Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Das flache Land und die steile Karierre abspielen. Laufzeit 01:00:12 Minuten.
01:00:12 min, aus Jazz Collection vom 08.04.2019.
Inhalt

90 Jahre Jacques Brel Wie ein Belgier ohne Sexappeal Frankreich verzauberte

Das Gebiss: zu gross. Der Schnauz: störend. Der Gesang: mit Akzent. Jacques Brel wurde trotzdem einer der erfolgreichsten Chansonniers Frankreichs.

Mit 24 wanderte der junge Belgier Jacques Brel nach Paris aus, um sich mit seinen Chansons einen Namen zu machen. Die Chancen standen schlecht: Er sang zwar französisch – aber mit Akzent.

Mit seinem riesigen Gebiss und dem piefigen Schnäutzchen war er bei bestem Willen nicht als Sexsymbol zu verkaufen. Bei Auftritten wirkte er unbeholfen.

Doch Brel war ein harter Arbeiter. Er rasierte seinen Schnauzbart ab und perfektionierte seine Lieder. Beinahe pausenlos trat er auf, bespielte unzählige Cabarets und Clubs von Vesoul bis Brest, von Le Havre bis Toulon. In vielen Kleinstädten in der Provinz schuf er sich ein Publikum.

Der Ritterschlag

Dieses war hingerissen vom jungen Mann, der auf die Bühne ging wie in einen Kampf. Er eroberte sein Publikum mit vollem körperlichem und stimmlichen Einsatz wie ein Schauspieler, der sich mit grossen Gesten an die hinterste Reihe im Theater wendet.

Dieser Kampf zahlte sich aus. Auch in Paris.

Zuerst nahm die grosse Juliette Gréco eines seiner Lieder auf – ein Ritterschlag in musikalischen Kreisen – danach folgten andere.

1956 kam «Quand on n’a que l’amour» sein erster grosser Erfolg. Jacques Brel war angekommen, mit all seinen Themen.

Vom Leben und der Liebe und dem Tod

Brel besang, fast natürlich für einen Chansonnier, die Liebe und das Leben. Für ihn gehörte aber mehr dazu als nur Glücksgefühle.

Seine Lieder handelten häufig von der gesamten Lebensstrecke, vom Altern und auch vom Tod, der dazugehört – und manchmal von beidem gleichzeitig.

Ein Portrait von Brel
Legende: Der Chansonnier: Brels Lieder handelten vom Leben und vom Tod. imago/ZUMA Press

Einer seiner grössten Trümpfe war aber plötzlich das, was ihm anfangs im Weg stand: seine Herkunft aus der Provinz. Immer wieder thematisierte er Flandern, die nordeuropäische Tiefebene, wo die «Kirche und die Maibäume die höchsten Berge sind», wo der Wind in den Dächern singt, wo «der Himmel so tief hängt, dass sich ein Kanal daran aufgehängt hat».

Die war sein Land: das flache Land, «Le plat pays», Link öffnet in einem neuen Fenster.

Der Geschichtenerzähler

Dieses Land und seine Einwohner beschrieb er immer wieder. In poetischen Bildern, in einer packenden, direkten Sprache.

Er mokierte sich über die kleinbürgerliche Gesellschaft, über die Bourgeois, die «so doof sind wie Schweine» (ohne sich selbst dabei auszulassen), schrieb über Ströme von Bier und über unerreichbare Frauen wie Marieke, mit denen man Brügge oder Gent besucht.

Brel schlüpfte mit einer überwältigenden Intensität in diese Chansons. Das blieb auch Paris nicht verborgen und so zeigte Brel der Société, wie das Leben in der Provinz wirklich aussah.

Das Ende

1967 trat dieses Bühnentier von Live-Auftritten zurück. Dem Perfektionisten war aufgefallen, dass er aus Versehen eine Strophe zweimal gesungen hatte.

Brel bei den Dreharbeiten zu «Le Far West».
Legende: Als Schauspieler gelang der Durchbruch nicht wie gewünscht: Brel bei den Dreharbeiten zu «Le Far West». imago/Belga

In den 70er-Jahren wurde der Film zu seinem Ausdrucksmittel. Als dieser Spartenwechsel nicht nach Wunsch gelang, zog er sich zurück und ging mit einem Segelschiff auf Weltreise.

Diese endete auf einer Insel im pazifischen Ozean wo auch Paul Gauguin gelebt hatte. Brel starb 1978 an Lungenkrebs.

1 Kommentar

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.