Hier spielt nicht nur die Musik: Radioheads Video ist kurzes Kino

Paul Thomas Anderson («There Will Be Blood») hat das Video zur neuen Radiohead-Single «Daydreaming» gedreht. Musiker, die sich für einen Clip einen Star-Regisseur holen: Da gibt es noch ein paar Beispiele, die sich sehen lassen können.

Ein Sänger und ein Gitarrist auf der Bühne. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Enge Bande: Dank Gitarrist Johnny Greenwood hat Radiohead einen guten Draht zu Paul Thomas Anderson. Keystone

Musikvideos von Filmregisseuren

    • Screenshot aus dem Radiohead-Musikvideo zu «Daydreaming». Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Youtube/Screentshot

      Paul Thomas Anderson: «Daydreaming» (Radiohead)

      Eben noch waren sie aus dem Internet verschwunden. Letzte Woche meldete Radiohead sich mit «Burn the Witch» zurück. Jetzt legen die Jungs um Thom Yorke mit «Daydreaming» nach und schielen Richtung grosser Leinwand: Den Videoclip zur fast sechsminütigen Pianoballade hat Paul Thomas Anderson («There Will Be Blood») gedreht – Thom Yorke hat ihn als 35mm-Kopie schon ausgewählten US-Kinos zukommen lassen. Aufschrift: «Bitte spielen!» In «Daydreaming» sieht man Yorke beim Öffnen von Türen und Durchschreiten von immer neuen Räumen. Am Ende des Clips brennt ein Feuer, der Sänger liegt im Schnee und murmelt etwas Unverständliches. Im Internet kursieren bereits erste Fanvideos, die die Szene rückwärts und in veränderter Geschwindigkeit abspielen.

      «Daydreaming» (Radiohead)

    • Screenshot aus dem Musikvodeo «Save Me» Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Youtube/Screenshot

      Paul Thomas Anderson: «Save Me» (Aimee Man)

      «Daydreaming» ist nicht Paul Thomas Andersons erster Ausflug in die Welt des Musikvideos. Der US-Amerikaner hat schon für Joanna Newsom und Fiona Apple die Filmkamera ausgepackt. Und noch vorher für Aimee Mann: Deren Song «Save Me» beschliesst den Anderson-Zweitling «Magnolia» (1999). Von Tom Cruise über Philip Seymour Hoffman bis Julianne Moore: Der Top-Cast des Films liess es sich nicht nehmen, in dem Video mitzuspielen. Oder genauer: Einfach dazusitzen, ohne mit der Wimper zu zucken. Scheinbar unberührt.

      «Save Me» (Aimee Man): Paul Thomas Anderson

    • Screenshot aus dem «Killers»-Video «Bones». Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Youtube/Screenshot

      Tim Burton: «Bones» (The Killers)

      Tim Burton hatte bereits sieben Spielfilme abgedreht, als er sich 2006 mit den «Killers» einliess. Der Burton-Ton: Tanzende Skelette und Referenzen an Kinoklassiker wie «Lolita» oder «Verdammt in alle Ewigkeit».

      «Bones» (The Killers)

    • Screenshot aus dem Public Enemy-Video «Fight the Power» Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Youtube/Screenshot

      Spike Lee: «Fight the Power» (Public Enemy)

      «Wir brauchten eine Hymne», sagte Spike Lee. Und er bekam sie von Public Enemy: «Fight the Power» tönt aus dem Ghettoblaster in «Do the Right Thing» (1989). Es ist jener entscheidende Augenblick, in dem sich am Ende eines heissen Sommertages die angestauten Aggressionen in einem Gewaltausbruch entladen. «Do the Right Thing», so befand einst der grosse Filmkritiker Roger Ebert, ermögliche es wie kaum ein anderer Film, sich ein Bild vom zeitgenössischen Rassismus in den USA zu machen. Spike Lees Musikvideo kombiniert einen Live-Auftritt von Public Enemy mit einer Schwarzen-Demo in Brooklyn, wo zuvor auch der Film gedreht wurde.

      «Fight the Power» (Public Enemy)

    • Screenshot aus dem Michael Jackso-Video «Thriller». Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Youtube/Screenshot

      John Landis: «Thriller» (Michael Jackson)

      Das wohl erste Musikvideo, das den Namen Kurzfilm verdient. John Landis, gestandener Regisseur von Filmen wie «Blues Brothers» macht aus der siebten und letzten Singleauskoppelung aus dem Jackson-Album «Thriller» einen 14-minütigen Horrortrip, der mittlerweile über 150 Millionen Mal auf Youtube angeklickt wurde. Das teuerste Musivideo seiner Zeit kostete eine halbe Million US-Dollar, und fast ebenso viele Legenden umranken seine Entstehung. Zum Beispiel diese: Selbst Steptanz-Legende Fred Astaire, ein glühender Jackson-Fan, habe sich bei den Tanzproben blicken lassen.

      «Thriller» (Michael Jackson)

    • Screenshot aus dem Michael Jackson-Video «Bad» Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Youtube/Screenshot

      Martin Scorsese: «Bad» (Michael Jackson)

      Zehn Jahre her seit den Oscarnominationen für «Taxi Driver», sein nächster Film wird «The Last Temptation of Christ» sein: 1987 dreht Martin Scorsese das Video für den Jackson-Hit «Bad» – 16 Minuten lang wird die Originalversion. Ein bisschen zitiert Scorsese sich selbst, ein wenig bedient er sich bei der «West Side Story». Da war Michael Jackson in seiner gelackten Lederjacke, ganz genau: Aber wer hat noch gewusst, dass Martin Scorsese dem damals noch kaum bekannten Wesley Snipes eine Hauptrolle zuhielt?

      «Bad» (Michael Jackson)

    • Screenshot aus dem Adele-Clip «Hello» Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Youtube/Screenshot

      Xavier Dolan: «Hello» (Adele)

      Regisseur, Schauspieler, Produzent, Drehbuchautor, Synchronsprecher und Model: Der Kanadier Xavier Dolan («Mommy») ist noch keine 30, aber er war schon vieles, bevor er zum Beispiel diesen Rekord knackte: 1 Milliarde Views auf YouTube – und das nach nur 87 Tagen. Ein Wagen fährt vor. Blondes Haar, vom Winde verweht. Ein Haus. Eine Frau. Ein Mann. Eine Telefonkabine. Es ist nicht viel los. Aber es steckt viel Technik drin in dieser Ode an die Sepia-Töne. Xavier Dolan hat sein erstes Musikvideo mit der bestmöglichen Kamera gedreht. Ein kleiner Clip für die grosse Leinwand.

      «Hello» (Adele)