Die schönsten Arien aus «L’elisir d’amore»

Eine leicht ironisierte Liebeshymne, eine Belcanto-Arie par excellence und der Werbeslogan eines Scharlatans: Wie es sich für eine Opera buffa gehört, ist Gaetano Donizettis «L'elisir d'amore» nicht immer ganz ernst gemeint. Trotzdem sind diese Arien berauschend wie ein Liebestrank.

Cartoon: Ein Mann singt mit geschlossenen Augen und Tränen in den Augenwinkeln, daneben eine blone Frau, im Hintergrund regnet es Tränen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In «L'elisir d'amore» wird selbst der Seelenstriptease ironisch gebrochen. SRF/Patrice Gerber

    • 1.
      «Una furtiva lagrima» (Nemorino)

      Die Romanze «Una furtiva lagrima» ist einer der beliebtesten Hits für Tenöre. Und sie ist mehr als ein heroisches Bravourstück oder ein schmachtender Seelenstriptease. Die ersten Töne der Harfe in der düsteren Tonart b-Moll wecken zwar die Erwartung, dass gleich eine ganz grosse Liebeserklärung folgen wird. Dann setzt aber überraschenderweise erst mal das Fagott ein – und dessen etwas näselnder Klang will zur dieser Szene irgendwie nicht ganz passen. Ausserdem untergräbt das ständige Schwanken zwischen Dur und Moll bisweilen die Ernsthaftigkeit der Worte. Trotzdem: Die Wärme der Musik und der Schmelz der Linie berühren immer wieder aufs Neue. (Audio: Aufnahme mit Luciano Pavarotti)

    • 2.
      «Prendi, per me sei libero» (Adina)

      Eine wunderschöne, langsame Arie in bester Belcanto-Manier: ein gesangliches, anmutiges Thema und dazu eine simple Begleitung. Während die Streicher hoffentlich aufmerksam zupfen – Belcanto-Gesang mit seinen vielen Verzierungen ist schwierig zu begleiten – hat die so selbstsichere wie neckische Adina Raum für ihre Tongirlanden und Appoggiaturen. Sie schmückt ihre Melodie genussvoll aus und betört mit ihrem Gesang Nemorino ebenso wie das Publikum. Dieses Mal scheint sie es wirklich ernst zu meinen, sie zeigt echte Gefühle für Nemorino. Das Wort «Resta!», «Bleib!», bricht geradezu aus ihr heraus – und ist durch eine Fermate und einen plötzlich lauten Akkord auch kompositorisch stark betont.
      (Audio: Aufnahme mit Kathleen Battle)

    • 3.
      «Udite, udite o rustici» (Dulcamara)

      In dieser Cavatine, einer liedhafteren Form der Arie, preist sich der Quacksalber Dulcamara als grosser Wunderheiler an. Er prahlt bei den Dorfbewohnern mit seinen angeblichen Wundertaten und Wundermitteln. Von Wanzenschutz bis Potenzmittel hat er für so ziemlich jede Lebenslage etwas im Angebot, sogar auch einen Liebestrank. Das aufschneiderische Geplapper dieser bizarren Person untermalt Donizetti mit witzigen, fast wie ein Kichern klingenden Tonwiederholungen. Nach einer etwas verrutschten Minifanfare folgt dann der Clou: Bei Dulcamara gibt's sogar Rabatt! Und schon hat der Pseudoarzt das ganze Dorf im Sack.
      (Audio: Aufnahme mit Enzo Dara)

«L' elisir d' amore» kurz erklärt:

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Wein als Zaubertrank: Donizettis «L’elisir d’amore»

6:02 min, vom 3.8.2016