Literatur-Nobelpreisträgerin Doris Lessing ist gestorben

Die britische Literatur-Nobelpreisträgerin Doris Lessing ist im Alter von 94 Jahren verstorben. Der Durchbruch gelang ihr 1962 mit «Das goldene Notizbuch», eines der wichtigsten feministischen Werke. Lessing verfasste mehr als 50 Bücher – von Essays bis zu Science Fiction.

Eine alte Frau sitzt auf einem Sofa und hält den Kopf mit der Hand gestützt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Doris Lessing in ihrem Haus im Norden Londons 2006. Keystone

«Oh Christ!» war Doris Lessings erste Reaktion auf die Nobelpreis-Vergabe. Dies war 2007. Eben kam sie vom Einkauf zurück, als ein Kamerateam die Autorin vor ihrem Haus mit der Nachricht konfrontierte. «Ich habe in Europa alle Preise gewonnen – jeden verdammten Preis», sagte sie. Nun, mit dem Nobelpreis, sei es eben wie ein «Royal Flash», ein Sechser im Lotto.

Den Durchbruch hatte die britische Autorin allerdings schon viel früher: 1962 erschien mit «Das goldene Notizbuch» eines der wichtigsten feministischen Werke. Zeitlebens verfasste Lessing mehr als 50 Bücher – von Essays bis zu Science-Fiction.

Nobelpreis für sozialkritischen Blick

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Nobelpreis für Literatur geht an Doris Lessing

2:09 min, aus Tagesschau vom 11.10.2007

Jahrelang war Lessing für den Literatur-Nobelpreis im Gespräch. Mit 88 Jahren konnte sie den Preis dann in Empfang nehmen. Die Schwedische Akademie würdigte die Autorin für ihren weiblichen und sozialkritischen Blick auf das 20. Jahrhundert.

In der Begründung hiess es, Lessing sei eine «Epikerin weiblicher Erfahrung, die sich mit Skepsis, Leidenschaft und visionärer Kraft eine zersplitterte Zivilisation zur Prüfung vorgenommen hat». Lessing beschrieb in über 50 Jahren das koloniale Afrika ebenso wie soziale und mentale Krisen oder auch eine atomare Katastrophe.

Vom Kindermädchen zur Journalistin

Doris Lessing wurde am 22. Oktober 1919 als Doris May Taylor von englischen Eltern im damaligen Kermanschah in Persien (dem heutigen Baktharan im Iran) geboren. 1925 übersiedelte die Familie in das damalige Südrhodesien, das heutige Simbabwe.

Nach Kloster- und Mädchenschule brach die 14-Jährige ihre Schullaufbahn ab und arbeitete als Kindermädchen, Telefonistin, Büroangestellte, Stenografin und Journalistin.

Nach zwei Ehen zog sie alleine mit ihrem Sohn Peter nach London. Hier etablierte sie sich bald als Schriftstellerin und engagierte sich politisch: bei den Kommunisten, gegen Atomwaffen, gegen das Apartheid-Regime in Südafrika. In «Rückkehr nach Afrika» (1992) beschrieb sie ihren ersten Besuch im Land ihrer Jugend, den sie nach jahrelangem Einreiseverbot 1982 unternehmen durfte.

Nun ist Doris Lessing im Alter von 94 Jahren in London verstorben.