Leipziger Buchmesse: Eine Liebeserklärung zum Auftakt

Am 13. März öffnet die Leipziger Buchmesse ihre Tore. Gastland dieses Jahr ist die Schweiz, die mit einem grossen Literatur- und Kulturprogramm präsent ist. Zum Start der Messe ein persönlicher Blick auf das Eldorado eines jeden Bücherfans.

Zwei Frauen bewegen sich vor dem Logo der Leipziger Buchmesse, das ein grosses Auge zeigt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: 3200 Veranstaltungen sind an mehr als 400 Leseorten in der Stadt und auf dem Messegelände der Buchmesse geplant. Keystone

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Zum Autor

Norbert Bischofberger ist Theologe und arbeitet bei SRF «Sternstunden» als Redaktor und Moderator. Seit 2002 besucht er regelmässig die Leipziger Buchmesse.

Bücher, soweit das Auge reicht: In mehreren Messehallen rücken über 2000 Verlage ihre neu erschienenen Bücher ins beste Licht. Comic- und Hörbuchfans kommen genauso auf ihre Rechnung. Die Leipziger Buchmesse ist die ruhige und intellektuelle Schwester der Frankfurter Buchmesse. In Frankfurt regieren Stress und Kommerz, in Leipzig führen das Buch, das Wort und das Gespräch das Zepter.

Im Begleitprogramm «Leipzig liest» sind unzählige Lesungen und Begegnungen mit Autoren angekündigt: Dieses Jahr sind 3200 Veranstaltungen an über 400 Leseorten in der Stadt und auf dem Messegelände geplant. Dies ist das grösste Festessen für Leseratten in Europa.

Rote Bänke und Schweizer Strassenbahn

Eine roter Holzbank vor einer Holzwand. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Praktisch, schlicht, rot: Lesebänke werben in Leipzig für den «Auftritt Schweiz». typefabric

Die Schweiz präsentiert sich in der Stadt im Schauspiel Leipzig und auf der Messe in einem eigenen Lesesaal. Dort können die Besucher die Vielfalt der Schweizer Literatur auf einer elektronischen Literatur-Landkarte der Schweiz entdecken. 70 Schweizer Verlage präsentieren ihre Bücher an einem Gemeinschaftsstand.

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Schweizer Literatur

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Auch Schweizer Folklore darf nicht fehlen: Schwingen wird leibhaftig im Schauspiel Leipzig gezeigt. 40 rote Lesebänke laden in der Stadt bereits vor der Messe zum Verweilen ein und werben für den «Auftritt Schweiz». Sie bleiben nach der Messe als Gastgeschenk in Leipzig. Eine rote «Schweizer Strassenbahn» der Linie 16 fährt während der Messe zum Messegelände.

Echoraum Ost

Die Buchmesse gibt‘s in Leipzig seit dem 17. Jahrhundert. Sie fand auch zu DDR-Zeiten statt – damals noch kuschelig im Messehaus in der Stadt. Noch heute steht das Tor nach Osten weit offen. So wird dieses Jahr der ukrainische Schriftsteller Juri Andruchowytsch direkt aus dem Protestlager vom Maidan in Kiew erwartet.

Die Revolution von 1989 ist inzwischen 25 Jahre her. In Leipzig waren vor der Wende die sogenannten Montagsdemonstrationen ein festes Protestritual gegen die verknöcherten DDR-Zustände. Zehntausende sind Ende der 1980er-Jahre jeden Montag auf die Strasse gegangen. Seinen stillen Anfang hatte der Protest in den Montagsgebeten in der Nikolai-Kirche genommen.

Angekettete West-Bücher

Die Leipziger Buchmesse ist ein Ort der Begegnung. Ich erinnere mich an einen bewegenden Auftritt von Friedrich Schorlemmer, dem friedensbewegten Pastor aus Wittenberg. Er hat in der DDR in einer aufsehenerregenden Aktion ein Schwert zu einer Pflugschar geschmiedet.

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Leipziger Buchmesse

Vom 13. bis 16. März findet die Leipziger Buchmesse statt. Der diesjährige Schwerpunkt ist der Schweizer Literaturszene gewidmet: Auf der Website Auftritt Schweiz präsentiert der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband SBVV eine umfassende Übersicht zu Veranstaltungen und Projekten.

Auf einer Messe-Toilette habe ich neben Günter Grass die Hände gewaschen. Svetlana Geier, der Übersetzerin meines verehrten Dostojewskij, habe ich gebannt zugehört. Und Autor Richard David Precht habe ich vor seinem kometenhaften Aufstieg zum Chef-Philosophen Deutschlands als witzigen Interviewpartner erlebt.

Die Leipziger sind stolz auf ihre Messe. An den ersten Messetagen wälzen sich Schulklassen durch die engen Gänge, am Wochenende pilgern die Leipziger hin. Zu DDR-Zeiten seien die begehrten West-Bücher angekettet gewesen. Hartnäckig hält sich seither das Gerücht, es gebe bis heute einen Wettstreit, wer mehr Bücher von den Verlagsständen klauen könne.

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