Der, der mit dem Schlagzeug redet

1968 spielt Billy Cobham hinter einem kleinen Schlagzeug Jazz mit Horace Silver. Fünf Jahre später thront er als Jazz-Rock-Gigant hinter einer Burg aus Trommeln und rockt mit der Wucht eines Dampfhammers. Was ist passiert?

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«Das Schlagzeug ist mein Schutzschild.»

3:01 min, vom 2.12.2013

Billy Cobham zeigt auf die gut 20 Trommeln, hinter denen er sitzt. «Das geschah nicht über Nacht. Da bin ich hineingewachsen. Bei Horace Silver waren die Anforderungen an den Schlagzeuger anders als später beim Mahavishnu Orchestra.» So einfach ist das. «John McLaughlin hatte ganz konkrete Vorstellungen von der Rolle des Schlagzeugs in seiner Musik. So experimentierte ich herum, bis ich eines Tages eine ganze Batterie von Trommeln auf der Bühne stehen hatte. Die Musik verlangte es.»

Es braucht Kontrolle, nicht Kraft

«Nicht wie viele Trommeln du hast, sondern was du mit ihnen anstellst, ist entscheidend», meint Cobham. Wir möchten ihm glauben, haben aber gewisse Zweifel. Cobham ist ein Meister der visuellen und akustischen Selbstinszenierung und wäre kaum zu seinen Ikonen-Status gekommen, wenn er seine Trommel-Salven auf einem bescheidenen Jazz-Schlagzeug abgefeuert hätte.

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Billy Cobham exklusiv

SRF Kultur präsentiert eine Gesprächsreihe mit Schlagzeuger-Legende Billy Cobham.

In Teil 1 erzählt Cobham von den Aufnahmen für das Album «Spectrum».

In Teil 2 spricht er über sein Instrument.

In Teil 3 über sein Leben, seine Karriere und die Schweiz.

Cobham bei der Arbeit zuzusehen ist ein Erlebnis – und es klingt wie ein wahrer Kraftakt. Kraftakt? Cobham setzt sich ans Schlagzeug und spielt leise, sehr leise: «Kontrolle schlägt lautes Spielen um Meilen!», meint er. «Was laut klingt, ist nicht unbedingt mit Kraft gespielt.» Interessant, dies ausgerechnet vom Drummer zu hören, der mit dem Mahavishnu Orchestra einen General-Angriff auf die Trommelfelle dieser Welt geführt hat.

Vorbild Muhammad Ali

Eine Inspiration für Cobham war das geflügelte Wort einer Heldengestalt des schwarzen Amerika: «Tanz wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene! Nach diesem Motto boxt Muhammad Ali. Er schlägt nur dann richtig zu, wenn es darauf ankommt. Die restliche Zeit lässt er die Hände hin und zurück federn. Dasselbe versuche ich beim Schlagzeugspielen. Ich haue die Stöcke nicht in die Becken rein, das klingt schrecklich. Ich versuche vielmehr jeder Trommel ihren Klang und Charakter zu entlocken. Beim Spielen bin ich im ständigen Gespräch mit meinen Trommeln.»

Legende ohne Einbildung

Billy Cobham ist ein Idol für Generationen von Schlagzeugern, aber nicht nur als Virtuose. Seine Persönlichkeit ist bis in die Details seiner Musik zu spüren. Er ist humorvoll, radikal. Er geht Wagnisse ein, ist komplex und einfach zugleich.

Prince-Drummer John Blackwell nennt Cobham einen seiner grössten Einflüsse, Zappa-Drummer Terry Bozzio, Dennis Chambers – undenkbar ohne Cobham. Und Who-Drummer und Keith Moon-Nachfolger Simon Phillips hat nicht nur Cobhams ikonisches Schlagzeug-Setup übernommen, sondern auch gleich seine unkonventionelle Spieltechnik.

Der Meister selbst nimmt seinen Legenden-Status locker. «Sobald ich etwas gespielt habe, gehört es nicht mehr mir. Wenn jemand etwas nachspielen will – ist mir eine Ehre. Da habe ich gar kein Problem damit. Ich klaue ja weiss Gott selber genug zusammen!» Sagt’s und lacht. Es klingt ansteckend.

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