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Politische Songs Die gesellschaftspolitische Power der afroamerikanischen Musik

Die Unterdrückung der afroamerikanischen Bevölkerung hat sich wahrscheinlich nirgendwo so stark gespiegelt wie in der Musik. Ob in Gospelstücken, die vor mehr hundert Jahren geschrieben wurden, oder in den Rap-Songs der Gegenwart.

  • 1. We shall overcome

    Dieses Gospelstück ist ein Schlüssellied für die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung in den 60ern und handelt davon, dass Missstände überwunden werden.

    Komponiert wird es 1901 vom Pfarrer Charles Albert Tindley. Legendär ist die Aufnahme der afroamerikanischen Gospelsängerin Mahalia Jackson. Doch das Stück wird auch oft von Weissen gesungen, wie beispielsweise von der Sängerin Joan Baez.

  • 2. Strange Fruit

    Das Stück Strange Fruit gilt als eines der ersten Anti-Rassismus Lieder. Geschrieben wird es 1937 vom jüdischen Lehrer Abel Meeropol und es beschreibt, wie erhängte, schwarze Menschen von den Bäumen hängen – metaphorisch als «Früchte» beschrieben.

    Weltberühmt wird das Stück durch die Jazzsängerin Billie Holiday, die es selber viel mit Rassismus konfrontiert war.

  • 3. Sam Cooke - A change is gonna come

    Eine mit weichen Streichern unterlegte Friedenshymne und die afroamerikanische Antwort auf Bob Dylans Blowin' in the Wind. Das Stück steht für Hoffnung und propagiert, dass Schwarze und Weisse aufeinander zugehen sollen.

    Sam Cooke stirbt kurz bevor das Stück 1964 veröffentlicht wird. Kommerziell ist es nicht sein grösster Hit. Aber es steht wie kein Zweites für die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung.

  • 4. Nina Simone - Mississippi Goddamn

    Das Stück ist eine Reaktion auf den Mord am Bürgerrechtsaktivisten Medgar Evers in Mississippi und auf den Bombenanschlag auf eine Kirche in Alabama, bei dem vier Mädchen ums Leben kommen.

    Komponiert wurde es von der Sängerin und Pianistin Nina Simone. Im Jahr 1964 führt sie es das erste Mal öffentlich auf. Und zwar in der Carnegie Hall in New York – vor einem grösstenteils weissen Publikum. Der Zynismus von Nina Simone ist auf dieser Aufnahme unüberhörbar.

  • 5. James Brown - Say It Loud – I'm Black and I'm Proud

    Sag es laut: Ich bin schwarz und ich bin stolz. James Browns Stück von 1968 fordert die Afroamerikaner auf, sich die Gleichberechtigung zu erkämpfen, die Dinge selber in die Hand zu nehmen und sich nicht von den Weissen abhängig zu machen. Durch das Frage und Antwort Muster erinnert es ans Militär.

    Der Song kommt kurz nach der Ermordung von Martin Luther King heraus und es wird zum Soundtrack der Black Power Bewegung.

  • 6. Gil Scott-Heron - The Revolution Will Not Be Televised

    The Revolution Will Not Be Televised

    Das Stück kritisiert das Konsumverhalten der US amerikanischen Gesellschaft, insbesondere auch in Bezug aufs Fernsehen. Und es warnt die Afroamerikaner davor, dieser Lethargie zu verfallen. Rausgehen und etwas für seine Gemeinschaft tun – nur so wird es der afroamerikanischen Gesellschaft besser gehen.

    Der Dichter Gil Scott-Heron schreibt dieses Gedicht um 1970 und vertont es anschliessend. Es ist eine der ersten Formen von Rap-Musik.

  • 7. Public Enemy - Fight the Power

    Ein Stück, das die chaotischen Zustände in den Schwarzen-Vierteln der US-Grossstädte Ende der 80er Jahre spiegelt. Die aufgeladene Stimmung in den Strassen spürt man musikalisch, aber auch im Text – es kumuliert sich alles, was die afroamerikanische Bevölkerung seit Jahrzehnten bewegt.

    Die Rapper von Public Enemy haben das Stück eigens für Spike Lees Erfolgsfilm «Do the right thing» geschrieben und es spielt dort eine zentrale Rolle.

  • 8. Beyoncé - Formation

    Superstar Beyoncé führt den Song in der Halbzeitpause des Football-Superbowls 2016 auf und löst damit eine Kontroverse aus. Vor allem weil ihre Tänzerinnen Black Panther Uniformen tragen. Der Song thematisiert Polizei Brutalität gegen Afroamerikaner und die daraus entstandene «Black lives matter»-Bewegung, mit der sich Beyoncé solidarisiert.

  • 9. A Tribe called Quest - We the people....

    Das Album mit diesem Song erscheint nur drei Tage nach Donald Trumps Wahlsieg zum US-amerikanischen Präsidenten. Der Bezug zu Trumps Wahlkampf-Botschaft liegt auf der Hand: «All ihr Schwarzen, ihr müsst gehen. All ihr Mexikaner, ihr müsst gehen» heisst es darin. Es heftiger Song gegen die Intoleranz und Angstmacherei des weissen Establishments. Und der erste Protestsong der Ära Trump.

Sendung: Kontext, Radio SRF 2 Kultur, 7.12.2016, 09:02 Uhr

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