teil der Basler Ausstellung ist das geheimnisvolle Zahnradgetriebe, das als «Mechanismus von Antikythera» bekannt ist. Was diese Maschine kann? «Sie konnte ziemlich alles tun», erklärt Esaù Dozio – und ernsthafter: «Es ist eine astronomische Maschine. Ohne dieses Objekt würden wir nie glauben, dass die griechische Kultur in der Lage war, solche Produkte herzustellen. Es ist eine äusserst komplizierte Darstellung astronomischer Phänomene. Man muss diese Kenntnisse besitzen. Und dann muss in der Lage sein, diese Kenntnisse in einer kleinen Maschine zusammenzufassen, mechanisch, mit Zahnrädern.»

Die Maschine diente zum Abgleichen der verschiedenen üblichen Kalender, zur Berechnung von Sonnen- und Mondfinsternissen in der Vergangenheit und in der Zukunft, sie stellte die Mondphasen dar. «Es ist die einzige erhaltene Maschine dieser Art. Die schriftlichen Quellen zeigen, dass die Römer solche Objekte nicht als Souvenir gekauft, sondern sich tatsächlich damit auseinandergesetzt haben.»

Vorsprung durch Technik

Zusatzinhalt überspringen

Ausstellungshinweis

«Der versunkene Schatz – das Schiffswrack von Antikythera» im Antikenmuseum Basel ist vom 27.09.2015 bis zum 27.03.2016 zu sehen.

Und Esaù Dozio erwähnt, dass laut dem Historiker Livius der römische Feldherr Sulpicius Galus am Vorabend der Schlacht von Pydna (168 v. Chr.) seine Soldaten über eine bevorstehende Mondfinsternis informiert habe. Die feindlichen Makedonier brachen ob der unerwarteten Dunkelheit in Verzweiflung aus. Die Römer gewannen die Schlacht. Durch eine dem «Mechanismus von Antikythera» ähnliche Maschine hatte der Feldherr vom astronomischen Phänomen gewusst. Vorsprung durch Technik.

Solche Geschichten erzählt die Ausstellung «Der versunkene Schatz» im Antikenmuseum in Basel. Geschichten vom Handel, vom Aufstieg Roms, von Luxus und vom Alltag in der Antike.

Sendungen zu diesem Artikel