Coco schenkte Frauen Hosen und Chanel No. 5

Coco Chanel brachte den Frauen bequeme Hosen, Modeschmuck aus falschen Perlen und das kleine Schwarze. Nicht genug: Sie schenkte ihnen auch das Parfüm Chanel No. 5, obwohl sie zunächst von Parfüms gar nichts hielt.

Frau mit Hut neben einem Blumenstrauss. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Coco Chanel entwickelte Chanel No. 5 zuerst nur als edles Werbegeschenk. Keystone

Von Parfüms wollte die Modeschöpferin Coco Chanel lange Zeit nichts wissen. Frauen würden sich nur dann parfümieren, wenn sie schlechte Gerüche zu verbergen hätten. Das gab Coco Chanel zu Protokoll, als ihr Mode-Rivale Paul Poiret 1911 die ersten Designerdüfte auf den Markt brachte.

Der Parfümeur, der Coco überzeugte

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Ihre Meinung änderte sie erst, als ihr neuer Liebhaber, der russische Grossherzog Dmitri Pawlowitsch Romanow, sie mit dem Parfümeur Ernest Beaux bekannt machte. Dieser hatte in Russland in Erinnerung an Zarin Katharina die Grosse das Parfüm «Bouquet de Catherine» entwickelt und stellte Coco Chanel seine Proben vor. Sie war begeistert und kam auf die Idee, ihren besten Kundinnen zu Weihnachten ein Fläschchen Duftwasser zu schenken.

Die Fünf bringt Glück

Die Stückzahl war limitiert – Coco Chanel liess davon hundert Flakons produzieren. Auf die Frage, wie sie das Parfüm nennen wolle, antwortete sie: «Ich lanciere meine Kollektionen immer am fünften Tag des fünften Monats, die Fünf scheint mir Glück zu bringen – daher will ich es Nummer 5 taufen.»

Was ursprünglich als exquisites Weihnachtspräsent gedacht war, löste bei den Beschenkten Begeisterungsstürme aus: Sie verlangten nach Nachschub, und so kam der Duft 1922 offiziell in den Handel. Chanel No. 5 war sofort Kult. Mit dem herben Duft aus Jasmin und Mairose, Eichen- und Baummoose verdrängte das Parfüm die damals üblichen süssen Rosen- und Veilchendüfte.

Ruhm dank Monroe, MoMa und Warhol

Chanel No. 5 roch und riecht auch heute nach Wald und Holz, nach den Weiten der russischen Steppen und darum immer auch ein bisschen nach Unabhängigkeit. Der schlichte Name und der schnörkellose Glasflakon taten das Ihre, um dem Duft Eleganz und Noblesse zu verleihen.

1959 wurde der elegante Flakon vom Museum of Modern Art in New York City geadelt und in die Dauerausstellung aufgenommen. Der Künstler Andy Warhol liess sich sogar vom Fläschchen inspirieren und verwendete es für eine Serie von neun Seriegraphien in verschiedenen Farben.

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Film zum Thema

Auch Marilyn Monroe liebte das Parfüm und prägte 1952 den legendären Satz: «Zum Schlafen trage ich nur ein paar Tropfen Chanel No. 5.» Das war der perfekte Werbespot, beflügelte die Fantasie und liess die Kassen klingeln. Das ist bis heute so geblieben: Weltweit wird heute ungefähr alle dreissig Sekunden ein Flakon verkauft.

Später waren es Catherine Deneuve, Nicole Kidman und Audrey Tautou, die dem Duft und damit auch seinen Trägerinnen den Hauch einer unaufgeregten Weltläufigkeit verpassten. Audrey Tatou übernimmt später im Film «Coco avant Chanel» von Regisseurin Anne Fontaine die Rolle der eigensinnigen Rebellin. Der Film konzentriert sich vor allem auf die Person der Gabrielle «Coco» Chanel, bevor diese als Modeschöpferin zur Legende wurde.