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Galerien müssen schliessen Kunst macht nur wenige reich, die anderen haben keine Chance

In den Galerien weht ein harter Wind. In Zürich und andernorts mussten in letzter Zeit eine ganze Anzahl von Galerien schliessen oder stehen kurz davor. Auch der junge Basler Galerist, Jean-Claude Freymond-Guth, musste kürzlich seine Geschäftstätigkeit in Basel aufgeben.

Der junge Basler Galerist Jean-Claude Freymond-Guth in grauem T-Shirt vor einem Kunstwerk
Legende: Der junge Basler Galerist Jean-Claude Freymond-Guth gab Ende September bekannt, dass er seine Galerie schliesst. TagesWoche/Nils Fisch

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Galerist Jean-Claude Freymond-Guth musste seine Galerie schliessen. Die heutige Marktsituation funktioniere für die meisten Künstler und Galerien nicht, sagt er.
  • Die Kunstszene ist im Umbruch: Die klassischen Kunstsammler verschwinden, die verbleibenden kaufen weniger.
  • Galeristen müssen in einer unübersichtlich gewordenen Anzahl von Künstlern und Werken ständig neues entdecken und kämpfen um die beschränkte Zahl ernsthafter Sammler.

Raues Klima

In der Schweizer Kunstszene war es ein Eklat: Der junge Basler Galerist Jean-Claude Freymond-Guth musste per September dieses Jahres seine Geschäftstätigkeit aufgeben.

«Ich sah keine langfristige Perspektive für die Galerie im heutigen rauen Klima mehr. Ehrlich gesagt auch nicht auf langfristiger wirtschaftlicher Sicht», sagte er zu artnet.com, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Entfremdung der Kunstszene

Zur abrupten Schliessung seiner Galerie veröffentlichte Freymond-Guth einen offenen Brief. Darin sprach er von einer «Entfremdung» von der Kunstszene. Es sei die wachsende Nachfrage nach konstanter globaler Beteiligung, Produktion und Konkurrenz, welche ihn dazu bringe, das System zu hinterfragen.

Dieses würde «nur für eine kleine Anzahl von Künstlern und Galerien funktionieren». Einige wenige Künstler werden von der Szene gehypt und für viel Geld gehandelt, andere haben dafür keine Chance.

Galerist Jean-Claude Freymond-Gut in einem weitgehend leeren Ausstellungsraum mit Videoinstallationen
Legende: Jean-Claude Freymond-Guth in seiner Galerie in Basel, die inzwischen geschlossen wurde. TagesWoche/Nils Fisch

Kunstliebhaber sterben aus

Die Kunstszene hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Einerseits verschwinden die klassischen Kunstsammler, wie auch der Anwalt und Kunstkenner Alexander Jolles bestätigt.

Die verbleibenden kaufen überdies weniger als früher, weil sie schlicht keinen Platz mehr haben oder die Bilder zu teuer wurden. Es gibt heute immer weniger junge Sammler, die ihr Geld für Kunst ausgeben.

Kunst als Wertanlage

Andrerseits wird Kunst immer weniger der Kunst wegen gekauft, sondern als Wertanlage angesehen. Diese Entwicklung konnte auch Freymond-Guth beobachten: «Wir verkaufen für 3000 Dollar oder für 300'000 Dollar». Das mache es für Galerien schwer, sich langfristig zu behaupten. Die Situation für die Galerien sei deshalb schwieriger geworden, sagt auch Jolles.

Sie müssen in einer unübersichtlich gewordenen Anzahl von Künstlern und Werken ständig neues entdecken und kämpfen um die letztlich doch beschränkte Zahl von ernsthaften Sammlern.

Man dürfe aber auch nicht vergessen, dass die Anzahl von Galerien in den letzten Jahren stark zugenommen habe, weshalb es früher oder später zu einer Konsolidierung kommen musste.

Wie soll es weitergehen?

