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Netzwelt #Aufschrei im Netz gegen den alltäglichen Sexismus

Seit letzten Donnerstag schildern Menschen auf Twitter Beispiele von Sexismus im Alltag. Über 25‘000 Meldungen gab es unter dem dort lancierten Schlagwort «#aufschrei» in den ersten 48 Stunden. Damit zählt die Aktion zu den grössten Social Media-Kampagnen im deutschen Sprachraum.

Steht im Zentrum der Sexismus-Debatte in Deutschland: FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle.
Legende: Steht im Zentrum der Sexismus-Debatte in Deutschland: FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle. Keystone

«Der Typ, der mir beim Joggen im Vorbeiradeln an den Hintern grapschte und laut juchzte vor Schadenfreude über meinen Protest #aufschrei» – persönliche Schilderungen wie diese konnte man in den letzten Tagen zu Tausenden lesen. Gesammelt wurden sie mit dem Schlagwort #aufschrei bei Twitter.

Thema Sexismus war bereits lanciert

Dass die Diskussion um alltägliche sexuelle Übergriffe gerade jetzt so grossen Zuspruch findet, liegt daran, dass Sexismus bereits in den traditionellen Medien als Thema lanciert war. Einerseits mit einem Spiegel-Essay über Frauenfeindlichkeit in der Piratenpartei und einem Porträt des FDP-Fraktionschefs Rainer Brüderle, das im Stern veröffentlicht wurde. Brüderle hatte sich gegenüber der Journalistin zuvor anzüglich geäussert. Sexismus in der Politik wurde so zum Thema von Vielen.

Wie #shoutingback zu #aufschrei wurde

Die Aktion geht auf den deutschen Blog «Kleinerdrei» zurück. Dort wurde letzten Donnerstag ein Beitrag über die Kampagne «Everyday Sexism» veröffentlicht, die seit Anfang Januar Berichte und Erfahrungen zu alltäglichem Sexismus in Grossbritannien sammelt. Via den dazugehörigen Hashtag #shoutingback haben mittlerweile über 3000 Betroffene ihre Erlebnisse geschildert. Bereits in den Kommentaren zeigte sich, dass das Thema beschäftigt. Autorin Maike forderte darum auf, auch in Deutschland ein Twitter-Schlagwort für sexuelle Übergriffe ins Leben zu rufen, was eine Mitbloggerin kurz darauf mit #aufschrei tat.

Grösste Twitter-Bewegung Deutschlands?

Das Thema bewegt: innerhalb von wenigen Tagen wurden allein mehrere 10'000 Tweets zum Sexismus im Alltag verfasst. Das Thema wurde ausserdem in allen Leitmedien in Deutschland – und kurz darauf auch in der Schweiz – aufgegriffen. Ob es sich dabei aber um die bisher grösste politisch-gesellschaftliche Twitter-Bewegung handelt, wie das Portal meedia.de und einige Blogger schrieben, lässt sich noch nicht genau sagen, denn auch zu der Anzahl veröffentlichter #aufschrei-Tweets gibt es unterschiedliche Meinungen. Sicherlich handelt sich es sich dabei um einen der weitreichendsten Aufrufe dieser Art in Deutschland.

Rege Diskussion bei Twitter

Mittlerweile wird das Twitter-Schlagwort #aufschrei kaum noch zur Schilderung von sexuellen Übergriffen verwendet. Die Lektüre zeigt aber, dass inzwischen eine angeregte Diskussion zum Thema Sexismus entstanden ist. Was gilt bereits oder eben noch nicht als sexistisch? Sind sexuelle Übergriffe gegen Männer weniger relevant?

Auch viele sarkastische Äusserungen haben den Weg in den #aufschrei-Feed gefunden. Von dem im Netz üblichen «Trollen», also dem Versuch, die Diskussion durch unkonstruktive Beiträge zu sabotieren, bleibt #aufschrei nicht verschont. Ob die vielen Meldungen, persönlichen Geschichten und Gedanken längerfristig für das Thema Sexismus im Alltag sensibilisieren können, lässt sich noch nicht sagen.

Legende: Video Busengrapscher und Altherrenwitze abspielen. Laufzeit 04:04 Minuten.
Aus 10vor10 vom 28.01.2013.

10 Kommentare

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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Sexismus kann manchmal auch umgekehrt verlaufen. Kein Scherz, das ist vor wenigen Jahren mit einem Kollegen passiert: Da er eine Art Betriebsinstruktor war, hatte er mit vielen Frauen zu tun. Dummerweise wollte eine von denen etwas von ihm, aber er nichts von ihr. Was geschah dann? Sie schwärzte ihn weiter oben an, indem sie ihm Sexismus vorwarf, und es fehlte sehr wenig zu seiner fristlosen Entlassung. Er musste zu mehreren Verhören antraben und konnte sich nur knapp herausreden.
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  • Kommentar von Esther, Basel
    Ich wundere mich eigentlich, dass hier keine Kommentare von Frauen zu lesen sind...
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  • Kommentar von T. Himmel, Chur
    Die mit Abstand grösste sexistische Diskriminierung in der Schweiz ist per Gesetz verordnet und hat 3 Millionen Betroffene: Es sind die Männer, die Militärdienst leisten müssen, sich dabei unter Umständen erniedrigen lassen, während dies für die Frauen freiwillig ist. Das liest Frau natürlich nicht gern, ist aber halt unumstösslicher Fakt. Danach folgt die unsägliche Lohndiskriminierung der Frauen. Wann endlich werden Unternehmen dafür bestraft?! Wann werden diese Probleme endlich a...
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