Grimms – 5 Dinge, die wir Kindern heute nicht mehr erzählen

In Märchen siegt meist das Gute. Eltern lesen sie gerne als Gutenachtgeschichten vor. Früher hingegen waren Märchen düster, unheimlich. Bei mancher Horror-Szene könnte gewiss kein Kind einschlafen.

Zeichnung von Rotkäppchen beim Blumenpflücken. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Rotkäppchen ganz unschuldig im Wald: Besonders makabere Szenen der Grimm-Märchen erzählen wir uns heute nicht mehr. Gisela Werner (Grimms Märchen, Loewes Verlag Ferdinand Carl, Stuttgart 1959)

    • Schneewittchen steht vor dem Haus, eine Frau steht vor ihr und hält einen Korb in der Hand. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Schneewittchen: ursprünglich musste ihre Leber und Lunge hergeben. Wikimedia

      Schneewittchen

      Unser Bild von Schneewittchen ist heute geprägt von der Disney-Verfilmung: einer beschönigten Variante des Märchens. Ursprünglich verlangte die Königin nicht nach Schneewittchens Herz, sondern nach Leber und Lunge. Als der Jäger als Beweis für Schneewittchens Tod die Innereien eines Ebers zurückbrachte, verspeiste die Königin diese. Hinzu kommt, dass Schneewittchen nicht durch den Kuss eines Prinzen zum Leben erweckt wurde, sondern dadurch, dass ihr das vergiftete Apfelstück aus dem Mund fiel. Das, weil das Pferd des Prinzen stark wackelte – was dieser mit einer leblosen Prinzessin zu tun gedachte, bleibt wohl für immer ein Geheimnis. Zu guter Letzt: Die böse Königin musste an Schneewittchens Hochzeit in glühenden Stahlschuhen tanzen, bis zu ihrem Tod.

    • Dornröschen steht neben einer alten Dame mit Spinne. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Dornröschen – in der ursprünglichen Version hier schon Mutter – entdeckt das Turmzimmer. Wikimedia/Alexander Zick

      Dornröschen

      Nicht der Prinz erweckte in der ursprünglichen Version Dornröschen aus dem hundertjährigen Schlaf, sondern ihr eigenes Kind, indem dieses das verwunschene Stück Flachs aus Dornröschens Fingern saugte. Denn: In der alten Fassung des Märchens wurde Dornröschen im Schlaf von ihrem eigenen Vater vergewaltigt, worauf sie – ebenfalls noch schlafend – zwei Kinder zur Welt brachte.

    • Ein Gesandter der Prinzen probiert den gefunden Schuh an Aschneputtel an. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Aschenputtel Was hier harmlos aussieht, war in der ursprünglichen Geschichte eine grausame Szene. Wikimedia/Alexander Zick

      Aschenputtel

      Viele Kinder kennen auch hier vor allem die Disney-Version, in der alles magisch, schön und beinahe kitschig ist. Die Fassung der Gebrüder Grimm ist davon weit entfernt. Als der Prinz mit dem gläsernen Schuh zu Aschenputtels Haus kam, schnitt die böse Stiefmutter Aschenputtels Stiefschwestern die Zehen und Fersen ab, damit diese in den Schuh passten. Aufmerksame Tauben wiesen den Prinzen auf den Betrug hin, indem sie den Stiefschwestern die Augen auspickten.

    • Rottkäppchen liegt neben dem Wolf, verkleidet als Grossmutter, im Bett. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Rotkäppchen kostet vom Fleisch der Grossmutter, bevor sie nackt zum Wolf ins Bett steigen soll. Wikimedia/Gustave Doré

      Rotkäppchen

      Der Jäger taucht auf, schlitzt den Wolf auf und befreit sowohl Grossmutter als auch Rotkäppchen aus dessen Bauch. So endet das Märchen in heutigen Erzählungen. In ursprünglichen Fassungen ist das Ende düsterer: Da liess der verkleidete Wolf das Rotkäppchen vom Blut und Fleisch der getöteten Grossmutter kosten, bevor er es aufforderte, nackt zu ihm ins Bett zu steigen – wo Rotkäppchen dann letzten Endes ebenfalls von ihm gefressen wurde.

    • Ein Männlein mit einer Flöte steht vor den Toren einer Stadt. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Der Rattenfänger: früher schickte er die Kinder ins Verderben, heute rettet er sie. Wikimedia/Augustin von Moersperg

      Der Rattenfänger von Hameln

      Die Geschichte des Rattenfängers endet heute zumeist damit, dass er die entführten Kinder aus einer Höhle befreit und zurück ins Dorf lässt. In älteren Fassungen gab es keine Höhle. Die Erzählung endete damit, dass der Rattenfänger die Kinder mit seinem Flötenspiel in denselben Fluss führte, in welchen er bereits die Ratten geführt hatte – und alle Kinder ertrinken.

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