«Tosca»: Sex and Crime in Rom

Liebe, Eifersucht, Sadismus, Folter, Erpressung und Mord: Hochspannung ist angesagt in Giacomo Puccinis schwärzester Oper «Tosca». Auch die attraktiven Schauplätze dieses Stücks trugen zum Welterfolg bei – und natürlich die unwiderstehliche Musik.

Illustration eines Touristenbuses, der an einer Engelsstatue vorbeifährt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Sightseeing-Tour inklusive: Das Publikum von «Tosca» kommt an den Sehenswürdigkeiten Roms nicht vorbei. SRF/Patrice Gerber

Der italienische Opernkomponist Puccini lässt sein Drama vor einer beeindruckenden Kulisse spielen. Es sind drei Sehenswürdigkeiten der «ewigen» Stadt Rom, welche der immer wieder überraschenden Handlung einen reizvollen Rahmen bieten.

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Der Opernführer

Porträt von August Schram, die Hände angehoben, mit den Handflächen gegen oben.

August Schram. SRF

Vorhang auf für Liebe, Sex und Crime. Es wird geliebt und gehasst, gefleht und verlassen, gemordet und gestorben. Das ist Oper – und das ist zeitlos. August Schram stellt Opern vor und zeigt, wie leicht man in diese magische Welt eintauchen kann.

Zwei in der Nähe des Campo de' Fiori im Stadtzentrum gelegene Bauwerke, die Kirche Sant'Andrea della Valle und der Palazzo Farnese, sowie das mächtige Castel Sant'Angelo, die Engelsburg auf der anderen Seite des Tibers, sind die Schauplätze der dreiaktigen Oper. In «Tosca» bekommt das Publikum also gleich noch eine kleine Sightseeing-Tour durch Rom mitgeliefert.

Historischer Hintergrund

Die erfundene Geschichte rund um die Sopran-Diva Floria Tosca, um den Maler Mario Cavaradossi und den skrupellosen Polizeichef Baron Scarpia steht im Kontext eines historischen Ereignisses: In der Schlacht bei Marengo am 14. Juni 1800 kämpfte Napoleon für Frankreich gegen Österreich.

Eckpunkte der Schlacht spielen in die Opern-Handlung hinein und geben ihr entscheidende Impulse. Im zweiten Akt etwa lässt die Nachricht von Napoleons Sieg Cavardossi in Jubel ausbrechen. Er singt «Vittoria! Vittoria!» («Sieg! Sieg!»), worauf ihn Scarpia sogleich zum Tode verurteilt.

Eine Liebe wird auf die Probe gestellt

Für Politik interessierte sich Puccini aber eigentlich nicht. Der historische Hintergrund von Tosca dient vielmehr als realitätsnahes, veristisches Setting für die eigentliche Handlung. Es ging dem Komponisten um die dramatische Entwicklung der Liebe zweier Menschen. Einer Liebe, die von widrigsten Umständen auf eine harte Probe gestellt wird und daran zerbricht.

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Verismo

Dieser Opernstil entwickelt sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Wie in der naturalistischen Literatur dieser Zeit sollen veristische Opern die Wirklichkeit möglichst genau und ungeschönt abbilden. Wichtige Vertreter des Verismo sind: Pietro Mascagni, Ruggero Leoncavallo, Jules Massenet, Giacomo Puccini.

Leitmotivik à la Wagner

Musikalisch ist Puccinis fünfte Oper im Vergleich zu seinen anderen Opern stärker geprägt von der Leitmotiv-Technik, die Richard Wagner etabliert hatte. Puccini erfindet Melodien oder Motive für die Hauptpersonen. Aber auch Zustände, Handlungen oder Charaktereigenschaften erhalten einen charakteristischen musikalischen Marker.

So gibt es je ein Motiv für die Liebe, für die Folterung Cavaradossis, für «Toscas» Eifersucht oder für Scarpias Wolllust. Puccini setzt die Leitmotive jedoch insgesamt weniger explizit und weniger konsequent ein als Wagner. Oft erklingen sie diskret im Hintergrund, oder sie fügen sich unauffällig in den Fluss der Musik ein.

Welterfolg

Die Uraufführung von «Tosca» im Teatro Costanzi, dem heutigen Teatro dell'Opera in Rom am 14. Januar 1900 war ein Erfolg. Anschliessend eroberte das Werk schnell die Opernbühnen der Welt, und noch heute ist sie eine der meistgespielten Opern überhaupt.

Die «Tosca» kurz erklärt

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Drama vor attraktiver Kulisse: Puccinis «Tosca» kurz erklärt

6:34 min, vom 1.7.2016