«Wa-oh-wa-oh»: Das haben Katy Perry und Bo Diddley gemeinsam

Finden Sie auch manchmal, ein Popsong klingt wie der andere? Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht in den Medien: Der «Millennial Whoop» ist schuld. Der Eindruck täuscht.

US-Popstar Katy Perry auf der Bühne vor violettem Hintergrund. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bei «Oh» kommt der «Milennial Whoop». Oder bei «Wa-oh-wa-oh». Und zwar nicht nur bei Kate Perry. Getty Images

Drei Töne – der dritte Ton der Tonleiter, dann der fünfte und dann wieder der dritte. Dieses musikalische Muster, in der Fachsprache Tropus, taucht in zahlreichen Popsongs auf: in Katy Perrys «California Gurls» genauso wie in «F**k Off» von Conner4real, «Good Time» von Owl City & Carly Rae Jepsen, «Really Don’t Care» von Demi Levato oder «Live While We're Young» von One Direction.

Der Tropus kann auf dem Downbeat oder dem Upbeat beginnen. Meistens erklingt er auf «Oh», manchmal auch in einem «Wa-oh-wa-oh»-Pattern, wie der «Entdecker» des «Millennial Whoop», der amerikanische Komponist und Produktmanager Patrick Metzger auf seiner Website geschrieben hat.

Warum taucht dieser Tropus in den letzten 15 Jahren immer wieder auf? «It’s catchy», eingängig sei der «Millennial Whoop», sagt Charles Fairchild, Dozent für Popgeschichte und Popmusikanalyse am Konservatorium für Musik in Sydney.

«Eingängig auf eine ungewöhnliche Art. Natürlich gibt es viele eingängige Melodien oder Beats, der ‹Millennial Whoop› aber ist sehr kurz und wird immer wieder wiederholt. Doch er nutzt sich nicht so schnell ab».

Zeitgeist sei der Grund, warum gerade diese drei Töne in mehreren Popsongs auftauchen, sagt der Experte. «Dieses Muster passt einfach perfekt in die heitere, optimistische Popmusik von heute.»

Kein neues Phänomen

Neu ist das Phänomen der so genannten musikalischen Tropen nicht: Der ‹Millennial Whoop› der 1990er-Jahre war das «Amen Break». Ein Beat mit drei gleichen Takten, im letzten Takt ein kurzer Stolperer.

Die Funk- und Soulband «The Winstons» hat ihn geschrieben, und er ist heute der meist kopierte Klangschnipsel der Musikgeschichte. Hunderte Songs brauchen diesen Beat, die Gruppe «The Prodigy» etwa oder die Hip-Hop-Crew N.W.A..

Der «Millennial Whoop» der 1950er- und 1960er-Jahre war der «Bo Diddley Beat», ein synkopierter Rhythmus. Benannt nach dem Musiker Bo Diddley, der den Beat 1955 in einem nach ihm benannten Song zum ersten Mal einsetzte. Elvis Presley brauchte ihn in «(Marie's the Name) His Latest Flame», die Rolling Stones in «Please Go Home».

Hommage und Marketing

Imitation liegt in der Natur der Popmusik, sagt Charles Fairchild, Dozent für Popgeschichte und Popmusikanalyse. Zum einen als Hommage an einen anderen Künstler. Zum andern als Marketingstrategie: Ein Komponist springt auf den Erfolgszug eines anderen auf und erreicht damit die Aufmerksamkeit der Hörer.

Musikalische Tropen wie der «Millennial Whoop» sind also nicht nur eine Verkaufsstrategie und ein alter Hut. Musikalische Tropen sind auch total überbewertet.

Jetzt sind wir als Hörer, als Hörerin auf diese Tonfolge sensibilisiert und hören sie überall. Wir finden, die Popmusik klingt immer gleich. Aber tatsächlich gibt es unter den Millionen und Abermillionen Songs nur um die 30 mit einem «Millennial Whoop».

Sendung: SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 12.9.2016, 17:10 Uhr