Opernführer Tosca – Die 3 schönsten Arien

Ein skrupelloser Sadist, eine gläubige Sängerin und ein leidenschaftlicher Maler: Giacomo Puccini gibt den Hauptpersonen in «Tosca» lediglich kurze Arien zu singen, porträtiert ihre Charaktere aber mit scharfem Blick und Raffinement.

Illustration eines Mannes hinter Gittern, der singt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auch das ist «Tosca»: Arien hinter Gittern. SRF/Patrice Gerber

    • «Vissi d’arte» (Floria Tosca)

      «Ich lebte für die Kunst, lebte für die Liebe», singt Tosca in einer tief traurigen, bisweilen fast konsternierten Klage. Sie beklagt ihr bitteres Schicksal und fragt Gott nach dem Warum. Enttäuscht sieht sie ihre Ideale in sich zusammenfallen. Andächtig und fast seufzend hebt ihre kurze Arie an, begleitet wird die Stimme nur von zarten, absteigenden Streicherakkorden. Sobald Tosca von ihrer Gottergebenheit zu singen beginnt, kommen Bläser und die Harfe dazu, dezent im Hintergrund ist das Tosca-Motiv zu hören. Die Melodiebögen werden länger und kulminieren nach zwei Anläufen in einem ergreifenden Höhepunkt. Besonders prägend für diese Rolle war die eindringliche Interpretation von Maria Callas.

      Hörpröbe: Maria Callas singt «Vissi d'Arte»

      3:14 min

    • «E lucevan le stelle» (Mario Cavaradossi)

      Im Morgengrauen kurz vor seiner Hinrichtung erinnert sich Mario an leidenschaftliche und sinnliche Stunden mit seiner Tosca. Die Solo-Klarinette mit ihrem warmen Klang leitet die Arie ein. Sie intoniert ein neues Thema, welches Cavaradossi mit den Worten «Süsse Küsse, schmachtende Zärtlichkeiten» unterlegt. Dieses Thema erklingt auch zum Schluss der Oper, als Tosca sich in die Tiefe stürzt. Dramatischer geht fast nicht! Der Anfang der Arie ist voller Sehnsucht und wirkt wie improvisiert, danach schlägt Cavaradossis Gefühlslage in Verzweiflung um und steigert sich zu einem elegischen Schluss. Der schärfere Klang der Trompeten (ein klangliches Attribut des Bösewichts Scarpia) besiegelt sein Leiden.

      3:14 min

    • «Ha più forte sapore» (Baron Scarpia)

      Kurz und knapp, aber umso unverhohlener zeigt Scarpia in dieser kurzen Szene seinen Charakter: Er ist ein Sadist! Wehe dem, den er im Visier hat. Die kühne Akkordfolge des Scarpia-Motivs (B-Dur, As-Dur, E-Dur) leitet das Arioso ein. Scarpia ergötzt sich daran, dass er Tosca dominieren, sie benutzen und ihr so noch mehr seelisches Leid zufügen kann. Er singt triumphierend: «Erzwungene Liebe schmeckt besser!». Seine Ausführungen sind mit einem satten Streicherklang untermalt, noch mehr Schärfe erhalten sie durch die dazukommenden Trompeten und Pauken.

      1:33 min

Die «Tosca» kurz erklärt

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Drama vor attraktiver Kulisse: Puccinis «Tosca» kurz erklärt

6:34 min, vom 1.7.2016