Winston McAnuff und Fixis kühne Klangmischung rund um die Welt

Der jamaikanische Reggae-Altmeister und sein Pariser Mitstreiter lassen mit dem Album «A New Day» die Sonne am grauen Himmel aufscheinen: Sie mischen Musette-Noten, jamaikanische Klänge, Soul- und Bluestöne, Afrobeat, Samba, Cumbia – und hauchen Maloya-Rhythmen der Insel La Réunion neues Leben ein.

Vor dem Hintergrund eines Regenwaldes mit Nebel posiert Fixi mit Akkordeon und Hut, neben ihm Winston McAnuff, ebenfalls mit Hut. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Akkordeonist Fixi, Winston McAnuff und die Musik von La Réunion: Da brodelt ein explosives Gemisch. PD

Das Akkordeon steht im Zentrum. «Wir wollen gute Stimmung und positive Energien verbreiten und musikalisch alle möglichen Einflüsse aufnehmen: Fixi mit seinem Akkordeon bringt Musette-Klänge und Maloya-Rhythmen ein und ich profitiere hier von meiner langjährigen Erfahrungen als Reggae-Sänger», so fasst der 57-jährige Rasta Winston McAnuff das gelungene Musikprojekt zusammen.

Schwere Zeiten für die Musik in Jamaika

Winston McAnuff hat schon als Kind im Gospelchor gesungen und auf Jamaika diverse Musikgenres kennen gelernt. «Damals lief jahrelang im Radio mehr ausländische Musik als unsere einheimischen Klänge», erklärt Winston. «Wir hörten etwa The Temptations, Frank Sinatra oder Stevie Wonder.»

Der klassische Rootsreggae macht Winston in den siebziger Jahren auf Jamaika bekannt. Er arbeitet mit bekannten Musikern wie Inner Circle und Sly Dunbar an seinen ersten Alben. Doch dann wird es lange Zeit still um ihn. Schwere Zeiten für die Musiker auf Jamaika: Die Musikindustrie steckt in der Krise. US-amerikanische Musik hatte die einheimischen Produktionen verdrängt. Winston McAnuff ist deshalb vor zehn Jahren nach Europa gekommen und hat in Frankreich eine neue musikalische Karriere gestartet: als Gitarrist und Reggae-Sänger.

Maloya-Rhythmen als zentrale Inspirationsquelle

Nahaufnahme einer Kayamb: Aneinandergefügte Schilfrohre werden durch einen Rahmen zusammengehalten. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Kayamb ist eine Rassel, meist aus Schilfrohr, gefüllt mit Samen. Sie wird mit beiden Händen horizontal geschüttelt. Wikimedia

Fixis Wurzeln liegen im Chanson. «Als ich vor ein paar Jahren mit dem Akkordeon begonnen habe, war es verpönt», erklärt Fixi. Der 39-Jährige hat das Akkordeon in einen neuen Kontext gesetzt: Er experimentiert mit Akkordeon-Klängen und traditionellen Maloya-Rhythmen sowie Afrobeat- oder Hip-Hop-Elementen. Längst gehört Fixi zu den kreativen Musikern Frankreichs und ist bekannt für seine Lust am Fusionieren.

Der Weltenbummler war in Afrika, Brasilien und vor kurzem auf der Insel La Réunion. Dort hat er sich mit dem lokalen Musikstil Maloya beschäftigt. «Auf La Réunion ist eine einzigartige Mischung aus afrikanischen, ostasiatischen und westlichen Klängen anzutreffen», erzählt Fixi. «Nur auf dieser Insel konnte sich ein so einzigartiger Musikstil wie Maloya entwickeln. Ein traditioneller Musikstil mit einem rasanten Rhythmus, einem 6/8 Takt, der auf die Ahnen zurückgeht und in Trance versetzt.»

Die verbotene Musik

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CD-Hinweis

Winston McAnuff & Fixi: «A New Day. Chapter Two», Wagram Music.

Dieses Genre entsteht im 18. Jahrhundert bei den Sklaven während der Zuckerrohrernte. Schlaginstrumente sind für den Rhythmus zuständig: Kayamb, eine mit Samen gefüllte Gefässrassel, und eine grosse zylindrische Trommel namens Roulèr. Gegen Ende der 1950er Jahre verbietet die französische Regierung den Maloya auf La Réunion – aus Angst, die Inselbewohner würden mit dieser Musik rebellieren. In den 1980er Jahren erlebt der Maloya eine Renaissance.

Die beiden Soundkünstler Winston und Fixi haben dem Mayola nun neues Leben eingehaucht. Sie setzen die traditionellen Instrumente ein und lockern den dominanten Trommelbeat von Kayamb und Roulèr mit Akkordeon- und Keyboardklängen auf. Hinzu kommen ein paar Gitarrenriffs, Keyboard und Cello-Rhythmen und die charakteristische Stimme von Winston McAnuff.

Die Sonne am grauen Himmel

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Konzert in Zürich

Winston McAnuff und Fixi treten am Donnerstag, 13. März im Zürcher Jazzclub Moods auf.

Und das tönt gut. Es scheint, als ob sich Optimismus als Leitmotiv durch das ganze Album «A New Day» zieht. Ganz besonders kommt dies im Titelstück «A New Day» zum Ausdruck: «Das ist ein Song voller Hoffnung», erzählt Winston. «Auch wenn der Himmel grau und die Sonne unsichtbar ist, scheint sie doch irgendwo. Auch wenn uns Sorgen und Nöte plagen, gibt es eine Lösung. Eine wichtige Rolle spielt dabei die innere Einstellung, sie hilft dir, dass ein guter neuer Tag für dich beginnen kann.»

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