Thriller über Überwachung In der Zukunft leben wir in einer digitalen Hölle – fast alle

Der Thriller «Now» zeigt, wie eine Welt der absoluten Überwachung und Kontrolle aussehen könnte.

Ein Mann trägt einen Helm und hat eine Art Joystick in der Hand. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Es geht um die digitale Revolution – und welche Welt dadurch möglich ist. Getty Images

Wir schreiben das Jahr 2025. Spark lebt ein sorgenfreies Leben – als einer der wenigen auserwählten Menschen, die Zutritt haben zu einem künstlichen Staat namens Eden. Ein Paradies auf Erden, in dem mithilfe modernster Technik das Leben reibungslos funktioniert: eine vollständige High-Tech-Versorgung, von medizinischer Überwachung bis hin zur Luxus-Motoryacht im Mittelmeer mit allem Drum und Dran.

Zusatzinhalt überspringen

Stephan R. Meier

Nahaufnahme des Autors.

Francesco Damele

Mit «Now. Du bestimmst, wer überlebt» hat der Sachbuchautor seinen ersten Roman vorgelegt. Die Biographie des Autors klingt wie die eines Weltenbummlers: Er hat in der Schweiz, in China, Frankreich, Italien, Spanien, Thailand und den USA gelebt. Sein Vater Richard Meier war Präsident des deutschen Verfassungsschutzes.

Nur die Besten leben in einer guten Welt

Gesteuert wird diese Welt über einen Super-Algorithmus namens Now, den einst Sparks Vater entwickelt hat. Nur die Besten der Besten, also 1 Prozent der Welt-Bevölkerung, haben Zutritt zu dieser Welt, die denen eine Zukunft gewährleisten soll, die diese auch tragen können.

Die übrigen 99 Prozent der Menschheit versinkt im Chaos, ohne Strom und jegliche Zivilisation, und führt ein Leben wie im Mittelalter, in einer apokalyptischen Szenerie. Eine Welt, die kollabiert, während einige wenige sich von all dem in der absoluten Kontrolle und Überwachung erfolgreich abschotten.

99 Prozent sind ausgeschlossen

Das ist die Ausgangslage im Thriller «Now. Du bestimmst, wer überlebt» von Stephan R. Meier. Eines Tages verliebt sich Protagonist Spark in die junge Sunway, die er wegen ihrer DNA aus den 99 Prozent der «ausgeschlossenen» Bevölkerung rekrutiert. Sie werden ein Paar, Sunway wird schwanger, allerdings hat der Algorithmus diese Schwangerschaft so nicht vorgesehen.

Als Spark merkt, dass sich das System in sein Leben einschaltet, lehnt er sich auf – und findet sich plötzlich als dessen Feind wieder. Der nackte Kampf ums Überleben beginnt.

Mehr als ein spannender Schmöker

«Now» ist nicht einfach nur ein page-turner, ein Thriller, eine Mischung aus bekannten US-amerikanischen Serien wie «Westworld», «Broken Mirror» oder «Walking Dead». Das Buch thematisiert darüber hinaus die grossen Begriffe unserer Zeit: digitale Revolution, künstliche Intelligenz, Big Data, die Macht des Algorithmus, technische Machbarkeit oder das Internet der Dinge.

Zusatzinhalt überspringen

Literaturhinweis

Stephan R. Meier: «Du bestimmst, wer überlebt», Penguin Verlag, Januar 2017.

Es zeigt, welche Risiken und Nebenwirkungen der Wechsel der menschlichen Herrschaft zur – vom Menschen geschaffenen – technischen Herrschaft mit sich bringen könnte. Die Angst, dass uns statt eines digitalen Paradieses die digitale Hölle erwartet, ist nicht ganz unbegründet.

Eine Welt frei von menschlichen Eigenschaften

Der Autor hat über viele Jahre intensiv recherchiert und legt seinem sehr schematischem Plot eine ausgewiesene Kennerschaft zugrunde. Auch die ethische Dimension schwingt mit: Nach dem Motto «Das Gegenteil von gut ist gut gemeint» konzipiert Meier eine Welt, die scheinbar frei ist von menschlichen Eigenschaften wie Eifersucht und Neid, Bösartigkeit, Geiz oder Gier.

Dass die positiven Emotionen des Menschen wie Empathie, Liebe, Intuition oder Kreativität letztendlich wieder Hoffnung für Spark und Sunway bringen, soll an dieser Stelle zumindest nicht verschwiegen werden.

Die besprochenen Bücher

Amy Gentry: «Good as Gone», Bertelsmann Verlag, 2017 (Hörbuch mit Anna und Nellie Thalbach, Der Hörverlag).
Wilkie Collins: «Die Frau in Weiss», Fischer Verlag, 2009.

Benjamin Black: «Die Blonde mit den schwarzen Augen», Kiepenheuer & Witsch, 2015.

Fred Vargas, «Fliehe weit und schnell», Aufbau Verlag, 2005.

Petra Ivanov: «Erster Funke», Unionsverlag, 2017.

Viktor Schobinger: «De tood isch gschnäler als der Ääschme», Schobinger-Verlaag, 2017.

Friedrich Dürrenmatt: «Die Kriminalromane», Diogenes-Verlag, 2011.

Friedrich Glauser: «Wachtmeister Studer. Die fünf Romane in einem Buch», Hofenberg-Verlag, 2016.

Denis Johnson: «Die lachenden Ungeheuer», Rowohlt Verlag, 2017.

Jerome Charyn: «Winterwarnung», Diaphanes Verlag, 2017.

Graeme Macrae Burnet «Sein blutiges Projekt», Europa Verlag

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, BuchZeichen, 9.04.2017, 14:06 Uhr

Sendung zu diesem Artikel