«Wish you were here» – Syd Barrett verliess Pink Floyd nie ganz

Syd Barrett verliess Pink Floyd drei Jahre, nachdem er die Band 1965 mitbegründet hatte. Doch sein Geist verabschiedete sich nie ganz von seinen Bandkollegen. Das Album «Wish You Were Here» ist ihm gewidmet. Die Entstehungsgeschichte eines Meilensteins der Rockgeschichte.

Die Band Pinky Floyd. Ihre Körper sind mit pinken Papier umhüllt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ton in Ton: Pink Floyd – hier bereits ohne Syd Barrett – an einem Shooting von 1968. Getty Images

  • Der exzessive Drogenkonsum von Syd Barrett machte die Zusammenarbeit unmöglich, so dass sich Pink Floyd bereits 1968 von ihrem Gründer trennen musste.
  • Nach dem Ausstieg Barretts entwickelte sich die Band musikalisch in Richtung Mainstream und machte eher simplere, aber wirkungsmächtige Songs.
  • Die Band zerstritt sich nach dem Erfolgsalbum «The Wall» immer mehr – Syd Barrett galt jahrzehntelang als verschollen, bis das Management 2006 seinen Tod bekannt gab.

Jeder für sich

Es ist ein berührender Moment, als Roger Waters und David Gilmour zu «Wish You Were Here» ansetzen, einem der vielen Hits von Pink Floyd. Sie spielen dieses für die Band ungewöhnlich warme, folkige Stück jedoch nicht gemeinsam, sondern jeder für sich alleine. Zusammengehalten lediglich durch die Montage im Dokumentarfilm «Wish You Were Here – Die Geschichte des Pink Floyd-Meilensteins».

Ein prophetisches Album

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Diese Szene berührt so sehr, weil sie exemplarisch für die Geschichte von Pink Floyd ist: Eine Band, die sich früh von ihrem charismatischen Gründer trennte, deswegen aber nicht zerbrach, sondern in neuer Besetzung eine der erfolgreichsten Gruppen aller Zeiten wurde.

Gleichzeitig geriet das Gleichgewicht durcheinander. Die Bandmitglieder begannen, einander aus dem Weg zu gehen, und entfernten sich nicht zuletzt von sich selbst. All dies nahmen Pink Floyd auf dem Album «Wish You Were Here» prophetisch vorweg.

Ein schlechtes Gewissen

«Remember when you were young, you shone like the sun.» Die allererste Textzeile des Albums (nach neun Minuten Instrumentalmusik) scheint den Geist von Syd Barrett zu beschwören. Der versponnen-geniale Barrett prägte in den ersten Jahren als Gitarrist, Sänger und Komponist Sound und Auftritte von Pink Floyd.

Pink Floyd. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Als sie noch eins waren: Syd Barrett (oben rechts), Rick Wright, Nick Mason und Roger Waters (im Uhrzeigersinn). Keystone

Doch bald machte sein exzessiver Drogenkonsum die Zusammenarbeit unmöglich. Barrett wurde durch David Gilmour ersetzt, der bis heute nach eigenen Angaben deswegen ein schlechtes Gewissen hat.

Ein «grosser fetter Typ»

Nach dem Rauswurf bei Pink Floyd nahm Syd Barrett – unter Mithilfe seiner ehemaligen Bandkollegen – noch zwei Alben auf, zog sich dann aber aus dem Musikgeschäft zurück.

1975 tauchte er plötzlich in den Abbey Road Studios auftauchte: «Eines Tages kam ich ins Studio», erinnert sich Drummer Nick Mason im Buch «Inside Out», «und traf dort auf diesen grossen, fetten Typen mit rasiertem Schädel, der eine Plastiktüte trug und offensichtlich verwirrt war. Ich fragte David [Gilmour], wer das sei, und er meinte: Das ist Syd.»

Entwicklung Richtung Mainstream

Während die ersten Alben von Pink Floyd stark von Syd Barrett, aber auch von Einflüssen der Byrds und der Beatles geprägt waren, entwickelte sich die Band nach dem Ausstieg Barretts in eine mainstreamtauglichere Richtung.

Einflüsse klassischer Musik, komplexe Harmonien, psychedelische Spielereien, erweiterte beziehungsweise verminderte Akkorde wichen eher simpleren, aber durchaus wirkungsmächtigen Songs, die zunehmend von Roger Waters komponiert wurden.

Spannungen in der Band nehmen zu

Kommerziell war die Band mit der musikalischen Vergangenheitsbewältigung von Waters Leben sehr erfolgreich – «The Wall» ist das meistverkaufte Doppelalbum aller Zeiten – doch die Spannungen innerhalb der Band nahmen zu.

Gilmour und Wright begannen, Soloprojekte aufzugleisen. Mason schreibt in seinem Buch: «Ich dachte damals, ich würde noch die Teetassen abwaschen und auf dem Weg hinaus die Schreibmaschine entstauben. Wir waren ziemlich nah dran, es bleiben zu lassen.»

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Buchhinweis

Nick Mason: «Inside Out. A Personal History of Pink Floyd». Phoenix London, 2005.

Dass Pink Floyd dies vorerst nicht taten, hatte wohl nicht zuletzt mit dem Einzug der Mehrspurbandmaschine in den Studios zu tun: Man musste nicht mehr gemeinsam zur Probe erscheinen, sondern konnte alleine sein Instrument einspielen – und sich jahrelang aus dem Weg gehen.

Das Management bildete den Fixstern, darum herum rotierten die Musiker als Planeten in ihrer eigenen Umlaufbahn. Und über allem schwebte wie eine Art ewiger Trabant der Geist von Syd Barrett.

«The Final Cut»

Das Ende kam schleichend. Während der Aufnahmen zu «The Wall» entliess De facto-Chef Roger Waters Keyboarder Richard Wright. Drummer Nick Mason widmete sich schon damals vornehmlich Autos und Flugzeugen. David Gilmour durfte zwar nach wie vor seine unerreichbar legendären Gitarrensoli spielen, doch eine Band war das nicht mehr.

1982 erschien das letzte Album, es hiess passenderweise «The Final Cut». 1987 einigten sich Roger Waters und der Rest der Band nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten auf folgende Regel: David Gilmour, Nick Mason und der inzwischen verstorbene Richard Wright durften fortan unter dem Namen Pink Floyd auftreten, mussten aber einen nicht unbeträchtlichen Anteil der Einkünfte mit Roger Waters teilen. Waters erhielt im Gegenzug die Rechte an «The Wall».

Und Syd Barrett? Der galt jahrzehntelang als verschollen. Im Juli 2006 meldete das Management von Pink Floyd, er sei im Alter von 60 Jahren verstorben.

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