Jimmy Knepper: «Immer die ganze Posaune»

Jimmy Knepper (1927-2003) spielte die Posaune so umfassend wie kaum einer vor ihm. Er ist einer der ganz grossen Helden des Musikers Nils Wogram. Wogram, selbst einer der besten Posaunisten der Gegenwart, demonstriert auf seinem Instrument, warum ihn Knepper so fasziniert.

Musiker Jimmy Knepper spielt Posaune. Die Aufnahme entstand 1978 in New York. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der die Posaune bändigte: Jimmy Knepper (1927-2003) im Jahr 1978 in New York. Wikimedia

Die Posaune ist im Jazz lange Zeit eher als Effektlieferant denn als eigenständiges Instrument wahrgenommen worden, und es dauerte seine Zeit, bis sie sich zum Solo-Instrument mausern konnte. Erst gegen 1950 bekam sie gleichberechtigt neben dem Saxophon oder der Trompete einen Platz als Solistin und konnte sogar im Geschwindigkeitsrausch des Bebop mithalten.

«Beboppiger» als Johnson

Der berühmteste Protagonist in dieser Entwicklung der Posaune ist J.J. Johnson. Er konnte so schnell und so klar artikulieren, wie man das bisher auf der Posaune nicht für möglich gehalten hatte. Der andere Hauptprotagonist neben J.J. Johnson aber, so erzählt Nils Wogram, ist eben Jimmy Knepper, der nicht nur gleich schnell spielen konnte wie J.J. Johnson, sondern der seine Phrasierung dazu noch viel näher heranbrachte an die Phrasierung des grossen Vorbilds aller Bebopper: Charlie Parker.

Zu «Jazz Collection» über seinen Helden Jimmy Knepper hat Nils Wogram als Gast sein Instrument gleich mitgebracht, und demonstriert die Stilunterschiede mühelos und spielerisch:

Indem Jimmy Knepper die Dynamik und die Phrasierung vom Bebop-Altosax eines Charlie Parker in sein Posaunenspiel überträgt, opfert er zwar die glasklare Artikulation, die J.J. Johnson ausmacht. Er wird dadurch aber der Posaune in ihrer ganzen Geschichte gerechter, weil die moderne, die schnelle und wendige Artikulation nicht auf Kosten der alten Posauneneffekte geht, sondern diese Effekte sozusagen miteinbezieht.

Immer die ganze Posaune

Jimmy Knepper spielt also sozusagen immer die «ganze Posaune», nicht nur das auf Bebop, das auf modern und schnell getrimmte Instrument.

Mit diesen Effekten, gepaart mit der Virtuosität, wie sie eben in der Zeit nur ganz wenige Posaunisten hinkriegen, hat sich Jimmy Knepper vor allem als Posaunist von Charles Mingus einen Namen gemacht. 

Ausgerechnet ein weisser Posaunist

Charles Mingus spielt Bass in New York. Das Foto entstand 1976. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Charles Mingus, hier auf einem Foto aus dem Jahr 1976, holte Knepper in seine Band. Wikimedia

Das ist insofern pikant, als Charles Mingus ja im Allgemeinen nicht nur als genialer Bassist und Bandleader, sondern auch als grosser Polterer und vor allem als ein sehr pointierter Meinungsführer in Fragen zum Thema schwarz und weiss bekannt war, ein Thema, dass allen schwarzen Musikern in den 50er Jahren in Amerika auf Schritt und Tritt begegnete.

Dass der schwarze (oder eben auch nicht ganz schwarze, sondern chinesisch-schwedisch-englisch-afroamerikanische) Charles Mingus ausgerechnet einen weissen Posaunisten in seine Band holte, wurde ihm vielfach vorgeworfen - er meinte darauf aber nur trocken: Wenn man ihm einen besseren schwarzen Posaunisten zeige, dann würde er diesen in die Band holen.

Knepper, der Balladen-Spieler

Bei Jimmy Knepper darf man nicht seine grosse Balladen-Kunst vergessen - was bei einem so wendigen Musiker vor lauter Virtuosität gerne übersehen wird. Knepper sei ein einzigartiger Balladen-Spieler, sagt Wogram: «Aber das erstaunliche ist, dass niemand bisher versucht hat, Kneppers Balladen-Stil zu imitieren».

Eigentlich schade, denn Kneppers Stil passt gut zu einem langsamen, melancholischen Stück, wie Wogram auf seiner Posaune sogleich stichhaltig beweisen kann.

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