Mehr spektakuläre Schweizer Architektur, die es nicht mehr gibt

Auch prächtige, historische Bauten müssen manchmal verschwinden. Sei es, weil sie nicht mehr gebraucht werden, weil man ihrer überdrüssig geworden ist oder weil Platz für Neues her muss. Mit fünf Schweizer Bauten haben wir unsere Liste angefangen. Dank unserer User ist sie noch länger geworden.

    • 1.
      Theater am Bohl, St. Gallen
      Ein Foto, dass das ehemalige Stadttheater St. Gallen zeigt. Menschen gehen auf einer Strasse. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Das Theater am Bohl (rechts aussen) war das erste St. Galler Stadttheater. ZVG

      Burger statt Bühne: Wo früher das St. Gallen stand, serviert «McDonalds» heute Fast Food. Das erste St. Galler Stadttheater, nach seinem Architekten Johann Christoph Kunkler auch Kunkler-Bau genannt, wurde im November 1857 mit Mozarts «Don Giovanni» eröffnet. Über 100 Jahre lang wurde im schlicht gehaltenen Funktionsbau Theater aufgeführt, bis 1971 die Abrissbirne dem Spiel leider ein Ende machte.

    • 2.
      Basler Theater
      Sicht auf das Basler Theater. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Jean Tinguely verarbeitete Überreste des Theaters in seinem Brunnen – etwa einen Musenkopf, der heute Wasser spuckt. ETH-Bibliothek Zürich Bildarchiv / Fotograf Hans Witschi

      Sein Ende war spektakulär: Mitten in der Stadt wurde 1975 das Basler Theater gesprengt – dort wo heute der Tinguely-Brunnen springt. Der klassizistische Bau mit Kronleuchtern und Goldverzierungen musste einem modernen Betonbau Platz machen. Sein Abbruch bedeutete einen Umbruch für Basel als Theaterstadt: Der damalige Theaterdirektor Werner Düggelin ging, Hans Hollmann kam – und brachte eine neue Art des Theatermachens mit. Künftig hiess die Basler Bühne Theater Basel.

    • 3.
      Christoffelturm, Bern
      Eine Zeichnung zeigt den Christoffelturm. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Der Christopherus stand immer schützend in Position. ZVG

      Der 55 Meter hohe Christoffelturm, erbaut im 14. Jahrhundert, stand in der Nähe der Heiliggeistkirche in der Berner Altstadt. In einer zehn Meter hohen Nische hatte eine hölzerne Christopherus-Figur ihr festes Plätzchen: Erst vom Jesuskind und Wanderstab begleitet und nach der Reformation mit Schwert und Hellebarde gerüstet, gab er Reisenden Schutz mit auf den Weg. Bis «seinem Haus» eine Gemeindeversammlung im Dezember 1864 zum Verhängnis wurde. Mit 411 zu 415 Stimmen war das Schicksal des Turms beschieden. Der «baufällige, hässliche, unreinliche Turm» – auch liebevoll «altes Möbel» genannt – passte nicht mehr ins «neue Bern», das mit dem Bundeshaus, dem Bernerhof und dem Bahnhof in neuer Form war. 1865 wurde der Turm dem Boden gleichgemacht.

    • 4.
      Kunst- und Kongresshaus Luzern
      Schwarzweissbild: Neben dem üppig verzierten Bahnhofsgebäude steht das schlichte und viereckige Kongreshaus. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Links neben dem Bahnhof Luzern, wo sich heute das moderne KKL befindet, entstand 1933 das Kunst- und Kongresshaus. ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Photoglob AG

      Wo heute das moderne KKL steht, wurde 1933 bereits ein Kultur- und Kongresszentrum gebaut. Die Pläne stammten vom Luzerner Architekten Armin Meili. Das klare, schlichte Gebäude wurde bei der Eröffnung als «Tempel der Musen» gepriesen. 1980 allerdings empfand man die Ästhetik als nicht mehr zeitgemäss, zudem wurden bauliche Mängel festgestellt. An seiner Stelle wurde das neue KKL nach Plänen von Jean Nouvel errichtet. Vom einstigen «Meilibau» steht heute nur noch der grosse, runde Wagenbachbrunnen.

