Packende Hintergründe zum neuen «Maus»-Comic

Mit «Maus» gelang Art Spiegelman ein Welterfolg. Die Auschwitz-Geschichte in Comicform war für ihn Durchbruch und Verhängnis zugleich­ – sie liess ihn nicht mehr los. Nun doppelt der Autor nach: In «MetaMaus» erzählt er die Entstehungsgeschichte des berühmten Comics – persönlich und sehr berührend.

Der Zeichner und Comic-Autor Art Spiegelman im Portrait Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Art Spiegelmann an der Alternative Press Expo, 2007. Chris Anthony Diaz/wikipedia

Art Spiegelman wusste natürlich immer um die dunkle Vergangenheit seiner Eltern. Wirklich Genaueres aber erfuhr er erst in den 1980er-Jahren. Damals sass er stundenlang mit seinem Vater Vladek in dessen Haus und lauschte seinen Erzählungen.

Das Ehepaar Spiegelman hatte Auschwitz überlebt. Was der Sohn zu hören bekam, war unfassbar: Harte Arbeit, gnadenlose Schläge, ständiger Hunger. Manchmal fragte er nach, wollte mehr Details. Aus der Fülle dieses Materials schöpfte Art Spiegelman die vielen kleinen Bilder für seinen Comic «Maus».

Ein Bestseller wird zur Bürde

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Buchhinweis

Art Spiegelman: MetaMaus. Aus dem Amerikanischen von Andreas Heckmann.
S. Fischer, 2012.

Die Suche nach einem Verlag gestaltete sich äusserst schwierig. Art Spiegelman erhielt Dutzende von Absagebriefen. Eine Auschwitz-Geschichte in Comicform? Unmöglich zu verkaufen, waren die Verlagshäuser überzeugt. Bis auf eines. Und siehe da, der «Maus»-Comic wurde ein Bestseller. 1992 erhielt Spiegelman als erster Comic-Autor den Pulitzerpreis.

Doch mit der Würde kam auch die Bürde: Die traurige Geschichte seiner Eltern sollte Art Spiegelman nicht mehr loslassen. Journalisten wollten nur noch über «Maus» sprechen mit ihm. Seine ganze Arbeit wurde auf dieses Werk reduziert.

«MetaMaus» zeigt Skizzen und Entwürfe

Aber auch Art Spiegelman selber merkte, dass er noch nicht fertig war mit dem Thema. Und so entschloss er sich, einen Nachfolgeband zu machen: «MetaMaus» heisst der Titel bezeichnenderweise. Darin erzählt Spiegelman, wie er überhaupt auf die Idee kam, einen Comic über Auschwitz zu zeichnen.

In «MetaMaus» veröffentlicht Spieglman unzählige Skizzen und Entwürfe – und er zeigt viele Fotos aus dem Familienalbum der Spiegelmans. Ausserdem ist dem Buch eine DVD beigelegt. Darauf sind unter anderem die Gespräche mit seinem Vater Vladek zu hören.

Tonaufnahmen, die unter die Haut gehen

Wer sich die Zeit nimmt, dieses Audiomaterial anzuhören, macht unglaubliche Entdeckungen. Natürlich erfährt man in Vladek Spiegelmans Erzählungen viele Einzelheiten über den unmenschlichen Alltag in Auschwitz. Ganz besonders berührt aber seine Stimme.

Spiegelmans Vater erzählt ruhig, beinahe nahtlos. Seine Stimme ist tief und angenehm. Es ist ein Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Als Zuhörer wird einem bewusst, wie anders man eine Geschichte wahrnimmt, wenn man sie nicht nur liest, sondern auch hört.

Die Vergangenheit ist immer präsent

Art Spiegelman bemerkte in einem Interview, der Comic «Maus» habe ihn gemacht. Und nachher verfolgt. Die Geschichte seiner Eltern wurde zum Thema seines eigenen Lebens. Mit «MetaMaus» zeigt er aber, dass man auch mit seinen Dämonen leben kann.

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