Zum Inhalt springen
Inhalt

Land Art Als die Kunst aufs Land zog

Künstler machten in den 1960er- und 1970er-Jahren die Natur zur Kunst. Aktuell wieder an einer Biennale in der Mongolei.

Legende: Video Land-Art ist Kunst für alle Sinne abspielen. Laufzeit 27:06 Minuten.
Aus Kulturplatz vom 19.09.2018.

Irgendwann in den späten 1950er-Jahren begann sie: die grosse Explosion der zeitgenössischen Kunst. Schon zuvor hatten die Avantgardebewegungen vom Impressionismus über den Surrealismus bis zum Abstract Expressionismus in immer rascherer Folge um Aufmerksamkeit gebuhlt.

In den 50ern steigerte sich diese Dynamik noch. Neben der Pop- und Minimal Art entstanden plötzlich Fluxus, Arte Povera – und Land Art.

Eingepackte Bäume in Riehen nähe Basel, 1998: eines von vielen Projekten des Künstlerpaars Christo und Jeanne-Claude.
Legende: Eingepackte Bäume in Riehen nähe Basel: eines von vielen Projekten des Künstlerpaars Christo und Jeanne-Claude. Keystone

Die Land Art sorgte für besonders viel Aufsehen. Kein Wunder, denn die damals erst auf Papier realisierten Verpackungsorgien von Christo und Jeanne Claude gehören ebenso dazu wie die «Spiral Jetty», eine riesige Aufschüttung von Robert Smithson im grossen Salzsee von Utah.

Durch das Wasser eines brau-rot schimmernden Sees zieht eine Salzspur einen mehrfach gewickelten Kringel.
Legende: Land Art im grossen Salzsee von Utah: «Spiral Jetty» von Robert Smithson. Keystone

Ab in die Wüste

Auch nicht zu verachten war «Double Negative», Link öffnet in einem neuen Fenster von Michael Heizer, ein durch die Wüste von Nevada geführter Einschnitt. Später kam das «Lightning Field», Link öffnet in einem neuen Fenster von Walter de Maria hinzu: ein Feld von 400 Edelstahlstäbe in der Wüste von New Mexico, das Blitze anziehen soll.

Selbst in Kunstkreisen kennt man diese Werke häufig nur von Abbildungen. Und genau das ist paradoxerweise ziemlich typisch für die Land Art. Sie fand irgendwo draussen in den Weiten der Landschaft an möglichst entlegenen Orten statt.

Aktuelle Land-Art-Biennale in der Mongolei

Riesige leuchtende Buchstaben auf einem grünen Hübel.
Legende:Land Art von heute: die Installation von Sophie Guyot.Land Art Mongolia

Die Land-Art-Künstler von heute beschäftigen sich vor allem mit soziokulturellen Fragestellungen. Die Kunst-Biennale «Land Art Mongolia» zeigt dies besonders gut.

Im Norden der Mongolei, wo einst der Eroberer Dschingis-Khan das Licht der Welt erblickte, hat eine 150-köpfige Künstlerschar in Zusammenarbeit mit Einheimischen die aktuelle, die fünfte Land-Art-Biennale erarbeitet. Als Schweizer Vertretung ist die Lausanner Künstlerin Sophie Guyot in das am dünnsten besiedelte Land der Welt gereist.

Subtile Kritik

Guyot sprach mit Nomaden des Chentii-Gebirges über die Herausforderungen der Pferdehaltung. Daraus hat sie eine Installation entwickelt: Ein mongolisches Wort, 30 mal 100 Meter, bestehend aus kleinen Fahrrad-Lämpchen in der grünen Hügellandschaft.

«Tsogio» bedeutet Galopp, dahinter ein Fragezeichen. Die kyrillischen Zeichen sind Sophie Guyots Befragung über den Sinn und die Notwendigkeit des gesteigerten Lebenstempos.

Nino Gadient

Weg vom Museum, weg von der Galerie

Die Land-Art-Künstler drehten nicht nur den etablierten künstlerischen Medien wie Malerei und Skulptur eine Nase. Sie wollten mit ihren Werken auch weg von den geläufigen Kunst-Drehscheiben wie Museum und Galerieraum.

Am Ufer eines Salzsees wachsen Salzfiguren in Menschengrösse empor.
Legende: «Mono Lake» in Kalifornien: Land Art von Nancy Holts und Robert Smithsons (1968-2004). VG Bild-Kunst, Bonn 2012.

Stattdessen setzten die Künstler auf die Massenmedien. Die fanden in den spektakulären Aktionen, zu denen auch mal eine Schrottsammlung von Jean Tinguely und Niki de Saint Phalle gehören konnte, attraktive Stoffe. Lokale Fernsehsender filmten sie amüsiert, Illustrierte mit Millionenauflagen füllten damit ihre Seiten.

Kunst in der Zeitung

Und so erreichte die Land Art ihr Ziel, die Mauern des Museums zu sprengen, auf besonders elegante Weise: Sie liess andere, nämlich Journalisten, für sie arbeiten. So musste man nicht mehr ins Museum gehen, um etwas von der zeitgenössischen Kunst mitzubekommen. Man brauchte nur die Zeitung aufzuschlagen.

«Tsogio»: ein Werk der Schweizer Künstlerin Sophie Guyot.
Legende: Ein Beispiel von 2018: Die Lausanner Künstlerin Sophie Guyot ist in die Mongolei gereist, um Land Art zu machen. Land Art Mongolia

Die Kunstform Land Art entstand damals gleichzeitig in mehreren Ländern. In den USA war sie vor allem eine Form der Auseinandersetzung mit der Landnahme und der Industrialisierung, parallel zur beginnenden Ökobewegung. In Japan oder Israel war sie auch eine Form der Auseinandersetzung mit dem Spuren des Krieges.

Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Teilen Sie Ihre Meinung... anwählen um einen Kommentar zu schreiben

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

Bitte beachten Sie unsere Netiquette verfügbar sind noch 500 Zeichen

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

Es wurden noch keine Kommentare erfasst. Schreiben Sie den ersten Kommentar.