    • 5.
      Neue Tonhalle, Zürich
      Alte Postkarte: grosses und üppig verziertes Gebäude Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Die «Neue Tonhalle» in Zürich, erbaut zwischen 1893 und 1895, wurde auch «Trocadero» genannt. ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Photoglob AG

      Auch die Tonhalle Zürich steht auf den Ruinen ihres Vorgängers. 1893 entstand hier die «Neue Tonhalle», errichtet von den Wiener Architekten Fellner und Helmer. Mit seinen barocken Türmchen erinnerte das Gebäude an den Palais du Trocadéro in Paris und wurde in Zürich auch «Trocadero» genannt. Kurz nach dem Bau begann in Zürich die Debatte um ein Kongresshaus – eine Debatte, die im Grunde bis heute andauert. 1937 wurde das Kongresshaus gebaut, die Tonhalle wurde in den Neubau miteinbezogen. Dabei wurden die schmucken Türmchen der einst «neuen» Tonhalle abgetragen. Wie es mit dem heutigen Kongresshaus weitergeht, entscheidet das Zürcher Stimmvolk im Juni.

    • 6.
      Schanzen Solothurn
      Kupferstich der Stadt Solothurn, umgeben von dicken Mauern. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Ansicht der Stadt Solothurn von 1757 – damals war die Stadt noch komplett von den Schanzen umgeben. zvg

      Bis 1835 wurde die Stadt Solothurn komplett von einer Maueranlage umgeben, den sogenannten Schanzen. Die Festungsanlage mit ihren imposanten Mauern und Türmen war nie Schauplatz kriegerischer Handlungen, verlieh der Stadt aber ein einzigartiges Aussehen. Im 19. Jahrhundert hatten die Solothurner genug von den alten Mauern und begannen, sie nach und nach abzureissen. Der Vorgang dauerte bis 1905 an, obwohl er zuweilen auf harsche Kritik stiess. Auch Gottfried Keller kritisierte den Abriss 1880 und verspottete die Solothurner in seinem Gedicht «Ratzenburg». Aus der Protestbewegung entstand später der Schweizer Heimatsschutz. Auf ihrer Website trauert die Stadt Solothurn den Schanzen noch heute nach: Man hätte es verpasst, «ein Stadtbild zu erhalten, das heute in Europa einzigartig wäre».

    • 7.
      Volkshaus Winterthur
      Schwarzweissbild: Längliches, schmuckloses Gebäude mit der Aufschrift "Hotel Volkshaus". Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Das Volkshaus Winterthur wurde zuweilen als Hotel genutzt, später auch als Durchgangsheim für Asylbewerber. Keystone

      «Das Winterthurer Volkshaus ist aus mehreren Gründen von herausragender Bedeutung», findet der Schweizer Heimatschutz. Das Gebäude nahe des Bahnhofs Winterthur sei zum einen ein wichtiger Zeuge der Schweizer Arbeiterbewegung, zudem sei es von architekturhistorischer Bedeutung: Das Gebäude wurde 1938 von Hans Hoffman gebaut, dem Chefarchitekten der Landi. Die Winterthurer Stimmbevölkerung schätzte das Gebäude weniger – und stimmte dem Verkauf 2004 zu. Die Folgen liessen nicht lange auf sich warten. Wenige Monate später wurde das Gebäude abgerissen, unter lautem Protest des Heimatschutzes. Heute steht an der Stelle des Volkshauses ein Einkaufszentrum.

    • 8.
      Grandhotel Bär, Grindelwald
      Alte Postkarte mit dem Grandhotel vor dem Wetterhorn. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Schickes Hotel, und die Aussicht ist sowieso pittoresk: Postkarte mit dem Grand Hotel Bär von 1907. ZVG

      Das Grandhotel Bär in Grindelwald ist einer von vielen Hotelpalästen, wie sie in der Schweiz um die Wende zum 20. Jahrhundert entstanden. Sie stammen aus einer Blütezeit der Schweiz als Luxus-Tourismus-Destination. Das Grandhotel Bär in Grindelwald entstand kurz vor der Jahrhundertwende und hatte Platz für 300 Betten. Dem Hotel blühte das gleiche Schicksal wie vielen anderen Hotels dieser Art: Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs brachte den Tourismus zum Erliegen, in der folgenden Jahrzehnten mussten viele Betriebe schliessen. Bald waren solche Paläste zu gross und vielen im Weg. Oftmals kam es zu Bränden und einem späteren, kompletten Abriss. So auch beim Hotel Bär: 1941 fing das Grandhotel Feuer – unter bis heute nicht restlos geklärten Umständen.

Kennen Sie wichtige Schweizer Gebäude, deren Abriss Sie bedauern? Teilen Sie sie hier in den Kommentaren.