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Rosamunde Pilcher gestorben «Die Welt ist nicht heil, aber heilbar!»

Ihre Geschichten brachten Millionen zum Schwärmen: Die weltberühmte englische Schriftstellerin Rosamunde Pilcher ist im Alter von 94 Jahren gestorben.

Legende: Audio «Ihr Werk wird uns noch eine Weile erhalten bleiben»: Felix Münger über Rosamunde Pilcher abspielen. Laufzeit 05:01 Minuten.
05:01 min, aus Kultur-Aktualität vom 07.02.2019.

Die britische Erfolgsautorin Rosamunde Pilcher ist 94-jährig gestorben. Mit 60 Millionen verkauften Büchern prägte sie die Gattung des romantischen Liebesromans der vergangenen Jahrzehnte.

Liebe und Leid in malerischer Landschaft

Rosamunde Pilcher wurde auch als «Meisterin der Liebesschnulze» bezeichnet. Ihre Romane und Erzählungen spielen in Schlössern, in Spukhäusern oder in verträumten Cottages, vor dem Hintergrund dramatisch-schöner Landschaften, zwischen schroffen Klippen und lieblichen Gärten.

Diese Landschaften spiegeln die Seelen, drehen sich die Geschichten doch um grosse Themen wie Schuld und Sühne, Stolz und Vorurteile und vor allem um Liebe und Hass.

Kuschelromantik statt Sex

Die Figuren gehören der gehobenen Landbevölkerung Südenglands an, aus der Rosamunde Pilcher selber stammte. Ein Leben lang schrieb sie Liebesgeschichten, die ohne exzessive Gewalt, ohne Sexszenen und ohne sozialkritischen Hintergrund auskommen.

Über die Bedeutung der Liebe sagte sie einmal: «Mir geht es um das Leben und die Beziehungen zwischen den Menschen. Wirkliche Liebe kann nur in einer Beziehung bestehen.» Es gehörte deshalb zu ihrem literarischen Programm, dass Intrigen und Lügenverstrickungen in ein Happyend münden.

Im deutschen Sprachraum ein Superstar

Mit Schreiben begann Rosamunde Pilcher schon als Kind. In den 1940er-Jahren veröffentlichte sie romantische Literatur unter dem Pseudonym Jane Fraser. Erst 1955 kam ihr erster Roman als Rosamunde Pilcher heraus. Ihr Lebenswerk umfasst 15 Romane und zahlreiche Erzählungen.

Der Durchbruch gelang ihr mit «Die Muschelsammler» («The Shell Seekers») aus dem Jahr 1987, das sich mehr als zehn Millionen Mal verkaufte. Dank zahlreichen deutschen Verfilmungen ihrer Bücher wurde Rosamunde Pilcher besonders im deutschen Sprachraum zum Superstar.

Ein deutscher Kultusminister befand einmal, sie habe mehr als alle anderen getan, um die Beziehung zwischen den Deutschen und den Briten nach dem Zweiten Weltkrieg wieder zu verbessern. In England erhielt sie 2002 den Ritterschlag durch die Verleihung des «Order Of The British Empire».

Trotz Erfolg nicht abgehoben

Auch wenn ihre Romane in luxuriösen Anwesen in Cornwall spielen, lebte sie in einem eher bescheidenen Bungalow in der Nähe von Edinburgh in Schottland. So wurde sie ihrer eigenen Maxime gerecht, dass Sehnsucht und Wehmut ein utopisch besetztes Fernziel brauchen, dem literarische Fiktionen eher gerecht werden als konkrete Anschauung.

Der ungewöhnliche Erfolg ihrer Romane über das beschauliche Leben der britischen Mittelklasse ohne «Sex and Crime» und ohne Sozialkritik gab der Literaturkritik manche Rätsel auf. «Das Urvertrauen wird immer wieder bestätigt. Die Welt ist nicht heil, aber heilbar», sagte die deutsche Literaturkritikerin Elisabeth Endres über Pilchers Romane.

Programmhinweis

In Erinnerung an Rosamunde Pilcher zeigt SRF 1 am 8. Februar 2019 «Wintersonne, Teil 1» um 13.05 Uhr und «Wintersonne, Teil 2» um 14.25 Uhr.

Sie selber behauptete nie, hohe Literatur zu produzieren. Sie mache einfach das, was sie könne. Und das seien moderne Märchen, mit denen sie ihre Leserinnen in eine romantische Welt verführe. Daran sei nichts falsch.

Auf eine Cocktailparty im Himmel

Über den Tod liess sie einst in einem Interview mit der «Welt» verlauten: «Falls es einen Himmel gibt, stelle ich ihn mir vor wie auf einer Cocktailparty: Man trifft wahrscheinlich auf Menschen, die man lieber nie wieder sehen möchte.»

Sendung: SRF 4 News, Nachrichten, 07.02.2018, 16.00 Uhr.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Dorothee Meili (DoX.98)
    Guten Tag, Rolf Bolliger, danke dem (auch) Pilcher-Fan für den Hinweis und alles Gute beim Film-Schauen. Selber auch Rentnerin und heute früh gerade noch nicht gefordert, habe ich mir erlaubt, gestern abend die zwei Bücher wieder hervorzuholen, mit denen ich RP entdeckt habe: Muschelsucher, v.a. September: das sind sehr gut gemachte Geschichten, nicht: "nur" Herz, Schmerz, Honig-happy end, sondern echt wirklich! Einige Nachrufende haben leider nur flüchtig die ZDF-Reihen im Kopf! Alles Gute!
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (jolanda)
    Als Rentner habe ich Gelegenheit die um 16:00 Uhr im SRF 1 gesendete Rosamunde Pilcher-Filme zu geniessen. Ihre romantischen Liebesfilme auf alten Schlösser und in der wild-romantischen südenglischen Gegend, haben mir schon oft Tränen und anschliessend Papiernastücher gekostet! Sie hatte Recht mit ihrem Erfolgsrezept: "Die Welt ist nicht heil, aber heilbar!" Nicht nur in ihren Romanen kam sie ohne sozialkritische Seitenhiebe aus, auch in den Filmen! Etwas, das nicht viele Filmemacher können!
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