Bettruhe statt CD-Release für Jazzerin Diana Krall

Zum 50. Geburtstag gibt es für die Jazzerin Diana Krall nicht nur Glück: Die Taufe ihrer neuen CD musste verschoben werden. Erwartet wird ein Album zwischen Jazz und Pop – Kralls Spezialität. Das hat sie in Zusammenarbeit mit Paul McCartney bewiesen, aber auch mit ihrem Ehemann Elvis Costello.

Diana Krall am Klavier. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Just zum 50. zwingt eine verschleppte Lungenentzündung Diana Krall zur Pause. Keystone

Eine verschleppte Lungenentzündung hat ihr einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Eigentlich sollte das neue Album «Wallflower» schon diesen Herbst erscheinen. Inklusive Release-Tour. Aber der Arzt habe ihr strikte Ruhe und Erholung verordnet, schreibt Diana Krall auf ihrer Homepage.

Ein Preview-Track von «Wallflower» verrät: es geht um Popsongs. Krall covert «California Dreaming» von The Mamas and The Papas. Der Song stürmte 1965 die Hitparade und wurde zum Teil des Soundtracks von Diana Kralls ersten Lebensjahren. Dass sie eine der erfolgreichsten Grenzgängerinnen zwischen Jazz und Pop werden könnte, ahnte damals noch niemand.

Jazz-Giganten versuchten ihre Eltern zu überzeugen

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Bildlegende: Diana Krall, 1997. Keystone

Diana Krall war Primarlehrerin, ihr Vater war Stride-Pianist mit einer umfassenden Plattensammlung von Fats Waller. Die lernte die junge Diana nachzuspielen. Mit den bekannten Folgen.

Auf ihrem Weg fand sie allerdings auch immer wieder hilfreiche Kollegen, die ihr Potential früh erkannten und sie bestärkten. Schlagzeuger Jeff Hamilton etwa. Bei einem Tournee-Stop in Kralls Heimat bei Vancouver schleppte er den Kollegen Ray Brown in die Bar, in der das Jungtalent auftrat. Nach dem Gig lud die junge Diana die beiden berühmten Kollegen zu sich nach Hause ein. Dort kam es zu einem Gespräch mit den Eltern Krall, in dem die beiden Jazz-Giganten dafür eintraten, dass der unglaublich begabten Tochter doch eine Karriere als Musikerin erlaubt werden solle.

In L.A. gewann sie Selbstvertrauen

Krall zog nach Los Angeles. Ein Umzug, der bald Früchte trug. Besonders was die vokalen Qualitäten von Diana Krall angeht. Dass sie sich beim Pianisten Jimmy Rowles Rat holte, war vermutlich die klügste Entscheidung ihrer Karriere. Rowles war bereits der begnadete Begleiter von Sängerinnen wie Billie Holiday. Und für Krall ein einfühlsamer Coach, der ihr stimmliches Selbstvertrauen gab. Rowles sparsame Art, den Jazzgesang zu begleiten, ist seither auch eine der Stärken in Diana Kralls Spiel.

Auftritte in Schweizer Bars

Auch in der Schweiz fand Diana Krall in ihren Anfängen begeisterte Unterstützung. Der amerikanische Keyboarder und Komponist Vince Benedetti jobbte in Zürich als Taxifahrer. Eines Abends, 1987, chauffierte er eine junge Blondine zum Hallenstadion, die dort eine Oper anhören wollte. Man kam ins Gespräch, und sie erzählte ihm, dass sie zurzeit als Pianistin in der Bar des Hotels Central engagiert sei.

Vince Benedetti suchte gerade eine Sängerin für seine Kompositionen und überzeugte sich bei einem Besuch im Central von Diana Kralls Qualitäten. Aus dem Treffen wurde eine Tournee in der Schweiz mit anschliessenden Studio-Aufnahmen. Allerdings fand sich kein Label für die CD. Erst als Diana Krall bereits bekannt war, interessierte sich TCB für das Material und veröffentlichte 2002 das Album «Heartdrops».

Sie bleibt unverkennbar «La Krall»

Vergleicht man frühe Aufnahmen mit Diana Kralls Live-Auttritt im Pariser «Olympia» wird schnell klar, wie sehr sie noch daran gearbeitet hat, ihre Stimme zu finden. Die Jahre in den Bars und die vielen Konzerte haben aus Diana Krall eine swingende Vokalistin mit vielen Facetten geformt. Auch wenn sie sich immer noch «gern hinter dem Klavier versteckt», wie sie zugibt.

Elvis Costello und Diana Krall posieren. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Diana Krall mit Ehemann Elvis Costello an der jährlichen Benefiz-Veranstaltung von Elton Johns Aids-Stiftung (2006). Keystone

Die Zusammenarbeit mit ihrem Ehemann Elvis Costello – besonders für das Album «The Girl in the other Room» – bringt 2004 einen neuen, eigenen Ton in ihr Schaffen. Es sei «das Persönlichste, das sie je gemacht habe», sagt Diana Krall über ihre selbst verfassten Songs.

Die Grenzüberschreitungen zu Rock und Pop bleiben fortan ihr Markenzeichen. Ob sie Paul McCartney begleitet oder die alten Tin-Pan-Alley-Songs aus der Plattensammlung ihres Vaters ausgräbt und mit dem Gitarristen Marc Ribot in kunstvoll verstaubter Neufassung aufnimmt. Oder sich einen Hit der Mamas and the Papas anverwandelt: Sie bleibt unverkennbar «La Krall». Gute Besserung!

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