Neues Onlinemagazin «Fempop»: Hier ist Feminismus Popkultur

Seit wenigen Tagen online: Das neue Schweizer Onlinemagazin «Fempop» bereitet feministische Themen in popkultureller Verpackung auf.

Ein Screenshot des Onlinemagazins Fempop. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Onlinemagazin «Fempop» gestaltet Feminismus neu: mit Girlgangs, Mode und viel Rosa. SRF/Fempop/Anja Wurm

«Unser Glas ist immer halb voll und wir lieben Popkultur», heisst es in der Selbstbeschreibung des neuen Schweizer Onlinemagazins «Fempop». Und: «Wir schreiten mit Girlpower, Spass und Glitzer zuversichtlich in eine gleichgestellte Zukunft.»

erena Schindler (Art Director), Cécile Moser (Editor, PR), Rahel Fenini (Editor) Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das «Fempop»-Dreigespann: Serena Schindler (l.), Cécile Moser und Rahel Fenini (r.). Anja Wurm

Girlpower – die steht auch hinter dem Magazin. Drei junge Schweizerinnen, Serena Schindler, Cécile Moser und Rahel Fenini, haben das Magazin ins Leben gerufen. Dazu inspiriert haben sie deutsche Portale wie Femtastisc oder das Missy Magazine, die sie bei einem Erasmus-Aufenthalt in Berlin kennenlernten.

Pinkes, Mode und Toast Hawaii

Was findet sich in dem neuen Web-Magazin, das sich Feminismus und Popkultur in den Titel schreibt?

Allerlei. Porträts von Unternehmerinnen neben einer Kulturgeschichte der Farbe Pink, Modestrecken, Musik und eine feministisch gefärbten Ehrrettung des Toast Hawaii.

Viermal jährlich soll nun eine neue Online-Ausgabe erscheinen – und dem Feminismus ein neues Gesicht geben. Denn oft dominiere noch das Bild der männerhassenden Feministin, die sich nicht rasiere, sagt Rahel Fenini von «Fempop». Mit solchen Klischees wollen sie und ihre Mitstreiterinnen brechen.

«Wir wollen einen lockeren, positiven, attraktiven Feminismus zeigen», sagt Fenini: «Weil wir überzeugt sind, dass wir damit insbesondere auch junge Frauen ansprechen können, die bisher nicht mit feministischen Themen in Berührung gekommen oder politisch aktiv sind.»

Mehr girly, weniger kantig

Visuell dominiert Rosarot und Pink in allen Schattierungen die Seite. Die Sprache schwankt zwischen Anglizismen und Foucault-Zitaten. «Die Verortung im popkulturellen Bereich spürt und sieht man sehr stark: Mich erinnert die Ästhetik etwa an die Fotografin Petra Collins oder die Filmemacherin Sofia Coppola», sagt Anne-Sophie Keller, Journalistin und Mitglied beim feministischen Kollektiv «Aktivistin.ch».

Sie hat für uns einen Blick in das neue Onlinemagazin geworfen und ist bereits jetzt ein grosser Fan: «Die Seite kommt jung, frisch, ‹girly› und knallig daher. Das hat man so in der Schweiz noch nicht gesehen.»

«Was auf den ersten Blick auffällt, ist, dass die Webseite relativ makellos gestaltet ist. Sehr ästhetisch und modern, mit wenig Ecken und Kanten», bemerkt die Historikerin und Feminismus-Expertin Leena Schmitter: «Wenn man eine breite Masse ansprechen will, dann verliert man wohl zwangsläufig ein bisschen an Unangepasstheit.»

Feministischer Grundton

Inhaltlich würden Rubriken wie Fashion, Food und Design sie stark an klassische Frauenmagazine erinnern, sagt Leena Schmitter: «Dagegen fehlt eine explizit politische Kategorie. Was nicht heisst, dass man den Macherinnen politisches Verständnis und Wirkung absprechen kann.»

Ein Bild aus einer «Fempop»-Modestrecke. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Bildsprache dieser Modestrecke verbirgt ihre Pop-Wurzeln nicht. Anja Wurm

Was «Fempop» von Frauenmagazinen unterscheide, sei der durchgehend feministische Grundton aller Artikel, sagt Rahel Fenini: «Diättipps oder Konkurrenzdruck à la ‹Who wears it best› gibt es bei uns nicht.»

Vom Hype profitieren

«Sie zeigen, dass der Feminismus eben nicht in die vermeintlich verstaubte, elitäre, etwas lustlose Ecke gehört, die Mainstream-Medien ihm lange zugewiesen haben, sondern von Vielfalt lebt», sagt Historikerin Leena Schmitter.

«Fempop profitiert sicher vom Feminismushype, den wir erfreulicherweise auch in der Schweiz haben», sagt die Journalistin Anne-Sophie Keller: «Der Glitzer, das Rosarote in der Aufmachung und dann doch unterhaltende Inhalte, die seriös und gut recherchiert sind – das gefällt mir sehr. Und zeigt: Man kann auch im Tüllrock und mit Glitzer-Make-Up sehr seriöse Artikel schreiben.»

Die Macht der Subversion

«Sich Klischees anzueignen und sie neu zu interpretieren, sehen wir als mächtiges Instrument», sagt Rahel Fenini. Die subversive Kraft der Umdeutung sehe man aktuell etwa auch an den pinken Pussyhats: «Wir versuchen Frauen zu motivieren, unabhängig ihren Weg zu gehen – das bedeutet aber, dass man auch sehr feminin sein und Freude an Glitzer und Rosa haben kann.»

Im Juni erscheint die zweite Ausgabe von «Fempop». Bereits mit der ersten Ausgabe haben die Autorinnen einem alten Thema für die Gegenwart ein schillerndes neues Kleid verpasst.

Sendebezug: Radio SRF 2 Kultur, Screenshot, 04.04.2017, 17:40 Uhr