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Literatur Donna Leon: «Umbringen werde ich Commissario Brunetti nicht»

Wenige Tage nach Erscheinen war «Ewige Jugend» von Donna Leon schon in der Schweiz, Deutschland und Österreich auf Platz 1 der Bestseller-Listen. Es ist der 25. Fall, den Commissario Guido Brunetti löst. Folgen weitere? Das verriet Donna Leon am Rande der Jubiläumsfeier in Zürich.

Portrait einer älteren Dame, die vor der Kamera posiert.
Legende: Wird Donna Leon ihren Commissario Brunetti irgendwann in Pension schicken? Keystone

Donna Leon – wie fühlt es sich an, dass so viele Fans ins «Kaufleuten» strömen, um das Dienstjubiläum ihres Helden mitzufeiern ?

Es ist sehr erstaunlich, denn ich hatte das sicherlich nie kommen sehen. Ursprünglich wollte ich ja nur einen einzigen Roman schreiben, und jetzt – 25 Jahre später – schreibe ich immer noch.

Können Sie sich noch an einen konkreten Moment der ersten Begegnung mit Guido Brunetti erinnern? Oder nahm er erst langsam Gestalt an?

Nein, er sprang regelrecht in meinen Kopf, und da er ja als Commissario in der Hierarchieleiter bereits eine recht hohe Stufe erreicht hatte, war klar: Er konnte nicht mehr der Jüngste sein, er musste ein Studium absolviert haben, war verheiratet, hatte Kinder. Das war von Anfang an klar.

Ich machte dann aus ihm einen kultivierten, humorvollen, heiteren Mann, der gerne gut isst, seine Familie liebt und auch Freude an Literatur hat. Das war mein Glück: denn diese Eigenschaften ermöglichten es mir, mit ihm auch viele, viele weitere Jahre zu verbringen. Eine Figur muss einem sympathisch sein, sonst erträgt man auf Dauer ihre Nähe nicht.

Was auffällt: Sie erwähnen nie Brunettis Alter. Es scheint, dass er seit seiner Entstehung 1992 praktisch immer gleich alt geblieben ist.

Nun, er ist im Grunde genommen zeitlos, das stimmt. Auch gefühlsmässig hat er sich kaum verändert; er ist ein glücklicher Mensch. Die Arbeit hat ihn allerdings auch nachdenklicher und pessimistischer werden lassen, weil er sieht, in welchem chaotischen Zustand sich die Welt befindet, und wie wenig er daran zu rütteln vermag.

Also vorläufig werden Sie ihn noch nicht in Rente schicken ?

Nein, er bleibt in seinem Job, solange mir die Arbeit mit ihm noch Freude bereitet. Sollte diese verschwinden, werde ich mit Schreiben aufhören.

Das heisst, Sie werden sich dann auch ein Ende für Guido Brunetti ausdenken müssen?

Also umbringen werde ich ihn sicher nicht. Denn dazu ist er mir schon viel zu fest ans Herz gewachsen.

Der aktuelle Jubiläumsband heisst «Ewige Jugend» – ist das ein versteckter Hinweis auf den Commissario?

Nein, der Titel bezieht sich auf den Fall, den er in diesem Roman lösen muss. Es geht um eine Frau, die im Alter von 15 Jahren in einen Kanal gefallen ist und wegen des Sauerstoffmangels unter Wasser einen bleibenden Hirnschaden davontrug. Das heisst, sie wurde zwar gerettet, bleibt aber seither im geistigen Zustand einer 8-Jährigen gefangen.

Wir leben in einer Welt, die dem Jugendwahn huldigt; hier aber wird «Ewige Jugend» zum grauenhaften Schicksal. Brunetti muss herausfinden, wer diesen Unfall damals verursacht hat. Ich denke, es ist der dunkelste all meiner bisherigen Krimis, und ich habe regelrecht Skrupel, was ich diesem Mädchen angetan habe.

Wenn ein Angestellter sein 25-jähriges Dienstjubiläum begeht, hält ein Vorgesetzter jeweils eine kurze Ansprache oder gibt ihm sogar ein Geschenk. Mit was würden Sie Ihren Commissario bei der Feier überraschen?

Ich würde ihn zum Essen einladen und ihm versichern: der Koch ist ein Italiener.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 14.06.2016, 16:50 Uhr

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