Wirb oder stirb – Verlagsmarketing mit Social Media

Wer etwas verkaufen will, muss dafür werben. Das Produkt Buch bildet da keine Ausnahme. Doch was früher Zeitungsinserate waren, sind heute Social Media: Buchmarketing funktioniert nicht mehr ohne Internet. Ein grosser und ein kleiner Verlag operieren unterschiedlich damit.

Zwei Computerbildschirme, dazwischen den Kopf eines Mannes. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Werbung auf Social Media Kanälen ist für viele Buchverlage alltäglich geworden – der Nutzen aber ist umstritten. Keystone

Der Verlagsauftritt im Netz ist inzwischen Standard. Auf der Homepage ist das Verlagsprogramm einsehbar, man kann Geschichten über Stoffe, Bücher und Autorinnen lesen. Es gibt Veranstaltungshinweise und manches mehr. Die Homepage ist einer Pinwand vergleichbar, also monologisch. Social Media hingegen sind dialogisch. Da kann eine Userin auf Facebook, Twitter, Google Plus oder lovelybooks in Dialog treten mit Autoren, Verlegern, mit anderen Leserinnen und Lesern. Man kann kritisieren, loben und nachfragen.

Hanser ist eine der ersten Adressen für gehobene Belletristik. Man befürchtete in diesem Verlag in punkto Social Media etwas zu verpassen. Deshalb sprang man früh auf den Zug der Internet-Netzwerke auf und richtete auf der Homepage einen «Social Media Room» ein: eine Linksammlung zu den verschiedenen Sozialen Medien von Hanser wie Twitter, Facebook oder Youtube. Zwei Personen kümmern sich bei Hanser ausschliesslich darum.

Belletristik ist die Knacknuss

Sabine Lohmüller, Marketingverantwortliche von Hanser, hat mit den mit den neuen Medien eine interessante Erfahrung gemacht: «Es ist viel einfacher, wenn man versucht, die Leute über Social Media mit Unterhaltungsliteratur und mit Krimis zu erreichen. Da ist eine grosse Community. Bei literarischen Büchern ist es ungleich schwieriger. Die Leute sind noch nicht da, vielleicht kommen sie auch nie.»

Man stochert bei Hanser also, was die Zielpublika betrifft, noch etwas im Nebel herum. Einstweilen findet man auf Youtube Statements von Verleger Michael Krüger zum Literaturbetrieb, oder ein Video mit dem Schweizer Autoren Alex Capus, der Auskunft über seine Bücher gibt. Auf Twitter werden Fotos, Leseempfehlungen und Neuigkeiten veröffentlicht.

Den Kleinen fehlt das Geld

Der kleine Unionsverlag in Zürich muss kleinere Brötchen backen. Man begnügt sich mit einem Facebook-Auftritt, alle Verlagsmitarbeiterinnen müssen mithelfen. Mit Twitter hat man bei Union experimentiert und ist dann wieder davon abgekommen, weil es zu aufwendig sei.

Unionsverlagsleiter Lucien Leitess lässt eine gewisse Skepsis aufscheinen. Er meint, dass Aufwand und Ertrag beim Marketing mit Social Media oft nicht übereinstimmten: «Es gibt Verlage, die sehr viel Geld ausgeben für ganz grosse Social-Media-Kampagnen. Wenn man aber den Erfolg hart misst, dann ist da oft das grosse Erstaunen darüber, dass grosse Werbebudgets einfach ins All entschwinden.»

Gespräch muss möglich sein

Matthias Voigt, Geschäftsführer der Agentur Literaturtest, verkauft Knowhow in Sachen Social Media an Buchverlage. Wozu würde er dem Unionsverlag raten? «Diese neuen Medien müssen zu einem Gespräch zwischen Autoren, Verlegern und der Leserschaft führen, durch Grussworte der Autoren oder Leserunden. Das lebt von den Persönlichkeiten, die diese Socia-Media-Aktivitäten machen. Ich würde empfehlen, den Nutzern das direkte Gespräch mit den Autoren von Union zu ermöglichen.»