US-Kunstsammler zeigen sich spendabel – und fordernd

Die spektakuläre Wiedereröffnung des San Francisco Museum of Modern Art zeigt, wie Amerikas kulturelle Privatwirtschaft funktioniert: Mit der Unterstützung vermögender Kunstsammler werten Museen ihre Bestände auf. Im Gegenzug erhalten die Geldgeber Prestige – und dürfen den Kuratoren dreinreden.

Gebäude mit weisser, moderner Fassade. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Spitznamen «Fisher Museum»: Der Erweiterungsbau des San Francisco Museum of Modern Art. Keystone

Museen sammeln Kunst. Amerikanische Museen sammeln Sammler. Denn ohne Sammler gäbe es keine amerikanischen Kunstmuseen. In den USA erhalten Museen nämlich praktisch keine staatlichen Subventionen. Ein Paradebeispiel für das US-Prinzip der privaten Kulturförderung ist das San Francisco Museum of Modern Art (SFMoMA). Drei Jahre dauerte der Umbau des Stammhauses, das einst der Schweizer Architekt Mario Botta entworfenen hat. Die Kosten: 305 Millionen Dollar.

1100 Werke als Geschenk

Die spektakuläre Erweiterung durch die norwegische Architekturfirma Snohetta verdreifacht die Museumsfläche. Dies macht das SFMoMA zu einem der grössten Museen für zeitgenössische Kunst in den USA. Entsprechend viele Pauken und Trompeten begleiten dieses Wochenende die Wiedereröffnung.

Den Anstoss für den aufwendigen Ausbau gab ein Sammlerehepaar: Don und Doris Fisher, Gründer des Modelabels Gap, schenkten dem SFMoMA 2009 ihren 1100 Werke umfassenden Kunstbesitz – darunter Arbeiten von Stars wie Jackson Pollock oder Gerhard Richter. Die Fishers waren bereit, für die benötigten Ausstellungsräume aufzukommen und mit ihnen Dutzende andere Gönner, die, wie in den USA üblich, im Vorstand des Museums sitzen. Auf diese Weise kamen insgesamt 610 Millionen Dollar zusammen, einschliesslich eines finanziellen Kissens für die Zukunft.

Prestige und Steuervorteile für die Geber

Solch spendablen Kunstfreunden verdanken amerikanische Museen ihre Bestände. Milliardäre wie die Fishers bezahlen Werke, die auf dem Markt für öffentliche Institutionen längst unerschwinglich geworden sind. Im Gegenzug erhalten sie Prestige, Steuervorteile und im Fall der Fishers Ausstellungsräume, die ihre Sammlung im besten Licht präsentieren. Das SFMoMA hat sich dazu verpflichtet, dem Fisher-Besitz mindestens alle zehn Jahre eine Sonderschau zu widmen. In der übrigen Zeit müssen Teile daraus in anderen Ausstellungen gezeigt werden. Kein Wunder trägt das SFMoMA jetzt schon den Spitznamen «Fisher Museum».

Geldgeber beeinflussen das Programm

Andere Kunstsammler bauen sich tatsächlich ihre eigenen Tempel. Diese Variante wird sogar immer beliebter. Erst vor wenigen Monaten eröffnete Eli Broad in Los Angeles das Broad Museum und beherrschte damit wochenlang die Schlagzeilen der Feuilletons. Ohne Eli Broads generöse Unterstützung läuft in Los Angeles kulturell ohnehin nichts. Seine Sammlung hatte er ursprünglich dem Los Angeles County Museum versprochen. Dort war man geradezu erschüttert, als Broad sich anders besann.

Um ähnliche Enttäuschungen zu vermeiden, räumen Museen den Sugardaddys und Sugarmummys in ihren Vorständen immer mehr Einfluss auf ihr Programm und ihre Ausrichtung ein. Den Vorwurf, dass die kuratorische Unabhängigkeit damit auf der Strecke bleibe, weisen Museumsverantwortliche weit von sich. Das gilt auch für das SFMoMA. Lieber preist man da den «Public-Private-Partnership» und feiert im museumseigenen Nobelrestaurant In Situ das harmonische Miteinander von hehrer Kunst und tiefen Taschen.

Sendung: Radio SRF 2 kultur, Kultur kompakt, 13.5.2016, 17.10 Uhr.