Kritik an Kulturförderung «Ich sehe permanent Handlungsbedarf»

Fünf Millionen Franken kosten den Bund seine Kulturpreise jedes Jahr. Aber nur die Hälfte geht an die Kunstschaffenden. Warum eigentlich? Kulturchefin Isabelle Chassot über den Preis der Promotion – und die Zukunft.

Alain Berset und Isabelle Chassot Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Sie will das Kunstschaffen ehren, aber auch sichtbar machen: Isabelle Chassot mit Bundesrat Alain Berset. Keystone

SRF: Sind fünf Millionen Franken viel Geld für die spartenübergreifende Politik, die sie betreiben?

Isabelle Chassot: Das tönt erst mal nach sehr viel Geld. Es war im Jahr 2012 der Wille des Parlaments, dass wir nicht nur Preise in den Sparten Kunst und Design vergeben. Seither sind neue Preise dazugekommen – in den Bereichen Literatur, Tanz, Theater, Musik.

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Isabelle Chassot

Isabelle Chassot

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Seit 1. November 2013 Direktorin des Bundesamtes für Kultur. Die Anwältin und langjährige Freiburger Staatsrätin trat die Nachfolge von Jean-Frédéric Jauslin an. Isabelle Chassot ist von Haus aus Juristin und Mitglied der CVP.

Das heisst auch: Wir stellen jedes Jahr sieben bis acht Veranstaltungen auf die Beine, um die Preise zu vergeben. Die Hälfte der fünf Millionen Franken sind effektive Preisgelder, die an die Künstler gehen.

Die andere Hälfte ist für die Organisation der Anlässe und für Promotionsmassnahmen zugunsten der Kunstschaffenden bestimmt. Ich bin der Meinung, das hält sich in Grenzen.

Rund zwei Millionen Franken gehen drauf für Anlässe, für begleitende Publikationen – wie Videos, Bücher, Ausstellungen, Websites. Die Kritk, die der Tages-Anzeiger in seiner heutigen Ausgabe formuliert ist klar: Für die Kunstschaffenden bleibt eigentlich zu wenig übrig. Wie sehen Sie das?

Da bin ich anderer Meinung. Mit den Kulturpreisen wollen wir die Preisträgerinnen und -träger ehren. Aber es geht immer auch darum, das Kulturschaffen in unserem Land sichtbar zu machen.

Das Kulturschaffen ist Teil unseres kulturellen Erbes, und das soll mit Publikationen und Filmen auch dokumentiert werden. Publikationen und Filme sind extrem wichtig für die Zukunft.

Haben Sie das auch mal untersuchen lassen, wie sich diese Preise und Preisgelder konkret für die Kunstschaffenden auswirken?

Die nächste Kulturbotschaft ist für 2020 vorgesehen. Bis dann sollten wir wissen, was unsere Massnahmen bringen. Aber um evaluieren zu können, müssen wir sie erst testen.

Und das machen wir: In diesem Jahr sind wir mit dem Schweizer Musikpreis nach Paris ins Schweizer Kulturzentrum gegangen. Wir lassen von aussen anschauen und beurteilen, was wir da machen.

Wo sehen Sie jetzt schon Handlungsbedarf?

Ich sehe permanent Handlungsbedarf, um ehrlich zu sein. Wir schauen immer, was wir wo besser machen können. Für mich ist Social Media gerade ein grosses Thema. In den Sparten Kunst und Design haben wir da gute Erfahrungen gemacht.

Jetzt stellen wir uns die Frage: Wie können wir das für die Musik schaffen? Wie können wir für das Theater präsenter sein? Wie könnten wir mit den Organisationen noch enger zusammenarbeiten?

Der Twitter-Account, den Sie für das Theater aufgesetzt haben, hat gerade mal 49 Follower. Das ist schon nicht viel.

Das sind eben die Tests, die wir machen müssen, um herauszufinden, wo unsere Bedürfnisse sind. Sie haben mich nach möglichen Massnahmen gefragt. Wir prüfen sehr genau, was funktioniert und was nicht.

Heisst das, die Theaterszene ist weniger auf Social Media angewiesen als Musik, Design und Kunst? Das sind die Frage, die wir uns stellen.

Das Gespräch führte Nino Gadient.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 3.7.2017, 17:08 Uhr