Pavarottis Lieblingszimmer war der Schminkraum

Notenblätter, Briefe und Schminksachen liegen offen auf dem Tisch. Sie gewähren einen intimen Einblick in das Leben des verstorbenen italienischen Tenors. Die Villa Pavarottis ist neu ein Museum. Ein Rundgang durch das Haus des Maestro.

Luciano Pavarotti vor einem rotem Hintergrund. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Luciano Pavarotti: geboren und gestorben in Modena, Italien. Jetzt können Fans sein Zuhause besichtigen. Imago / AGD

Tausende Fans meldeten sich bei Luciano Pavarottis Witwe: Sie alle wollen das Zuhause des berühmtesten Tenors Italiens sehen. Acht Jahre nach seinem Tod ist seine Villa im norditalienischen Modena jetzt zu einem Museum geworden: «Casa Museo Luciano Pavarotti.»

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Zum Museum

Mehr Infos zur Kultstätte für Pavarotti-Fans: «Casa Museo Luciano Pavarotti.»

So entstand eine neue, heilige Stätte für Opernfreaks. Nun, wie lebte «Big Luciano»? Wie war sein Haus eingerichtet? Wie sah sein Musikzimmer aus? Welche Bücher las er, welche CDs hörte er? Und wie kleidete er sich? Gibt es die Kostüme seiner wichtigsten Produktionen zu sehen? Ganz private Briefe?

Gross, aber ohne Prunk

Sicherlich: Die Villa, die Pavarotti sich errichten liess, und die 1991 fertiggestellt wurde, ist gross, etwa 500 Quadratmeter Wohnfläche, doch sie ist keine prunkvolle Luxusresidenz, wie man sie von anderen internationalen Stars kennt. Eine mögliche Erklärung dafür: Pavarotti stammte aus Modena, der norditalienischen Region Emilia, wo Bescheidenheit auch für Reiche gilt. Typisch italienisches Zurschaustellen von Geld und Reichtum: in der Emilia undenkbar.

Die Witwe Nicoletta Mantovani in pinker Jacke und die in Schwarz gekleidete Schwester Gabriella Pavarotti stehen während einer Ausstellung neben einer grossen Schwarz-Weiss-Fotografie von Sänger Pavarotti. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schwester Gabriella Pavarotti, links, und Witwe Nicoletta Mantovani, rechts, 2008 an einer Pavarotti-Ausstellung. Keystone

Pavarotti-Stempel

Nicoletta Mantovani, die 34 Jahre jüngere Ehefrau des Künstlers, verbrachte die letzten Jahre ihres Mannes mit ihm in der Villa. Sie verriet, dass Pavarotti nicht nur bei seiner Kunst pedantisch war, sondern auch beim Einrichten und Ausstatten: Nichts durfte ohne seine ausdrückliche Erlaubnis gebaut, eingerichtet und verschönert werden. Jeder Raum, erklärt Mantovani an der Eröffnung des Pavarotti-Museums, besitze seinen ganz persönlichen Stempel.

Auf die Frage, ob auch sie als Gattin ein Mitspracherecht gehabt habe, lacht die Signora nur freundlich. Pavarottis Einrichtungsfixierung sorgte dafür, dass er ein volles Haus hinterliess – egal ob im Wohn-, Musik- oder Ankleidezimmer: zu schauen gibt es viel.

Der Schminkraum

Eines der Lieblingszimmer des Maestro war sein Schminkraum. Wenn Pavarotti internationale Opern- und Popstars zu seinem ganz privaten Festival «Pavarotti & Friends» nach Modena einlud, schminkte er sich immer selbst – in einem Raum, der wie ein Theater eingerichtet ist. Ehrfurchtsvoll steht der Besucher vor dem mit Glühbirnen umrandeten Spiegel am Schminktisch. Witwe und Museumsorganisatorin Mantovani liess alles auf dem Schminktisch liegen – sogar die Schminktöpfe und Wattebäuschchen ihres Mannes.

Eine paar Leute besuchen ein Museum, das Kostüme zeigt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Nicoletta Mantovani, links, führt durch den Ankleideraum von Pavarotti. Flickr/Palazzo Chigi

Eindrucksvoll sind auch die verschiedenen Originalkostüme, die Pavarotti bei seinen wichtigsten Aufführungen trug: an der Scala in Mailand, an der Met in New York oder in Covent Garden, London. Der Besucher bekommt herrliche Kostüme zu sehen, die aufwändig aus kostbaren Stoffen verarbeitet wurden.

Fotos und Notenblätter

Auf den Kaminsimsen, dem Klavier und den vielen Tischchen sind unzählige Fotografien zu sehen. Pavarotti mit Kollegen, Politikern und Freunden – und immer wieder Widmungen und private Fotos: mit seinen Kindern aus erster Ehe, der ersten Ehefrau und viele Fotos mit der jungen Nicoletta. Zu den Erinnerungsstücken, die für Musikkenner von Interesse sind, zählen die Notenblätter, die auf dem Klavier aufliegen. Sie sind mit persönlichen Bemerkungen des Meisters versehen.

Italiens Musikmuseen

Pavarottis Heimat Italien ist sicherlich das Land der Oper. Doch Opern- und Musikmuseen gibt es nur sehr wenige. Die meisten davon sind privat organisiert und finanziert. Eine knappe Autostunde vom Pavarotti-Museum entfernt, kann man im «Museo Renata Tebaldi» in die private Welt der weltberühmten Sopranistin Renata Tebaldi (1922-2004) eintauchen: Sie war eine Kollegin, mit der der Sänger aus Modena oft auf der Bühne stand.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 5.8.2015, 8:20 Uhr