Lampen, Sonnen und Landschaften aus purer Farbe

James Welling möchte auf seinen Fotografien die Welt ein wenig unvertrauter, ein wenig rätselhafter machen. Mit Kamera und Fotopapier erkundet er das weite Feld der Abstraktionen. Das Fotomuseum Winterthur widmet ihm eine spannende Werkübersicht.

Bekannt wurde James Welling Ende der 1980er Jahre mit der Fotoserie «Aluminium Foil». Ohne den erklärenden Titel würde man die Schwarz-Weiss-Bilder für abstrakte Strukturen halten. Anders ist es mit den «Brown Polaroids». Der technische Titel sagt kaum etwas über die Bilder, die üppige Faltenwürfe zeigen. In beiden Serien wird Wellings Interesse an Oberflächen, am Spiel von Licht und Schatten deutlich.

James Welling sieht im fotografischen Bild nicht nur das Abbild. Obwohl seine Fotografien im Allgemeinen auf realen Objekten oder Landschaften basieren, weisen sie doch über das Dargestellte hinaus, gehen ins Abstrakte. Welling nutzt die Fotografie als Medium, um die altbekannte Welt der Erscheinungen in etwas Unvertrautes, Rätselhaftes zu verwandeln. Abstrakte Bilder, sagt Welling, laden den Betrachter ein, einzutauchen in einen Raum jenseits des bekannten Alltags.

Reale und erinnerte Bilder

James Welling, 1951 in Hartford, Connecticut geboren, studierte zunächst Malerei in Pittsburgh und Valencia. Er begeisterte sich für Minimal Art und Konzeptkunst und experimentierte mit Fotogrammen. Diese scherenschnittartigen Bildern entstehen, indem Objekte auf Fotopapier gelegt werden und dieses belichtet wird. Zur Fotografie kam er als Autodidakt. Experimentierfreudig ist er bis heute geblieben. Er fotografiert analog und digital, seine Bilder entstehen mal mit, mal ohne Kamera.

Für seine erste Fotoserie begann er 1977 Seiten aus dem Tagebuch seiner Ur-Ur-Grossmutter zu fotografieren. Das Tagebuch war auf einer Europa-Reise entstanden. Die Bilder der Notizen seiner Vorfahrin kombiniert Welling mit Landschaftsaufnahmen aus Connecticut. So entsteht ein Bilderbogen, der Gegenwart und Vergangenheit umspannt, reale und erinnerte Bilder.

Grenzen der Abstraktion erkunden

In der Serie «Light Sources» (Lichtquellen) schwingt ebenfalls etwas von Reisetagebuch mit. Viele der Bilder entstanden auf Reisen, berichtet der Künstler. Sie zeigen Landschaften, Porträts, Interieurs. Meist unspektakuläre Szenen. Doch immer ist ein Licht zu sehen, eine Lampe, die Sonne, die durch die Zweige eines Baumes funkelt.

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Link zur Ausstellung

Die Ausstellung «James Welling Autograph» ist bis 16. Februar 2014 im Fotomuseum Winterthur zu sehen.

In ihrer stillen, unaufgeregten Art verweist «Light Sources» auf die klassisch schwarz-weissen Reportagefotografien, die Welling ebenfalls macht. In der Ausstellung ist dieser Bereich seiner Arbeit allerdings nicht vertreten. Sie konzentriert sich auf den Künstler, der mit Kamera und Fotopapier die Grenzen zur Abstraktion erkundet.

Dabei bedient er sich, gerade in den letzten Jahren, auch der Farbe. In der Dunkelkammer entsteht die Serie der «Degradés». Es sind abstrakte Farbfotogramme, die mit reinem Licht in der Mischkammer des Vergrösserungsgeräts belichtet werden. Es gibt keine Objekte mehr, die abgebildet werden. Nur noch Licht und Farbe, in strahlender Intensität. Diese vollkommen gegenstandslosen Bilder erinnern an abstrakte Malerei. Und, ganz wie das auch in der gemalten Abstraktion der Fall ist, auch ein wenig an Landschaften.