Trotzdem findet Freymond-Guth die Veränderungen nicht bedauernswert. «Ich glaube nicht, dass es eine Tragödie ist», aber «ich glaube wir müssen die Strukturen diskutieren und neu verhandeln.» Deshalb sei der Zeitpunkt sehr interessant für Veränderungen im Markt. Und um innovative Ideen zu realisieren.

So gibt es etwa neue Modelle wie die Kunstmessen «Paris Internationale» oder «Paramount Ranch» oder auch das neue Ausstellungskonzept gemeinsamer, internationaler Galerien: die sogenannte «Condo».

Diesen Ideen ist gemein, dass junge Menschen sich selber organisieren und zurück zu einer Do-it-yourself-Kultur finden. Und bei dieser neuen Bewegung ist Freymond-Guth gerne mit dabei.

Sendung: SRF 1, Sternstunde Kunst, 5.11.2017, 11.00 Uhr

8 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Trösch (Rolf T)
    Aus meiner Sicht liegt die Problematik zu einem grossen Teil im elitären Gehabe und der Gewinnorientierung der Galerien. Wenn es nicht mehr um die Aussage eines Werkes geht, sondern die Signatur zum preistreibenden Faktor wird hat die Kunst ihren Sinn verloren. "Kofferraumverkauf" und "Kunstsupermarkt" haben deshalb Erfolg, weil Kunst für alle bieten und sich dort jeder kaufen kann was ihm gefällt. Kunst darf nicht Geldanlage und Spekulationsobjekt sein.
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  • Kommentar von Bör Schi (Bör Schi)
    Erst mal die grosse Frage: Was ist denn Kunst überhaupt? Da gehen die Meinungen sehr weit auseinander. Und: heutzutage kämpft jeder darum, sich auch nur das lebensnotwendige besorgen zu können, da bleibt kaum Geld übrig für das, was sich Kunst nennt. Um die Wohnung zu verschönern, genügt ein Fotobild aus der Ikea oder man pinselt selber etwas hin, was ja nicht so schwierig ist, man braucht bloss ein, zwei Farben auf Leinwand hinstreichen, fertig.
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    1. Antwort von Thomas Steiner (Thomas Steiner)
      Die Schweiz ist eines der reichsten Länder der Welt, mit Spitzenwerten in Sachen glücklich sein. Was Sie beschreiben, ist ein Bild zu malen, aber das ist noch keine Kust, da muss schon massiv mehr dahinter sein.
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    2. Antwort von Tim Luethi (timluethi)
      Das gemalte Bild wird dann zur Kunst, wenn jemand bereit ist dafür viel Geld auszugeben. Zu Van Goghs Lebzeiten waren seine Bilder auch nur gemalte Bilder, zu anerkannten Kunst wurden sie später.
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    3. Antwort von Rolf Trösch (Rolf T)
      Die Frage was den Kunst sei lässt sich mit 500 Zeichen kaum beantworten. Das erwähnte Dekorbild ist ein Massenprodukt, dies hat mit Kunst nichts zutun. Aber es zeigt einen Teil des Problems, wir werden täglich mit sovielen Bildern überflutet, dass viele keine Wertschätzung für schöpferischer Arbeit mehr empfinden, bloss noch wichtig dass die Reproduktionfarblich zum Sofa passt. Bör Schi, Sie sollten es tatsächlich einmal selber tun, um zu erfahren da ist mehr als "kann ich auch".
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  • Kommentar von U.E. Romer (romeru)
    Der Markt hat sich verändert. Die Leute kaufen Bilder nicht mehr als Wertanlage sondern als Deko-Artikel - wie ein Möbelstück. Sie wollen damit ihre Wohnung verschönern.Die Langlebigkeit von Kunst ist passé. Leider gibt es viel Schrott - die in keinem Wohnzimmer oder Salon zur Verbesserung der Atmosphäre dient. Die Preise müssen sinken - dann steigt der Absatz wieder.
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