Ella, Monk und Dizzy Sie brachten den Jazz zum Klingen

Vor 100 Jahren wurden Ella Fitzgerald, Dizzy Gillespie und Thelonious Monk geboren. Sie prägten den Jazz mit Witz, Improvisationslust, Nachdenklichkeit, Virtuosität und Kreativität. Drei Jazz-Legenden auf der Spur.

Ella Fitzgerald – Die Komplette

Ella Fitzgerald am Mikrofon. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ausser Konkurrenz: Ella Fitzgerald. Wikimedia

Am Anfang von Ella Fitzgeralds Karriere vermischt sich Wahrheit mit Legende: Bei einem Wettbewerb im Apollo-Theatre 1934 habe sie eigentlich tanzen wollen und nur gesungen, weil ihr die Beine versagt hätten. Ob erfunden oder nicht: Dieses Jahr war der Beginn einer beispiellosen Karriere.

60 Jahre dauerte die Karriere, jedes Jahrzehnt war reich an Höhepunkten. Ella Fitzgerald ist vielleicht die kompletteste Jazz- und Popsängerin, die es je gab – unerreicht in fast jeder Hinsicht.

Nach diesem Wettbewerb, den die 17-Jährige gewann, wurde sie von Chick Webb engagiert, einem Schlagzeuger und Chef einer der erfolgreichsten Swingbands der Zwischenkriegszeit. Fitzgerald allerdings wollte nicht einfach nur eine hübsche Refrainsängerin sein. Sie bestand darauf, Musikerin unter Musikern zu sein.

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Phänomen Fitzgerald

Das konnte sie erst später zeigen. Ihr erster Hit, der auch ihren Durchbruch bedeutete, war ein Nursery-Rhyme, der zum Lied wurde: « A-tisket, a-tasket, I lost my yellow basket». Vielleicht noch keine grosse Kunst, aber ein Versprechen.

Ella Fitzgerald übte nicht so grossen Einfluss auf die späteren Generationen an Sängerinnen und Sängern aus, wie man es vermuten könnte. Das liegt daran, dass sie schlicht zu viel konnte.

Ihr Stimmumfang war enorm, ihr Technik ehrfurchtgebietend, die Bühnenpräsenz beispielhaft. Und als Improvisatorin, die mit Silben scattet, ist sie auch 20 Jahre nach ihrem Tod unerreicht.

Viele jüngere Sängerinnen benennen sie als Einfluss, ohne dass man es klar hört. Immerhin: Vokalistinnen wie Dee Dee Bridgewater, Dianne Reeves und Diane Krall sind würdige Nachfolgerinnen der «First Lady of Song».

Dizzy Gillespie – Der Bewegliche

Dizzy Gillespie an der Trompete. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ruhte sich nie auf seinen Lorbeeren aus: Dizzy Gillespie. Wikimedia

Dizzy Gillespie war ein Ausnahmetalent als Musiker. Vor allem aber war er ein unermüdlich Suchender, ein harter Arbeiter, der immer vorwärts wollte, sich nie zurücklehnte. Und er war auch einer, der sein enormes Wissen und Können freimütig mit allen teilte: Unzählige Musiker stehen in seiner Schuld.

Bei alldem war Dizzy Gillespie das Gegenteil eines unverstandenen Genies. Denn er wollte verstanden werden. Er wollte seine Musik dem Publikum auf der ganzen Welt näherbringen und seine Lebensfreude und seinen Humor dazu.

Dizzy Gillespies Können wurde von seinen Kollegen sofort wahrgenommen. Schon mit 20 sass er mit den Besten auf der Bühne. Bis das Publikum allerdings begriff, was der Jungspund mit seiner Trompete Unerhörtes anstellte, dauerte es ein wenig.

Und die Musik, die schliesslich dabei herauskam, hatte wenig Hitpotenzial. So wurde er beim grossen Publikum erst wirklich erfolgreich, als er den Bebop mit Elementen der kubanischen Musik anreicherte: Diese Verbindung von Intellekt und Emotion kommt in «Manteca» gut zum Ausdruck.

Kein Jazztrompeter kommt an Dizzy Gillespie vorbei – auch heute nicht. Er hat Standards gesetzt: punkto Virtuosität und punkto Beweglichkeit auch in stratosphärischen Höhen. Weil aber Dizzy ein so überragender Techniker war, ist er als Vorbild mehr als nur ehrfurchtgebietend.

Es gibt nur zwei jüngere Trompeter, die ihm wirklich nachgeeifert haben. Beide wurden von Gillespie sehr gefördert: der Kubaner Arturo Sandoval und der Amerikaner Jon Faddis. Wichtiger aber ist: Dizzy ist ein Vorbild als Künstler, der nie stehen bleibt.

Thelonious Monk – Der Sperrige

Thelonious Monk am Klavier. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Kantiger Komponist: Thelonious Monk. Wikimedia

Auf den Durchbruch bei einem breiteren Publikum musste Thelonious Monk lange warten. Auch er wurde von den Mitmusikern schon früh wahrgenommen. Aber weil seine Spielweise auf dem Klavier so kantig und sperrig war, und wohl auch, weil Monk ein eigenwilliger Charakter war, blieben viele von ihnen auf Distanz.

Mit fast 40 kam er bei der neuen Plattenfirma Riverside unter. Hier wurde das Potenzial seiner Musik erkannt und sorgfältig vermarktet. Trotzdem wird Monk mehr bewundert als geliebt. Er blieb ein erratischer Block, schwer zu entschlüsseln bis zum Schluss.

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Ella, Monk & Dizzy

Vor 100 Jahren wurde zum ersten Mal Jazz aufgenommen. Im gleichen Jahr wurden Ella Fitzgerald, Dizzy Gillespie und Thelonious Monk geboren. Sechs Stunden Annäherung an drei Jahrhundertkünstler und ihre Welt: Am Dienstag, 2. Mai im Hörpunkt «Ella, Monk & Dizzy – Ein Jahrhundert Jazz», 9 – 15 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Ein der ersten Kompositionen von Thelonious Monk wurde zu seiner erfolgreichsten: «Round Midnight». Schon mit 19 soll er das Stück in seinen Grundzügen geschrieben haben, aufgenommen wurde es allerdings erst acht Jahre später vom Trompeter Cootie Williams.

Die ultimative Soloversion von «Round Midnight» spielte Monk 1957 für seine LP «Thelonious Himself» ein. Die Online-Diskografie von Tom Lord listet im Moment 1740 Cover-Versionen des Stücks auf, und immer wieder kommen neue dazu. Das Stück wird uns noch lange beschäftigen.

Der Einfluss Thelonious Monks als Pianist ist gering. Das liegt daran, dass sein Stil so markant war: Man hört sofort, wenn ein Pianist à la Monk spielt. Sein Stil hat nur als Karikatur überlebt.

Monks kompromisslose künstlerische Haltung allerdings ist für viele jüngere Musikerinnen und Musiker beispielhaft. Monks Musik lebt vor allem in seinen Kompositionen fort. Sie sind ein Bergwerk, das noch Jahrzehnte-, wenn nicht Jahrhunderte lang Material in Hülle und Fülle bietet.

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